Der Airbag für Lithium-Ionen-Batterien
Interview mit Philipp Helmle, Geschäftsführer der LogBATT GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Helmle, heute bieten Sie mit LogBATT eine Gesamtlösung für die Batterielogistik an, die sich über die gesamte Supply Chain erstreckt. Dabei haben Sie Ihr Unternehmen vor noch nicht einmal zehn Jahren gegründet.
Philipp Helmle: Mein Mitgründer und ich waren zuvor lange Jahre in der Automobilindustrie tätig gewesen. Dort hatten wir uns ein sehr spezielles Wissen angeeignet und die Überzeugung entwickelt, dass wir als agiles Speedboat außerhalb des Konzerns mehr bewegen konnten als ein kleines Rädchen innerhalb einer großen Organisation. Mir war es immer wichtig gewesen, mit dem Gefahrgutbeauftragten eines großen OEMs auf Augenhöhe diskutieren zu können und die chemischen Prozesse einer Batteriezelle samt den damit einhergehenden Herausforderungen für die Logistikprozesse genau zu verstehen.
Wirtschaftsforum: Worin liegen dabei die größten Schwierigkeiten?
Philipp Helmle: Die Königsdisziplin besteht im richtigen Umgang mit einer kritisch defekten Batterie, und hier wollten wir mit LogBATT niemals eine falsche Sicherheit verkaufen. Eine geeignete Transportkiste benötigt deshalb nicht nur ein leistungsstarkes Filtrationssystem, das die Rauchgase im Brandfall passieren müssen, sondern auch eine hinreichende thermische Isolierung, die verlässlich sicherstellt, dass die zulässige Außentemperatur von 100 °C nicht überschritten wird. Und das ist alles andere als trivial, da sich die Batterie während der chemischen Reaktion selbst mit Sauerstoff versorgt. Es gilt das Prinzip Airbag: Im besten Fall benötigt man ihn nie, aber niemals sollte man auf ihn verzichten. Gleichzeitig muss für den Transport jedoch ein möglichst einfaches logistisches Handling gewährleistet sein, gerade bei den Schlagzahlen, mit denen die Industrie perspektivisch Batterien produzieren, transportieren, einbauen und recyceln muss. Inzwischen haben wir über 40 Brandtests unter Realbedingungen durchgeführt und können alle erforderlichen Zertifikate und Genehmigungen vorweisen. Schon als unser Unternehmen aus nur drei Personen bestand, haben wir unsere erste ISO-Zertifizierung erworben, weil uns bereits damals klar war, dass wir sie früher oder später ohnehin benötigen würden.
Wirtschaftsforum: Wie haben Sie das Leistungsspektrum von LogBATT mit der Zeit erweitert?
Philipp Helmle: Wir sind quasi immer mit der Batterieentwicklung und ihrem Lebenszyklus mitgewachsen: Als ich noch für meinen ehemaligen Arbeitgeber tätig war, bin ich immer auf der Suche nach einem Partner gewesen, der die entsprechende Logistik in verlässlicher Professionalität und unter Beachtung sämtlicher Compliance-Anforderungen abwickeln konnte: Gerade für beschädigte Batterien sah der Gesetzgeber schon damals spezielle Verpackungen vor, die mögliche Gefahren bei einem thermischen Event entsprechend eindämmen können. Auf dieser Basis hat LogBATT dann erste Behälter entwickelt, die wir schon bald bei EV-Batterien für namhafte OEMs einsetzen konnten. Neben dieser Verpackung für kritische Defekte haben wir dann schnell auch zahlreiche Dienstleistungen angeboten, samt einem Mietmodell und einem umfangreichen Storage-Angebot. Peu à peu konnten wir uns damit in die gesamte Supply Chain unserer Kunden vorarbeiten. Heute decken wir die gesamte Batterie-Supply Chain ab – entweder als One-Stop-Shop oder mit modularen Services, die sich an den individuellen Anforderungen unserer Kunden orientieren.
Wirtschaftsforum: Je weiter sich die Elektromobilität verbreitet, desto mehr Batterien müssen transportiert werden – samt einem Recycling-Zweitmarkt, der aber gerade erst im Entstehen begriffen ist. Wie gut ist LogBATT auf den künftigen Nachfrageschub vorbereitet?
Philipp Helmle: Diese Frage erinnert ein bisschen an das alte Problem von der Henne und dem Ei: Was muss als Erstes da sein, die Batterien oder die Infrastruktur? Aus unternehmerischer Sicht besteht die hohe Kunst für LogBATT in einer möglichst geringen Kapitalbindung bei gleichzeitiger Freisetzung ausreichender Ressourcen, um all diese Themen wirkmächtig voranzutreiben und unsere Produkte sowie unsere Services zu skalieren. Die Marktentwicklung verlief zuletzt weniger linear als ursprünglich prognostiziert. Gleichzeitig sehen wir langfristig einen klar steigenden Bedarf an professionellen Lösungen entlang des gesamten Batterielebenszyklus. Andererseits ist uns allen bewusst, dass an der Elektromobilität kein Weg vorbeiführen wird.
Wirtschaftsforum: Welche Marktchancen werden sich daraus für Sie ergeben?
Philipp Helmle: Auch hier haben wir die gesamte Supply Chain im Blick, etwa Autohäuser, wo heute keine ausreichenden Hebemöglichkeiten für Batterien mit einem Gewicht von 600 kg und mehr bestehen, oder den Aftermarket, wo sich Fragen des Second Life stellen werden. Hier sieht sich LogBATT klar in der Pflicht, gemeinsam mit der Branche zielführende Lösungen zu entwickeln. Den Grundstein dafür legen wir bereits heute: So sind wir schon lange auch als Entsorgungsfachbetrieb zugelassen und haben uns zudem das größte Partnernetzwerk aus Recyclingunternehmen in ganz Europa aufgebaut. Gleichzeitig denken wir auch über die Automotive-Branche hinaus: Denn im Kontext der Energiewende erleben wir gerade einen enormen Ausbau der Batteriespeicherkapazitäten. Auch hier kommen unsere Lösungen inzwischen zum Einsatz.
Wirtschaftsforum: Nächstes Jahr feiert LogBATT sein zehnjähriges Firmenjubiläum – mit welchen Zielen gehen Sie in die neue Dekade?
Philipp Helmle: Unser Ziel ist klar: Wir wollen Europas führender Batterielogistikanbieter werden und hochwertige, gesetzeskonforme und zugleich kosteneffiziente Lösungen entlang der gesamten Batterie-Supply Chain anbieten. Wir wissen, dass der Markt hart ist und die Konkurrenz nicht schläft: Doch diese Herausforderungen wollen wir gern annehmen. Dafür brauchen Unternehmen langfristig verlässliche, praxisnahe und europaweit möglichst einheitliche regulatorische Rahmenbedingungen.













