Im Griff der Zeit

Interview mit William Owusu, Geschäftsführer der Forkardt Deutschland GmbH

Gegründet wurde die Forkardt GmbH 1923 von Paul Forkardt in Düsseldorf. Er gilt als Pionier der Spanntechnik. Unter anderem entwickelte er das Dreibackenfutter, das bis heute als Standardwerkzeug in der Zerspanung gilt. Nach wechselreichen Jahrzehnten und mehreren Eigentümerwechseln gehört Forkardt Deutschland seit September 2024 zur ForkardtHardinge-Gruppe unter dem neuen Mehrheitseigentümer Centerlane and Partners. Dieser trennte das Maschinengeschäft konsequent vom Work-Holding-Bereich: Kellenberger übernahm die Maschinenseite, Forkardt konzentriert sich seither ausschließlich auf Spannmittel. Eine Fokussierung, die für Geschäftsführer William Owusu längst überfällig war. „Wir wollen weg davon, der Alleslöser zu sein“, sagt er. Das aufwendige Sondergeschäft – kundenspezifische Einzellösungen, die mitunter monatelang die halbe Fertigung blockierten – tritt in den Hintergrund. Stattdessen rücken die profitablen Kernprodukte und der Servicebereich ins Zentrum. William Owusu selbst verkörpert den Wandel des Unternehmens. Der studierte Betriebswirt kam 2016 als Buchhalter zu Forkardt. Er half, Buchhaltung und Controlling neu aufzubauen, entwickelte sich zum kaufmännischen Leiter und übernahm Mitte 2024 die alleinige Geschäftsführung. Mit fast zehnjähriger Betriebszugehörigkeit hat er sämtliche wichtigen Gespräche von Anfang an mitverfolgt. „Ich kenne die Firma in- und auswendig“, sagt er, und das ist keine Floskel, sondern Programm: Bevor extern rekrutiert wird, schaut man intern.

Fokus auf das, was trägt

Das Herzstück der neuen Strategie: Standardprodukte stärken, Servicegeschäft ausbauen, Sonderaufträge selektiv und nur nach sorgfältiger Prüfung annehmen. Ob ein Spezialauftrag wirtschaftlich sinnvoll ist, entscheiden Konstruktion, Fertigung und Vertrieb heute gemeinsam im Team. „Welcher Kunde steht dahinter, bringt uns das wirklich den Gewinn, den wir brauchen?“ – das sind die Fragen, die William Owusu stellt, bevor ein aufwendiges Projekt grünes Licht bekommt. Parallel dazu investiert Forkardt in sein Leistungsangebot: Ein neu entwickeltes Schnellwechselsystem soll bald auf den Markt kommen und die Rüstzeiten beim Werkzeugwechsel spürbar verkürzen. Zudem arbeitet das Unternehmen daran, seine Spannlösungen noch kompatibler mit Fremdmaschinen zu machen, damit Kunden, die zu einem anderen Maschinenhersteller wechseln, trotzdem bei Forkardt bleiben können. „Der Kunde soll einfach mit seiner neuen Maschine mit unseren Produkten kompatibel sein“, beschreibt William Owusu das Ziel.
 

Servicegeschäft als ­Wachstumsfeld

Besonders viel Potenzial sieht das Unternehmen im Aftersales-Bereich, einem Segment, das in der Vergangenheit stiefmütterlich behandelt wurde. Forkardt-Spannfutter sind für ihre Langlebigkeit bekannt. Genau das macht Wartung, Überholung und Ersatzteile zum attraktiven Geschäftsfeld. „Warum sollte der Kunde was Neues probieren, was dann nur noch fünf Jahre hält?“, fragt William Owusu und beantwortet die Frage gleich selbst: Er sollte es nicht. Stattdessen bietet Forkardt nun aktiv Wartungsverträge und Ersatzteilversorgung an. Servicetechniker fahren auf Wunsch direkt zum Kunden; alternativ werden Spannfutter zur Überholung eingeschickt und möglichst ohne Maschinenausfallzeit wieder zurückgeliefert. 
 

Europa im Fokus, Netzwerke im Aufbau 

Rund 45 Mitarbeiter fertigen in Reutlingen-Mittelstadt für den europäischen Markt, darunter auch für die Schwestergesellschaft Forkardt USA, mit der Produktion und Kapazitäten gezielt abgestimmt werden. Frankreich ist ein wichtiger Absatzmarkt; die dortige Produktion wurde vollständig nach Deutschland verlagert. Neu hinzugekommen ist ein Händler in der Türkei, weitere Partnerschaften im Nahen Osten sind im Aufbau. Der Jahresumsatz soll in den kommenden Jahren nicht primär über Volumen, sondern über höhere Margen wachsen. „Wir haben nicht unbedingt mehr Umsatzwachstum für dieses Jahr geplant, aber eine größere Marge“, so der Geschäftsführer. Die neue Drehmaschine in der Fertigung und die Digitalisierung des ERP-Systems sollen dabei helfen.

Sichtbarkeit neu denken

Den Messeauftritt hat Forkardt 2026 bewusst umstrukturiert. Statt einer kostenintensiven Präsenz auf der Hannover Messe – wo laut William Owusu zuletzt ohnehin die Hälfte der Halle von asiatischen Anbietern belegt war – setzt das Unternehmen auf eine breitere Streuung: Hausmessen, Kundenbesuche vor Ort, Reisen nach Polen, Italien und weiteren europäischen Märkten. Das Budget bleibt gleich, die Kontaktpunkte werden mehr. Ob das Konzept aufgeht, wird nach dem Jahr bewertet. Parallel dazu wird die Marketingstruktur professionalisiert. Statt wilder Einzelaktionen soll ein einheitliches, qualitätskontrolliertes Erscheinungsbild entstehen – auf LinkedIn, Xing und Instagram. Forkardt will dort präsenter werden, wo die Kaufentscheidungen vorbereitet werden – am Bildschirm, lange bevor jemand eine Messe betritt.

Optimismus mit Bodenhaftung

Über die wirtschaftlich unsichere Lage ist sich William Owusu klar – aber sie bremst ihn nicht. Kurzarbeit hat Forkardt so gut wie nie in Anspruch genommen, und die bewusst breite Aufstellung abseits der Automobilbranche zahlt sich aus. Das erste Quartal 2026 laufe absolut planmäßig, der Anteil des Standardgeschäfts am Auftragsbestand übersteige mittlerweile die Hälfte. „Die Marke ist bekannt, selbst in den Zeiten, wo es nicht so läuft, merkt man das“, sagt William Owusu. Für ihn ist das kein Grund zur Selbstzufriedenheit, sondern eine Bestätigung dafür, dass der eingeschlagene Weg stimmt.

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