Alles unter einem Dach – vom Rohbau bis zum Innenausbau

Interview mit Christel Heiming-Mechlinski, Geschäftsführerin und Manfred Mechlinski, Geschäftsführer der Heiming GbR

Wirtschaftsforum: Frau Heiming-Mechlinski, seit wann sind Sie im Unternehmen tätig?

Christel Heiming-Mechlinski: Ich wurde in das Baugeschäft hineingeboren und bin auch darin aufgewachsen. 1984 habe ich hier meine Ausbildung begonnen. Zehn Jahre später bin ich mit Anteilen eingestiegen und irgendwann war ich zusammen mit meinem Mann Alleininhaberin. Nächstes Jahr feiere ich mein 40-jähriges Dienstjubiläum.

Wirtschaftsforum: War es von Anfang an klar, dass Sie das Familienunternehmen weiterführen würden?

Christel Heiming-Mechlinski: Nicht ganz. In einer von Männern dominierten Branche wie dem Bausektor wurde mein Bruder von meinen Eltern als die natürliche Wahl angesehen, als es um die Nachfolge im Unternehmen ging. Er war jedoch nicht daran interessiert. Ich dagegen hatte großes Interesse daran und so bekam ich sozusagen als zweite Wahl meine Chance. Bei der Entscheidung, mir das Familienunternehmen anzuvertrauen, war es wahrscheinlich hilfreich, dass mein Mann ebenfalls aus dem Baugewerbe kam und wir uns die Aufgabe teilen konnten.

Wirtschaftsforum: Sie arbeiten jetzt seit vier Jahrzenten im Unternehmen und wurden in Ihrer Heimatstadt Dorsten als Unternehmerin des Jahres 2013 ausgezeichnet. Was waren die wichtigsten Entwicklungen unter Ihrer Leitung?

Christel Heiming-Mechlinski: Während meiner Zeit im Unternehmen gab es sehr viele Änderungen. Wir sind beispielsweise mehreren Baustoffverbänden beigetreten und sind Kooperationen eingegangen, um unser Netzwerk zu erweitern. Zudem haben wir eine Filiale 5 km von hier entfernt erworben und dort ein zweites Standbein aufgebaut, das sich mit dem Innenausbau beschäftigt. Das war damals eine sehr große Herausforderung. Aber auch Themen wie die Weiterentwicklung des EDV-Systems oder die Aufstockung des Firmensitzes sind in den letzten Jahren vorangetrieben worden.

Wirtschaftsforum: Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Wie wichtig ist das für Sie im Unternehmen?

Manfred Mechlinski: Nachhaltigkeit ist ein sehr wichtiges Thema, das wir auf vielfältige Weise angehen. Von Photovoltaik-Panels auf dem Dach über den Betrieb von E-Gabelstaplern bis hin zur Bevorratung nachhaltiger Baumaterialien für unsere Kunden. Vor allem die Nachfrage nach Holz als nachhaltigem Rohstoff nimmt stark zu. Aber wir wollen auch ein nachhaltiges Unternehmen sein und die jungen Leute ausbilden, die es in Zukunft weiterführen werden. Deshalb bilden wir in verschiedenen Berufen aus.

Wirtschaftsforum: In welchen Bereichen sind Sie heute aktiv?

Christel Heiming-Mechlinski: Wir sehen uns als traditionelles Bau- und Handwerksunternehmen mit angeschlossener Zimmerei und Baustoffhandel. Unsere Zimmereileistungen reichen von Terrassenüberdachungen und Carports über Dachstühle aller Schwierigkeitsgrade bis hin zu Aufstockungen und kompletten Häusern in Holzrahmenbauweise.

Manfred Mechlinski: Unsere Handwerksleistungen umfassen auch Erd-, Maurer-, Beton- und Stahlbetonarbeiten, sodass wir in der Lage sind, den kompletten Rohbau aus einer Hand zu errichten.

Wirtschaftsforum: Welche Produkte bieten Sie im Baustoffhandel an?

Christel Heiming-Mechlinski: Der Baustoffhandel ist unser wichtigstes Standbein. Damit generieren wir rund zwei Drittel unseres Umsatzes. Wir haben einen Lagerbestand im Wert von einer Million EUR und bieten für die Errichtung und Fertigstellung des Bauvorhabens alle nötigen Materialien bis hin zum Innenausbau und Galabau an. Durch unser Netzwerk von Kooperationspartnern können wir auch exotische Wünsche erfüllen.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden?

Christel Heiming-Mechlinski: Wir haben viele langjährige, gewerbliche Kunden, die immer wieder zu uns kommen, weil sie mit der Qualität der Baustoffe und des Services zufrieden sind. Wir haben auch viele private Kunden, besonders im Galabau-Bereich.

Wirtschaftsforum: Wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht die Baubranche zurzeit?

Manfred Mechlinski: Die momentane wirtschaftliche Lage bremst die Bauindustrie stark aus. Obwohl die Situation mit den Lieferengpässen sich inzwischen entspannt hat, halten hohe Baukosten und Zinsen sowohl private Bauherren als auch Investoren davon ab Neubauprojekte zu starten. Stattdessen steigt die Nachfrage nach Aufstockungen und Umbauten sowie nach Sanierungen.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?

Christel Heiming-Mechlinski: Ein einfaches Doppelhaus kostet heute mindestens eine halbe Million EUR. Bei den derzeitigen Zinsen und Inflationsraten ist es ohne staatliche Hilfen sehr schwierig für junge Menschen, insbesondere in den Ballungsgebieten, sich ein Eigenheim zu leisten. Hier sehen wir Handlungsbedarf, da die Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum stetig wächst.

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