Kundenorientierung – das Maß aller Dinge

Interview mit Dr.-Ing. Sebastian Wenzel, Geschäftsführer und Denis Villevald, Vertriebsleiter der Heinrichs Messtechnik GmbH

Heinrichs Messtechnik blickt auf eine lange Geschichte zurück – seit 1911 konzentriert sich das Unternehmen auf Messtechnik made in Germany. In den über 100 Jahren hat sich das Unternehmen nicht nur konstant mit dem Markt weiterentwickelt, sondern war dem Wettbewerb oft voraus.

Potenziale und Chancen nutzen

Durchflussmessgeräte, Füllstandsanzeigen, Druckmessgeräte, Temperaturmessgeräte, Dichtemessgeräte – mit einem breiten Portfolio erfüllt Heinrichs die Anforderungen verschiedener Branchen. Vor allem die chemische Industrie, aber auch die Petrochemie, Öl- und Gasindustrie, Schiffsbauer und der Maschinen- und Anlagenbau setzen auf die Kompetenz der Kölner. Seit zwei Jahren führt Dr.-Ing. Sebastian Wenzel die Geschäfte des seit 2008 zur Kobold-Gruppe gehörenden Messspezialisten. Zwei Jahre, die unter besonderen Vorzeichen standen.

„Auf die Coronakrise folgte der Krieg in der Ukraine“, sagt Dr. Sebastian Wenzel. „Da unsere Hauptkunden aus der Chemieindustrie kommen, haben wir die Folgen direkt gespürt. Wir haben in dieser Zeit die Zusammenarbeit mit ausländischen Tochterunternehmen intensiviert, um den Auslandsanteil zu erhöhen. Um auf der Beschaffungsseite unabhängiger zu sein, haben wir intensiv nach neuen Partnern gesucht, um auch kurzfristig lieferfähig zu bleiben. Auch im Bereich Forschung und Entwicklung konnten wir neue Akzente setzen, um uns unabhängiger und weniger anfällig zu machen.“

Mit Coriolis zum Vorreiter

Heinrichs Messtechnik hat sich mit hochwertigen Produkten für anspruchsvolle Messaufgaben international einen Namen gemacht. Ein Highlight des Angebots ist die Coriolis-Durchflussmessung. Bereits seit Mitte der 1980er-Jahre machte das Unternehmen als einer der ersten europäischer Hersteller eines Massedurchflussmessers nach dem Coriolisprinzip von sich reden. Bis heute ist wurde die Palette der Coriolis-Geräte ausgeweitet. Heute spielen Durchflussmessgeräte für Wasserstoff eine zentrale Rolle. Heinrichs präsentiert mit dem TMU-W Coriolis Massedurch flussmesser ein Gerät, das mit einer herausragenden Genauigkeit bei anspruchsvollen Messaufgaben bei hohen Drücken und in rauen Umgebungen überzeugt.

„Im Bereich Wasserstofftechnologie sehen wir großes Potenzial für die Zukunft“, sagt Vertriebsleiter Denis Villevald. „Die Technologien entwickeln sich konstant weiter; neue Herausforderungen stellen sich zum Beispiel im Bereich der Betankung von Lkw oder Bussen. Es ist ein großes Thema, mit dem wir uns intensiv auseinandersetzen, um zukunftsfähige Lösungen zu bieten. Wir wollen hier früher als andere auf dem Markt sein.“

Messgerätemanufaktur und Kundenversteher

Vorreiter zu sein, Entwicklungen zu antizipieren, ist seit jeher ein wichtiges Unternehmensziel und -charakteristikum. Dass Heinrichs das immer wieder gelingt, hat nicht zuletzt mit der Struktur zu tun. Mit 60 Mitarbeitenden kann das Unternehmen schnell agieren. „Wir sind relativ klein, haben eine hohe Flexibilität, Agilität und Reaktionsfähigkeit“, betont Denis Villevald. Auch für Geschäftsführer Dr. Sebastian Wenzel liegt genau darin eine Unternehmensstärke.

„Unsere hohe Fertigungstiefe ermöglicht es uns, flexibel auf den Markt zu reagieren“, sagt er. „Das ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Wir hören Kunden zu, pflegen persönliche Beziehungen und versuchen passgenaue Lösungen anbieten. Als Nischenanbieter konzentrieren wir uns auf Sonderfertigungen, die uns immer wieder neu herausfordern. Weil wir keine Massenware fertigen, sind Automatisierungsmöglichkeiten in unserem Bereich begrenzt. Wir haben zwar in den vergangenen zwei Jahren in neue Produktionstechnologien investiert, aber unser Steckenpferd bleibt die Flexibilität, auch wenn sie die Automatisierung limitiert.“

Zeitnah liefern, dem Markt voraus

In Zukunft sollen Elektroniklösungen größeren Raum bei Heinrichs einnehmen. Der Bedarf auf Kundenseite ist da. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren vor allem auf die stetige Weiterentwicklung konzentriert“, sagt Dr. Sebastian Wenzel. „Dies betrifft sowohl die Sensoren als auch die Elektronik, das heißt die Transmitter. Ziel ist, zeitnah zu liefern.“ Bei Tantal-Sensoren gibt es eine neue Bauform; im Sommer steht das Go-live an. Für Denis Villevald bildet die Entwicklung eines Grundgerüsts für die Messgeräte die Basis für einen modularen Aufbau und damit größere Flexibilität.

„Wir sind gespannt, wie die Sensoren am Markt ankommen“, sagt Dr. Sebastian Wenzel. „Wir sehen gerade bei den Sondergeräten ein stetiges Wachstum. Bei den neuen Elektroniken gibt es perspektivisch vielversprechende Marktchancen. Wir haben hier sehr eine sehr schöne Entwicklungspipeline. Die kontinuierliche Verbesserung der Prozesse innerhalb der Produktion und innerhalb des Unternehmens hat uns in der Vergangenheit deutlich effizienter gemacht; innerhalb von zwei Jahren konnten wir 25% mehr abwickeln. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit werden wir nutzen, um auch künftig Vorreiter in Sachen innovative Messtechnik made in Germany zu sein.“

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