Gutes Fleisch, guter Geschmack

Interview mit Stephan Otto, Geschäftsführer der Otto Gourmet GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Otto, gemeinsam mit Ihren Brüdern haben Sie 2005 einen Onlineversand für hochwertiges Fleisch gegründet, obwohl keiner von Ihnen einen gastronomischen Hintergund hatte – wie kam es dazu?

Stephan Otto: Es waren viel Glück und Zufall im Spiel. Während meiner Zeit als Management-Berater in den USA habe ich als Fleischliebhaber die amerikanische Steakhousekultur sehr genossen. Eines Tages sagte ein Freund zu mir, dass man Fleisch auch online bestellen könne. Das habe ich dann bei einem Anbieter ausprobiert, der damals gerade Wagyu-Beef im Angebot hatte. Von diesem Fleisch war ich so begeistert, dass ich unbedingt etwas damit machen wollte. Also habe ich meinen zwei Brüdern davon erzählt; mein Bruder Wolfgang hatte bereits Kontakte zu Köchen, und unsere erste Idee war, dieses Fleisch nach Deutschland zu importieren.

Wirtschaftsforum: Von der Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung ist es meist ein schwieriger Schritt, dennoch ist Ihnen das auf Anhieb gelungen. Was hat Ihnen dabei geholfen?

Stephan Otto: Durch Recherche haben wir die Morgan Ranch in Nebraska gefunden, die damals schon die Lizenz hatte, Wagyu nach Europa zu exportieren. So sind wir gleich mit dem teuersten Produkt in den deutschen Markt reingegangen, was uns schon sehr viel Aufmerksamkeit eingebracht hat. Das wiederum führte schließlich dazu, dass uns die Profiköche Tipps gegeben haben, welche tollen Produkte es noch gibt, denn die ersten beiden Jahre haben wir ausschließlich in Richtung Gastronomie vertrieben. Bald haben wir uns überlegt, dass diese Produkte ja auch für Privatkunden interessant sind, und so kamen wir auf das Onlinegeschäft. Wir haben uns da abermals an den USA orientiert: Dort lässt man das Fleisch zur besten Qualität reifen, ehe es in diesem Zustand schockgefrostet wird. Damit bekommt der Kunde das beste Fleisch, und wir haben Vorteile durch die längere Haltbarkeit.

Wirtschaftsforum: Mittlerweile gelten Sie als Fleischexperten, ‘Mit gutem Gewissen garantierter Genuss’ lautet Ihr Claim. Was ist damit genau gemeint?

Stephan Otto: Wir suchen unser Fleisch unter zwei Gesichtspunkten aus: Erstens soll es einen echten Eigengeschmack aufweisen und so ein Geschmackserlebnis bieten, an das man sich erinnert. Zweitens achten wir sehr auf artgerechte Tierhaltung. Entweder haben die Tiere nie einen Stall gesehen, oder sie stammen aus einer großzügigen Haltung, die selbst über Biostandards noch hinausgeht. Wir sehen unsere Aufgabe darin, die besten Produkte im Bereich Fleisch und Fisch weltweit zu finden und dem wertschätzenden Kunden zugänglich zu machen.

Wirtschaftsforum: Was hat es mit dem MännerMetzger auf sich?

Stephan Otto: Mit dem MännerMetzger in Heinsberg haben wir Metzgertheke und Gastronomie unter einem Dach vereint. Wir kommen aus der Onlinewelt, und wer hat den Mut, Fleisch online zu kaufen? Das sind vor allem Männer. Sie sind unsere Hauptzielgruppe, und dieses Konzept hat natürlich auch für Gesprächsstoff gesorgt. Im MännerMetzger haben wir einen Bistrobereich mit hochwertiger Steakkarte, einen Genussraum, der als geschlossener Veranstaltungsraum genutzt werden kann, sowie eine eher steaklastige Metzgertheke. Anfangs waren unsere Kunden tatsächlich überwiegend Männer, heute sind es schon 30% Frauen, die unsere Produkte kaufen.

Wirtschaftsforum: Seit 2005 haben Sie Ihr Angebot deutlich erweitert. Was verkauft sich am besten?

Stephan Otto: Mit 60% Umsatzanteil ist Rindfleisch immer noch unser wichtigstes Produkt. Im gehobenen Bereich ist US-Beef unser Bestseller, da dessen Geschmack die Leute durchweg begeistert. An zweiter Stelle liegt irisches Beef, Hereford Prime. Die irischen Rinder werden vor allem mit Gras gefüttert. Es folgen Schwein, Geflügel, Lamm, Bison und Wild. Fisch und Meeresfrüchte haben wir ganz neu im Sortiment. Wir beziehen den Fisch fangfrisch von einem Partner in Norddänemark, bis auf unseren Island-Kabeljau, der am 66. Breitengrad gefangen wird.

Wirtschaftsforum: Mit dem Onlineangebot für Fleisch und dem Import von Wagyu haben Sie Pionierarbeit geleistet, doch inzwischen füllt sich der Markt. Wie begegnen Sie der wachsenden Konkurrenz?

Stephan Otto: Die Herausforderung ist zu schauen, was ich meinem Kunden für einen Mehrwert bieten kann. Fleisch und Fisch werden auf lange Sicht Luxusprodukte sein. Ich würde immer noch behaupten, dass diese Kombination aus Genuss und gutem Gewissen keiner unserer Wettbewerber so im Fokus hat wie wir.

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