Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Interview mit Christof Kunze, Geschäftsführer der Gustav Daiber GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kunze, bei der Gustav Daiber GmbH trifft Tradition auf Innovation – und zwar nicht nur im Zuge des Generationswechsels, den das Unternehmen seit einigen Jahren durchläuft.

Christof Kunze: Bis zu seinem Ausscheiden vor sechs Jahren hat Rolf Daiber das Unternehmen in 3. Generation sehr groß gemacht, unter anderem mit unseren Marken James & Nicholson und myrtle beach, mit denen wir seit letztem Jahr aber nur noch unter der Brand Daiber auftreten, um so unsere eigene Präsenz im Markt zu schärfen.

In der Vergangenheit, als wir noch vornehmlich als Werbemittelhändler auftraten, war es für uns durchaus sinnvoll, eher im Hintergrund zu agieren. Doch aufgrund tiefgreifender Marktveränderungen und unseres eigenen Wachstums ist es für uns heute wichtiger geworden, auch selbst als zunehmend starke Marke in Erscheinung treten zu können. 

Wirtschaftsforum: Was hat sich mit den Jahren noch verändert? 

Christof Kunze: Vor knapp zehn Jahren haben wir auch im Workwear-Bereich mit der Entwicklung eigener Produkte begonnen, sodass wir uns neben der Promotion ein starkes zweites Marktfeld erschließen konnten. Als ich vor sechs Jahren in das Unternehmen eintrat, habe ich gemeinsam mit meinem Co-Geschäftsführer Kai Gminder, dem Neffen von Rolf Daiber und somit Mitglied der Unternehmerfamilie, sehr konsequent den Wandel vom textilen Werbemittelhändler zur Corporate-Fashion-Plattform weiterverfolgt. Somit werden unsere Services neben unseren Produkten in Zukunft noch stärker in den Vordergrund rücken. 

Wirtschaftsforum: Um welche Services handelt es sich dabei genau? 

Christof Kunze: Unsere Kunden müssen lediglich ihr Logo oder andere Motive ihrer Wahl in dieses Tool hochladen und entsprechend auf den jeweiligen Textilien platzieren – und schon visualisiert unsere KI, wie das Produkt am Ende aussehen wird, auch im Kontext des jeweiligen Anwendungsfelds. So kann sich ein Garten- und Landschaftsbaubetrieb beispielsweise direkt anzeigen lassen, wie seine neuen Softshelljacken an seinem Team im Herbst oder Winter in freier Natur aussehen werden, während sich etwa ein Skiverein in seinem neuen Outfit in die verschneiten Alpen versetzen lassen kann. Unsere Produkte sind dadurch mit einem Schlag viel emotionaler geworden. 

Wirtschaftsforum: Wie passt dieser Ansatz zu Ihrer gewachsenen Beratungskompetenz? 

Christof Kunze: Wir sprechen mit unseren verschiedenen Bestell- und Kommunikationsmöglichkeiten unterschiedliche Zielgruppen an. Eine Physiotherapiepraxis, die einfach ihre neuen Poloshirts mit einem stylischen Logo veredeln möchte, wird mit unserer Editor-Lösung sehr gut zurechtkommen und verlässlich ein tolles Ergebnis erzielen. Ein Handelspartner, der einen Großauftrag mit 20.000 ­Exemplaren umsetzen möchte, wird sich derweil vermutlich weiterhin auf unsere Beratungskompetenz verlassen, und das ist auch gut so. Denn in komplexeren Fällen, wenn für ein optimales Ergebnis etwa zwischen verschiedenen Veredelungstechniken gewählt werden muss, wollen wir weiterhin mit unserem Know-how und unserer jahrzehntelangen ­Erfahrung unterstützen. Gleichzeitig erhalten die Händler mit unserem Tool ein wichtiges Werkzeug, um ihrerseits ihren Kunden packende Visualisierungen vorzustellen. So profitiert am Ende die gesamte Wertschöpfungskette. 
 

Wirtschaftsforum: Welche weiteren Nutzengewinne erwarten Sie durch die KI? 

Christof Kunze: Schon vor einigen Monaten haben wir einen reinen KI-Katalog erstellt (und natürlich auch als solchen gekennzeichnet), ohne aufwendige Shootings anberaumen zu müssen. So können wir unseren Kunden unsere aktuellen Innovationen in den Bereichen Corporate Fashion und Workwear noch schneller präsentieren. Gleichzeitig haben wir in unserem Unternehmen einen KI-Zirkel mit verschiedenen Mitarbeitern implementiert, die mit hoher Expertise fortlaufend neue Einsatzmöglichkeiten sondieren. 

Wirtschaftsforum: Welche Rolle wird Corporate Fashion aus Ihrer Sicht in einer stärker digitalisierten Zukunft spielen? 

Christof Kunze: Die Gustav Daiber GmbH verfolgt seit vielen Jahren ein klares Leitbild: Wir verbinden Marken mit Menschen, und unsere Produkte stiften Identität. Die Kleidung, die wir veredeln, zeichnet sich nicht in erster Linie durch den Namen oder das Logo unseres Kunden auf dem Produkt aus, sondern sie bietet seinen Mitarbeitern eine wichtige Identifikationsmöglichkeit mit ihrem Unternehmen. Das wird gerade in Zeiten von Digitalisierung und KI vermutlich noch stärker an Bedeutung gewinnen. 

Wirtschaftsforum: Auch vor dem Hintergrund des allgegenwärtigen Fachkräftemangels wird Employer Branding für die allermeisten Arbeitgeber immer wichtiger. Gleichzeitig schrumpfen in Zeiten der Rezession zunehmend die Budgets. Wie erlebt Gustav Daiber die derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Verwerfungen? 
 

hristof Kunze: Ein starker Bedarf an Corporate Fashion ist tendenziell immer gegeben. Während wir bei größeren Industriekunden durchaus mehr Zurückhaltung bemerken, können viele Handwerksunternehmen, die ebenfalls zu unserem Kundenkreis zählen, weiterhin eine attraktive Auftragslage verzeichnen. Damit investieren sie auch beständig in Workwear und verwandte Produkte. Unsere Schwesterunternehmen, die mit weniger identitätsstiftenden Produkten wie Kugelschreibern oder Schokoladentäfelchen im Markt auftreten, stehen da etwas größeren Herausforderungen gegenüber. Dank unserer heterogenen Kundenstruktur sind wir ferner bestens für den Fall gerüstet, dass große Industrieunternehmen in den nächsten Jahren möglicherweise weiter Personal abbauen, während sich der Mittelstand vielfach ähnlich resilient wie unser Unternehmen zeigt. Schon heute werden die Aufträge bei uns tendenziell etwas kleinteiliger und fragmentierter, während wir zudem auch außerhalb Deutschlands attraktive Märkte erschlossen haben, in denen wir uns in den nächsten Jahren noch stärker engagieren möchten. 

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie unternehmerisch mit den kleinteiligeren Auftragseingängen um? 

Christof Kunze: Schon vor einigen Jahren haben wir ein neues ERP-System in unserem Unternehmen eingeführt und zudem unsere Logistik durchgreifend optimiert, sodass wir heute auf sehr stringente Prozesse setzen können. Dadurch konnten wir die Auftrags­abwicklung deutlich beschleunigen. Dabei verweisen wir unsere Kunden trotz aller Beratungsmöglichkeiten auch gerne auf unsere automatisierten Onlinesysteme, schlicht weil wir auf diesem Wege oftmals schneller produktions- und lieferfähig sind. Mit diesem Ansatz können wir auch in einer gesamtwirtschaftlich angespannten Lage weiterhin sehr attraktive Preise anbieten: für unsere Handelspartner, zu denen wir seit Jahrzehnten ein enges Vertrauensverhältnis pflegen, sowie für unsere kleineren Kunden.

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