Wie man heterogene Maschinenparks vernetzt

Interview mit Dr. Andrea Rösinger, Co-CEO und CTO der FORCAM GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Dr. Rösinger, Ihr Unternehmen ist spezialisiert auf das industrielle Internet der Dinge. Was genau machen Sie und wie kam es dazu?

Dr. Andrea Rösinger: Die Idee war schon immer die Produktion von Fabrik-Softwarelösungen. Angefangen haben wir vor 20 Jahren mit Manufacturing Execution Systems, heute entwickeln wir Lösungen für die Industrie 4.0. Der Zweck ist dabei stets der gleiche geblieben: unsere Kunden dabei zu unterstützen, ihre Effizienz in der Fertigung zu steigern.

Wirtschaftsforum: Inwieweit wird Ihr Geschäft durch die Corona-Pandemie beeinflusst?

Dr. Andrea Rösinger: Wir sind Teil der Lösung aus der Corona-Krise. Schon davor wollten viele Unternehmen aufgrund der Kosten ihre Fertigung optimieren. 2020 war dafür ein Wendejahr. Zurzeit entwickelt sich der digitale Mittelstand schneller als zuvor, es wird mehr in Innovationen investiert. Durch die Pandemie ist die Zeit jetzt reif für die Industrie 4.0: Es wird wieder mehr lokal produziert, dies aber kostenmäßig optimiert.

Wirtschaftsforum: Was ist das Besondere an Ihrer IIoT-Lösung?

Dr. Andrea Rösinger: Unsere Plattformlösung ist herstellerunabhängig und frei erweiterbar. Sie ist offen für andere Technologien und Partner, wie SAP oder Microsoft, und eignet sich damit ideal für einen heterogenen Maschinenpark, wie es ihn in vielen fertigenden Unternehmen gibt. Konnektivität ist unsere Kernkompetenz.

Wirtschaftsforum: Stichwort heterogene Maschinenparks. Hierfür haben Sie gerade ein neues Produkt auf den Markt gebracht.

Dr. Andrea Rösinger: Ja, mit FORCAM FORCE™️ EDGE können Unternehmen heterogene Maschinenparks digital anbinden, unabhängig von Alter oder Hersteller. Und unsere neueste Innovation, FORCETM BRIDGE, schlägt die Brücke zum App-Universum von Microsoft Power Automate. Fabrikteams können damit rund 400 marktbekannte Apps für völlig neue Echtzeit-Workflows und Alarmierungen nutzen.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen im globalen Wettbewerb?

Dr. Andrea Rösinger: Wir gehören weltweit zu den wichtigsten Playern im Bereich Fertigungssteuerung im industriellen Internet der Dinge. Analysten sehen uns als Leader, andere als Challenger. Auf jeden Fall wollen wir uns mit neuen Impulsen noch weiter vorne positionieren.

Wirtschaftsforum: Welche sind für Sie die wichtigsten Auslandsmärkte?

Dr. Andrea Rösinger: Unser Exportanteil beträgt derzeit 20 bis 30%, Schwerpunkt Europa. Außerdem haben wir eigene Niederlassungen in Großbritannien, den USA und China. Wir haben aber auch in Deutschland viele internationale Firmen als Kunden. Unser nächster wichtiger Schritt wird der Ausbau des französischsprachigen Marktes sein, also Frankreich und die französischsprachige Schweiz. China als großer Manufacturing-Standort ist für uns ein bedeutender Markt, und als weiteren Schritt wollen wir unsere Position auf dem indischen Markt weiter ausbauen.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten Jahre gesetzt?

Dr. Andrea Rösinger: Wir wollen unsere Software weiter skalieren als Plattformlösung in Kooperation mit SAP und Microsoft, und so Umsatz und Mitarbeiterzahl weiter ausbauen. Wachstum bedeutet dabei nicht nur, die Technologie weiterzuentwickeln und neue Märkte zu erobern. Man muss auch immer die Menschen mitnehmen und eine entsprechende Lernkultur etablieren.

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