Ardi Goldman: That‘s Entertainment!

Interview mit Ardi Goldman, Geschäftsführer der Goldman Holding GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Goldman, als Stadtteilregisseur haben Sie alte Fabrikhallen zu Ateliers umfunktioniert, mit den 25hours Hotels ein neues Hotelkonzept entwickelt und auch als Gastronom neue Trends gesetzt – worin liegt Ihr aktueller Tätigkeitsschwerpunkt?

Ardi Goldman: Das kann man tatsächlich nur schwer in Worte fassen – denn in gewisser Weise gehöre ich zur letzten Generation der Unternehmer in ihrer klassischen Art, die ihr eigenes Geld investieren und auf eigenes Risiko arbeiten, im Gegensatz zur übergroßen Mehrheit der sogenannten Immobilienunternehmen von heute, die eher als Finanzierungsvehikel im Markt auftreten und bei denen im Zweifel kein persönlich haftender Gesellschafter im Feuer steht. Ich sehe mich also tatsächlich als jemand, der ein Unternehmen in seiner gesamten Vielfalt betreibt: mit allem, was dazugehört.

Wirtschaftsforum: Was folgt da-raus für Ihren Geschäftsalltag?

Ardi Goldman: Da ich mit meinen Unternehmen eben nicht nur als Immobilien-‘Entwickler’ auftrete, sondern auch Vermieter bin, muss ich mir schon in sehr frühen Phasen der Planung sehr konkrete Gedanken über die tatsächliche Nutzung des jeweiligen Objekts machen und präzise den jeweiligen Nutzen für die künftigen Mieter definieren. Ich fing an mit Gastronomie-Betrieben und Bars, woraus weitreichendere Entertainment-Konzepte erwuchsen. Später folgten dann Einzelhandelsunternehmen und der Betrieb von größeren Funktionshallen, bis ich mit den 25hours Hotels auch ins Hotelgewerbe eingestiegen bin.

Wirtschaftsforum: Damit umreißen Sie eine große Vielfalt an unterschiedlichen Branchen. Brächte eine stärkere Spezialisierung nicht zumindest auf wirtschaftlicher Ebene mehr Vorteile mit sich als dieser generalistische Ansatz?

Ardi Goldman: Ja, natürlich ist für uns damit alles schwieriger. Ich wünschte, dass ich entsprechend spezialisierte Menschen in meinem Umfeld hätte. Aber das geht in Deutschland leider nicht, weil wir dafür viel zu provinziell sind. Nehmen Sie den Begriff Entertainment – hier in Deutschland sagt man ja lieber Unterhaltung. Aber da gibt es einen Unterschied.

Wirtschaftsforum: Worin liegt der?

Ardi Goldman: Ernst Mosch ist Unterhaltung, Frank Sinatra ist Entertainment. Entertainment ist die Grundidee des Lebens und des Schaffens, die Freude am Entwickeln und an Verantwortung. Das hat man besonders in Deutschland verlernt, denn die weit überwiegende Mehrheit der Unternehmen hierzulande hat keine Verantwortung mehr, weil die Unternehmen keine Unternehmer haben, sondern nur noch Manager – und die stehen in den meisten Fällen auch nicht zu ihrer Verantwortung. Das hat man bei all den Skandalen der letzten Jahre von Volkswagen bis zur Deutschen Bank doch gesehen.

Wirtschaftsforum: Warum sind Sie dann weiterhin in Deutschland unternehmerisch tätig, wenn die Rahmenbedingungen in Ihren Augen so defizitär ausfallen?

Ardi Goldman: Ich hätte das Land schon längst verlassen, wenn ich aufgrund meines Tätigkeitsspektrums nicht immobil wäre. In den letzten 40 Jahren habe ich all die Herausforderungen, denen ich begegnet bin, mit meiner Kreativität bewältigt – dadurch, dass ich etwas Neues erfinde. Denn ich mache keine Projekte, sondern Produkte, ich erschließe mir Nischen und suche konsequent Alleinstellungsmerkmale. Ich baue keine Häuser, die jeder andere Marktteilnehmer auch anbieten kann. Denn ein multiflexibles Haus, das sowohl Künstler als auch Ärzte oder Versicherungsunternehmen gleichermaßen anspricht, gibt es nicht. Es gibt ja auch kein Auto für alle – ein verheirateter Familienvater, der mit seinen drei Kindern in den Urlaub nach Südeuropa fahren will, hat schließlich andere Bedürfnisse als ein alleinstehender Wohlstandsverwahrloster, für den es nur ein Ferrari tut. Ich überlege mir also zunächst sehr genau, wer eigentlich meine Kunden sind, und definiere ausgehend von diesen Erkenntnissen präzise mein Produkt. Die meisten meiner Marktbegleiter können oder wollen das gar nicht.

Wirtschaftsforum: Die Definition der eigenen Kernklientel dürfte zudem keine triviale Aufgabe sein.

Ardi Goldman: Das wird in der Tat immer schwieriger – schließlich weiß man heute gar nicht mehr, wo man werben soll. Früher dominierten die Printmedien den Markt, und in dem begrenzten Angebot aus Spiegel, Stern, Bild und weiteren Publikationen konnte man sehr zielsicher die jeweilige Leserschaft erkennen. Heute beherrschen jedoch die sozialen Medien den Werbemarkt, und noch dazu hat die Aufmerksamkeitsspanne von Gen Z im Vergleich zu vorherigen Generationen merklich nachgelassen. Deswegen setze ich heute auf Produkte, die man nur spürt und versteht, wenn man selbst ihr Kernpublikum ist – ich nenne es Kulturentertainment.

Wirtschaftsforum: Lässt sich aus dieser Bestandsaufnahme folgern, dass die Glanzzeiten Ihres Metiers heute vorbei sind?

Ardi Goldman: Nein, aber wenn man nicht mit der Zeit geht, wird man mit der Zeit gehen. Es gibt immer wieder neue Bücher, neue Filme und neue Kunst, und noch dazu ist die Geschwindigkeit des Fortschritts heute rasend schnell. Wo Facebook noch 18 Monate brauchte, um auf eine Million Nutzer zu kommen, hat ChatGPT diese Marke in fünf Tagen geknackt. Wir leben somit in einer enorm spannenden Zeit, in der ich mich weiterhin mit all meiner unbändigen Leidenschaft engagieren will – und zwar im eigentlichen Wortsinne: denn ‘Leiden schafft’.

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