Wo der Handschlag zählt, ist der Kunde König

Interview mit Josef Hagn (CEO) und Marcel Hagn (COO) von der Hagnleone GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hagn, die Hagnleone GmbH besteht seit über 20 Jahren. Was sind aus Ihrer heutigen Sicht die wichtigsten Meilensteine in der Unternehmensgeschichte?

Josef Hagn: Ich habe damals mit einer Schlosserei angefangen. Vor 16 Jahren ist dann die mechanische Entwicklung hinzugekommen für DMG Mori Seiki, einen der größten Maschinenhersteller der Welt. Wir waren ab dem Zeitpunkt sehr vielseitig unterwegs: 2001 kam unsere eigene Fensterproduktion als neues Geschäftsfeld hinzu. Vor acht Jahren haben wir uns entschlossen, uns neu aufzustellen: Von Schlosserei und Fensterproduktion hin zur Entwicklung und Produktion aller Dinge für die Industrie, die es so nicht zu kaufen gibt, also zum Beispiel Designelemente für neu entwickelte Maschinen.

Die Designer kommen zu uns und wir entwickeln, was sie benötigen, mechanische Teile, Leuchten oder Ampeln, egal was, wir können es liefern. Leuchten für die Industrie sind heute unser Kerngeschäft. In den letzten Jahren haben wir darüber hinaus weitere Firmen mit anderen Schwerpunkten gegründet; wir sind Bauträger, Immobilienmakler, Installateure, Zimmerer, auch wieder Schlosser. Kerngeschäft sind aber Leuchten und Industrieprodukte.

Wirtschaftsforum: Treten Sie als Firmengruppe auf?

Josef Hagn: Mein Sohn Marcel und ich führen diese Unternehmen, sind aber bislang nach außen nicht als Gruppe aufgetreten. Allerdings wollen wir im nächsten Jahr eine Vertriebsfirma gründen, unter deren Dach wir den weltweiten Vertrieb unserer Technikprodukte angehen wollen, für die wir am weltweiten Markt gutes Potenzial sehen.

Wirtschaftsforum: Corona macht die Umsetzung zukünftiger Vorhaben gerade eher schwierig. Wie sind Sie bislang durch diese Zeit gekommen?

Josef Hagn: Dadurch, dass wir mit mehreren Firmen sehr breit aufgestellt sind, konnten wir unsere Leute bei Bedarf an verschiedenen Orten einsetzen und haben diese Zeit so bis jetzt relativ gut überstanden. Wir mussten keine Mitarbeiter entlassen und haben für nächstes Jahr auch einige große neue Aufträge in Aussicht. Insofern sind wir optimistisch.

Wirtschaftsforum: Welche Produkte sind für Sie die wichtigsten in Ihrem gesamten Portfolio und worin sehen Sie die Gründe für Ihren Erfolg?

Josef Hagn: Wichtig ist zum einen unsere Bauträgerfirma, hier haben wir Aufträge für die nächsten vier Jahre. Bei Hagnleone sind es vor allem die Produkte für die extremen Anforderungen in der Industrie, also Displays, Leuchten und Hallenbeleuchtung. Auch die mechanische Entwicklung ist ein wichtiger Geschäftszweig. Wir liefern Displays nach Sibirien und China, wir entwickeln Leuchten etwa für Porsche und Gildemeister. Weltweit haben wir 500 Kunden, die wissen, dass wir für jedes Problem eine Lösung haben und das oft besser und günstiger als unsere Wettbewerber. Bei uns zählt noch der Handschlag und unser Kunde ist immer König – von Gildemeister wurden wir als Lieferant des Jahres im Bereich Innovation ausgezeichnet.

Wirtschaftsforum: Herr Hagn, Sie sind, wie Ihr Vater sagt, die Zukunft des Unternehmens. Welche Impulse wollen Sie ihm geben?

Marcel Hagn: In jedem Fall werden wir unsere Fertigung weiter digitalisieren und diese Abläufe auch in die Vertriebsfirma übernehmen, die wir, wie schon gesagt, nächstes Jahr gründen möchten. Unter deren Dach wollen wir unsere Unternehmen in einer Holding zusammenfassen. Das wird der nächste wichtige Schritt sein.

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