Alte Tradition in neuem Gewand

Interview mit Thilo Möller, Geschäftsführer der Gebr. Hartkopf GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Möller, im vergangenen Jahr feierte Hartkopf das 150-jährige Firmenjubiläum. Wofür steht das Solinger Unternehmen?

Thilo Möller: Wir kommen sehr stark aus der Handwerkzeugindustrie mit Zangen als Kernprodukt. Hier liegt ganz klar unsere DNA, allerdings stellen wir momentan die Weichen für eine Neuausrichtung.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet das?Thilo Möller: Ich bin seit Juni 2022 Geschäftsführer dieser kleinen Schmiedegruppe bestehend aus der Gebr. Hartkopf GmbH und der Julius Kirschner & Sohn.

In der Vergangenheit machten Zangen 80% des Umsatzes aus, heute liegt der Anteil bei etwa 50%. Wir wollen uns weiter von der Handwerkzeugindustrie freischwimmen und uns bei Produkten und Kunden breiter aufstellen. Das heißt zum Beispiel, dass wir stärker in Branchen wie der Landmaschinenindustrie, der Fenster- und Türenindustrie, für die wir Bolzen herstellen, im Straßenbau sowie in der Verbindungstechnik Fuß fassen wollen.

Wirtschaftsforum: Wie sieht der Weg zu dieser Neuaufstellung aus?

Thilo Möller: Wir setzen in den verschiedensten Bereichen neue Impulse. Um nach außen moderner aufzutreten, wird eine neue Homepage gelauncht, zudem wird es ein neues Logo geben. Der Führungskreis hat in einem Strategieworkshop sechs Unternehmenswerte definiert, die das Unternehmen in Zukunft prägen sollen: Qualitätsbewusstsein, Fokus auf gute Kundenbeziehungen, innovative Lösungen durch Erfahrung und Kompetenz, Wertschätzung der Vielfalt aller Mitarbeitenden, Respekt gegenüber zukünftigen Generationen sowie verantwortungsvolles und ressourcenschonendes Handeln.

Wirtschaftsforum: Sie sind Geschäftsführer für Hartkopf, wo 100 Mitarbeiter einen Umsatz von mehr als zehn Millionen EUR erzielen, und Julius Kirschner, einem Unternehmen mit 20 Mitarbeitern und einem Umsatz von 4,2 Millionen EUR. Was ist Ihnen neben der Modernisierung und breiteren Aufstellung des Unternehmens besonders wichtig?

Thilo Möller: Ich bin Sauerländer, habe eine Banklehre absolviert, BWL studiert, war in der Unternehmensberatung tätig und arbeite seit zehn Jahren im Mittelstand. Nicht zuletzt komme ich aus einer Unternehmerfamilie, das Unternehmertum liegt mir im Blut und ich hatte immer die Vision, Vollblutunternehmer zu werden. Ich möchte dafür sorgen, dass hier im Team alle gut zusammenarbeiten. Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir alle in die gleiche Richtung rudern und die gleichen Ziele verfolgen. Mich begeistern die Menschen im Führungskreis menschlich und fachlich; es ist eine tolle Mannschaft, die gemeinsam unsere Ziele verfolgt. Dazu zählt, dass wir uns produkt- und kundenseitig breiter aufstellen, neue Kunden und Lieferanten suchen und neue Mitarbeiter rekrutieren. Mir persönlich ist es wichtig, das Unternehmen für Mitarbeiter attraktiv zu machen durch ehrliche Wertschätzung, Gewinnbeteiligungen, sichere Arbeitsbedingungen und ein gutes Prämiensystem. Vor allem will ich menschlich und sozial agieren, viel am Unternehmen und weniger im Unternehmen arbeiten.

Wirtschaftsforum: Damit befindet sich Hartkopf in einem umfassenden Wandlungsprozess. Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

Thilo Möller: Eine große Rolle. Wir arbeiten bereits mit einem neuen ERP-System, das allerdings noch nicht das ganze Unternehmen abbildet; das soll sich künftig ändern. Wir werden die Maschinendaten- und Betriebsdatenerfassung anschieben und mit neuen Programmen in der Konstruktion arbeiten, wo Simulationssoftware essenziell ist, um Entgratungsschrott zu minimieren. Nicht zuletzt müssen wir in der Fertigung einen starken Fokus auf die Automatisierungs- und Robotertechnik legen.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Hartkopf in Zukunft?

Thilo Möller: Wir wollen mit modernster Maschinen- und Automationstechnik arbeiten, ausschließlich Produkte fertigen, mit denen wir Geld verdienen, den Vertrieb stärken und bis 2028 den Umsatz verdoppeln und das Ergebnis verdreifachen. Ich möchte, dass das Unternehmen so gut wird wie die Ideen von allen Mitarbeitern und nicht nur so gut wie meine Ideen, das reicht nicht. Vor allem möchte ich, dass Mitarbeiter gerne hier arbeiten, sich als Teil des Teams verstehen und mit Freude zur Arbeit kommen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Kunststoff, Metall, Holz & Co.

„Durch uns müssen viele Löcher in der Erde gar nicht erst gegraben werden!“

Interview mit Emiel van Loon, Geschäftsführer der Overdie Deutschland GmbH

„Durch uns müssen viele Löcher in der Erde gar nicht erst gegraben werden!“

Für Overdie ist Kreislaufwirtschaft kein Modewort, sondern seit Jahrzehnten gelebter Alltag: Das Unternehmen sorgt dafür, dass der Schlacke aus der Müllverbrennung Metalle entzogen und diese anschließend sauber voneinander getrennt werden.…

Vom Handwerk zur inter­nationalen Hochbaustrategie

Interview mit DI (FH) Michael Schranz, Geschäftsführer der Handler Bau GmbH

Vom Handwerk zur inter­nationalen Hochbaustrategie

Vom regionalen Zimmereibetrieb zum innovativen Totalunternehmer: Die Handler Bau GmbH hat sich in mehr als 160 Jahren zu einem führenden Player im großvolumigen Wohn- und Hochbau entwickelt. Im Gespräch erläutert…

Die Stärke der Nische

Interview mit Christoph Dorscheid, Geschäftsführer der cds Polymere GmbH & Co. KG

Die Stärke der Nische

Wer auf einem Flughafen landet, denkt nicht an Kunstharz. Wer eine Tiefgarage betritt, denkt nicht an Reaktionsharzmörtel. Und wer einen frisch beschichteten Industrieboden betritt, fragt selten, wer das Material geliefert…

Spannendes aus der Region Solingen

Digitale Impulse im Maschinenbau

Interview mit Jil Evertz, Mitgesellschafterin und Prokuristin der Egon Evertz GmbH & Co.KG

Digitale Impulse im Maschinenbau

Seit fast 70 Jahren steht der Name Evertz für Innovation, Qualität und Kontinuität im Maschinen- und Stahlanlagenbau. Was 1956 mit einer pfiffigen Idee zur Reparatur von Kokillen begann, ist heute…

Schleifen, Bänder und mehr

Interview mit Kevin Maar, Geschäftsführer und Stephanie Peskov, Head of Business Development und Key Account Manager der Sopp Industrie GmbH

Schleifen, Bänder und mehr

Ingenieure auf der ganzen Welt sind damit beschäftigt, Roboter zu trainieren, um Aufgaben nachzuahmen, die Menschen leichtfallen – wie das Binden ihrer Schnürsenkel – mit bisher begrenztem Erfolg. Genau hier…

„Wir denken mit und liefern Lösungen“

Interview mit Christian Hofmann, Vertriebsleiter der Alfred Kron GmbH

„Wir denken mit und liefern Lösungen“

Die Metallverarbeitungsbranche steht unter Druck: Digitalisierung, Fachkräftemangel und globale Lieferketten stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Wer heute erfolgreich sein will, muss flexibel agieren und Prozesse durchdenken. Ein Beispiel für diese…

Das könnte Sie auch interessieren

Mit KI auf dem Prüfstand

Interview mit Dr. Christian Artmann, CEO der ibg Prüfcomputer GmbH

Mit KI auf dem Prüfstand

Die ibg Prüfcomputer GmbH zählt zu den Technologieführern in der Wirbelstromprüfung. Das Unternehmen entwickelt Systeme zur zerstörungsfreien Materialprüfung und ist weltweit in einer hoch spezialisierten Nische aktiv. Im Gespräch erläutert…

Die digitale Werkbank der Industrie

Interview mit Simon Knoche, Vertriebsleiter DACH der 247TailorSteel Deutschland GmbH

Die digitale Werkbank der Industrie

Die metallverarbeitende Industrie steht unter hohem Veränderungsdruck. Schwankende Materialpreise, kürzere Lieferfristen und steigende Anforderungen an Flexibilität und Nachhaltigkeit prägen den Markt. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten, Beschaffungs- und Produktionsprozesse…

Zwischen Hand­werk und Kunst

Interview mit Steffen Bayer, Geschäftsführer der METALLART Treppen GmbH

Zwischen Hand­werk und Kunst

Treppen verbinden Ebenen und schaffen Räume mit Charakter. Wo handwerkliche Präzision auf außergewöhnliches Design und durchdachte Funktion trifft, entstehen individuelle Treppenkonzepte, die weit mehr sind als der Weg von unten…

TOP