Weil Kleider Leute machen

Interview mit Kai-Michael Gminder, Geschäftsführer der Gustav Daiber GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Gminder, die Gustav Dauber GmbH bietet das breiteste Sortiment für Corporate Fashion in Europa. Wie kam es dazu?

Kai-Michael Gminder: Das ist eine Entwicklung, die bis 1912 zurückgeht, als mein Urgroßvater in Albstadt ein Hutgeschäft eröffnete. Nach dem Krieg wurde der Fokus auf Textilzubehör wie Knöpfe oder Garn gerichtet; die Gegend war damals eine Textilhochburg. Man begann Gummilitzen zu importieren und an Textilunternehmen zu vertreiben. Als in den 1970er-Jahren die Vertretung für diese Gummilitzen gekündigt wurde, musste man umdenken. Mein Onkel fand einen Lieferanten in Taiwan, sodass man begann, direkt zu importieren. Ein weiterer Meilenstein war der Beginn des Stickens und Druckens, der den Wandel vom reinen Handelsunternehmen hin zum Produzenten markierte. Bis Ende der 1980er-Jahre liefen die Geschäfte sehr gut; mit dem Zusammenbruch der Textilbranche musste sich das Unternehmen ein weiteres Mal neu aufstellen. So entstand schließlich der Kontakt zur Werbemittelbranche.

Wirtschaftsforum: Sind Werbemittel heute zentraler Bestandteil des Portfolios?

Kai-Michael Gminder: Ja. Es begann mit aus China importierten Kappen. Das war die Rückbesinnung auf die Tätigkeit eines Handelsunternehmens und auf das Hutgeschäft der Ursprungszeit. Mit James & Nicholson kreierten wir 2001 eine Eigenmarke für reine Basic-Produkte, die als Leinwand für Werbebotschaften fungieren. Unser Vorteil ist, dass wir Druck- und Stickmaschinen zur Verfügung haben und Kunden alles aus einer Hand bieten können. Das ist wettbewerbsentscheidend und hat nicht zuletzt unsere Eigenmarke gestärkt.

Wirtschaftsforum: Daiber war eine der größten Stickereien in Deutschland. Wird heute noch gestickt?

Kai-Michael Gminder: Bis heute laufen Stickerei und Druckerei weiter. Wir benötigen die Maschinen für unsere Werbeartikel, auch wenn die Anforderungen hier nicht so hoch sind. Der Handel mit Textilien ist aber klares Hauptgeschäft.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie das Unternehmen heute skizzieren?

Kai-Michael Gminder: Ich vertrete die 4. Generation. Über unsere Holding (Anm. d. Redaktion: JCK Holding in Quakenbrück) haben wir Kontakt zu Fernost. Dort arbeiten wir mit Firmen zusammen, deren Qualitäts- und Sozialstandards streng kontrolliert werden. Gustav Daiber beschäftigt 130 Mitarbeiter; jedes Jahr gibt es 40 bis 50 neue Produkte. Neben Kappen bieten wir Shirts, Polohemden, Sweatshirts oder Softshelljacken an, deren Vielfalt einzigartig ist. Hinzu kommen die Bereiche Sportswear, Workwear und Corporate Wear.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit?

Kai-Michael Gminder: Wir arbeiten mit Bio-Cotton und recyceltem Polyester und wir haben auch schon mit Ocean Plastic experimentiert. Diese nachhaltige Ausrichtung ist gerade im Werbeartikelmarkt von großer Bedeutung.

Wirtschaftsforum: Wie sieht der Blick nach vorn aus?

Kai-Michael Gminder: In Europa bieten wir das umfangreichste und modischste Sortiment im Corporate Wear-Bereich. Auch in großen Mengen ist die Ware schnell ab Lager verfügbar. Dort lagern ständig zwölf Millionen Teile in 40.000 Varianten. Wir haben letztes Jahr ein neues ERP-System eingeführt und werden weitere Prozesse digitalisieren. Gleichzeitig sind wir mit unserer Erfahrung und regionalen Verwurzelung bodenständig und traditionsbewusst; ein Teamplayer mit Pioniergeist. Wir sind ein junges Team, arbeiten auch abteilungsübergreifend eng zusammen, damit neue Ideen entstehen können. Diese Faktoren werden auch künftig unseren Kurs bestimmen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Textilien

Sammeln von Altkleidung kaum noch kostendeckend

Interview mit Nexhip Gjikolli, Geschäftsführer der Textil-Recycling Nord GmbH

Sammeln von Altkleidung kaum noch kostendeckend

Jeder kennt sie, die Container zum Sammeln von Altkleidern und Schuhen. Doch kaum jemand macht sich Gedanken darüber, wie groß der Aufwand des Sammelns, Sortierens und der Weiterverwertung ist. Seit…

Qualität, Tradition und Fortschritt in der Textilindustrie

Interview mit Paul Schuschan, Geschäftsführer der Zwickauer Kammgarn GmbH

Qualität, Tradition und Fortschritt in der Textilindustrie

Die Zwickauer Kammgarn GmbH ist die letzte in Deutschland produzierende Kammgarnspinnerei und bekannt für ihre spezialisierten Garnlösungen, die weltweit im oberen Marktsegment gefragt sind. Paul Schuschan, Geschäftsführer seit 2024, spricht…

Textile Werte, neue Wege

Interview mit Jacob Sloth, Geschäftsführer der Zimmer + Rohde GmbH

Textile Werte, neue Wege

Die Zimmer + Rohde GmbH in Oberursel steht seit über 120 Jahren für textile Spitzenqualität, anspruchsvolle Kreation und internationale Stilkompetenz. Das Familienunternehmen zählt zu den führenden europäischen Textilverlagen. Seit Ende…

Spannendes aus der Region Zollernalbkreis

Nachhaltige Beleuchtung

Interview mit Holger Mang, Vertriebsrepräsentant der JUNG-LEUCHTEN GmbH

Nachhaltige Beleuchtung

In der Beleuchtungsindustrie dreht sich alles um das Thema LED. Die lange Lebensdauer, hohe Lichtausbeute, vielfältige Farboptionen und hohe Energieeffizienz der LED-Leuchtmittel sind einfach unschlagbar. Während der Wechsel in den…

Maschinen ein zweites Leben schenken

Interview mit Christian Munzinger, Geschäftsführer und André Elz, Geschäftsführer der GSN Maschinen-Anlagen-Service GmbH

Maschinen ein zweites Leben schenken

Neu bedeutet nicht zwangsläufig besser – insbesondere, wenn man die Kosten berücksichtigt. Als führender, herstellerunabhängiger Anbieter von innovativen Engineering-Lösungen im Bereich der Sondermaschinen und Automatisierungstechnik hat sich die GSN Maschinen-Anlagen-Service…

„Digitalisierung ermöglicht noch mehr Kundennähe!“

Interview mit Bennet Friedrich, Leiter Geschäftsentwicklung der Hecon Abrechnungssysteme GmbH

„Digitalisierung ermöglicht noch mehr Kundennähe!“

Wenn bald wieder die Heizkostenabrechnungen ins Haus flattern, hat Hecon Hochkonjunktur: Denn für zehntausende Wohnimmobilien im Südwesten Deutschlands erstellt das gewachsene Familienunternehmen die Jahresendabrechnungen sowie die inzwischen vielfach vorgeschriebenen unterjährigen…

Das könnte Sie auch interessieren

Verantwortung übernehmen im jagdlichen Fachmarkt

Interview mit Stefan Kolosser, Geschäftsführer der Huntivity Group GmbH

Verantwortung übernehmen im jagdlichen Fachmarkt

Mit klarer Vertriebsorientierung und starkem Markenfokus hat sich die Huntivity Group GmbH im jagdlichen Fachmarkt erfolgreich positioniert. Der Schwerpunkt liegt auf dem B2B-Großhandel und dem gezielten Aufbau eigener Marken. Geschäftsführer…

Wo E-Commerce und stationärer ­Einzelhandel Hand in Hand gehen

Interview mit Dr. Dominik Benner, Geschäftsführer der The Platform Group SE & Co. KGaA

Wo E-Commerce und stationärer ­Einzelhandel Hand in Hand gehen

E-Commerce und stationärer Handel werden oft als Gegensätze gesehen: ein Trugschluss, wie Dr. Dominik Benner meint. Mit seinem Unternehmen The Platform Group will er starken stationären Einzelhändlern die Welt des…

„Der persönliche Kontakt bleibt trotz Digitalisierung wichtig!“

Interview mit Birgit Häussler, Geschäftsführerin der Manfred Häussler GmbH

„Der persönliche Kontakt bleibt trotz Digitalisierung wichtig!“

Seit über 40 Jahren setzen Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen aus dem Bausektor aus dem süddeutschen Raum auf die Materialkompetenz und beständige Verlässlichkeit des Baustoffgroßhändlers Manfred Häussler GmbH aus Winnenden. Im Interview…

TOP