Folien – innovativ und nachhaltig

Interview mit Stefan Schröter, Prokurist der Folienwerk Wolfen GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schröter, was sind aktuell die wichtigsten Produktbereiche für das Folienwerk Wolfen?

Stefan Schröter: Wir sind bewusst breit aufgestellt. Eine wichtige Säule in unserem Geschäft sind die Lentikularfolien. Die Lentikularfolie ist eine besondere Art Folie, die durch kleine Linsen auf der Oberfläche der Folie optische Effekte erzeugt. Hier sind wir weltweit der einzige Anbieter. Darüber hinaus sind wir stark im Bereich Checkkarten. Dazu gehören zum Beispiel Pässe, Ausweise oder Führerscheine. In den letzten Jahren konnten wir eine steigende Nachfrage im Bereich der Medizintechnik verzeichnen. Unsere Lösungen werden für Instrumente, aber auch für Knochenersatzteile genutzt. Früher war unser Hauptstandbein der Verpackungsbereich, vor allem Unternehmen der Kosmetikbranche. Aber inzwischen ist dieser Bereich rückläufig. In der nächsten Zeit wollen wir uns unter anderem auf Folien für Sicherheitsglas konzentrieren. Wir halten hier weltweite Zertifikate nach allen Standards.

Wirtschaftsforum: Wir sprechen über Folien – welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen?

Stefan Schröter: Wir beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit, noch bevor es zum geflügelten Marketingslogan wurde. Ein Augenmerk liegt hier auf unseren Abfallprozessen. Wir verfügen über eine eigene Recyclinganlage und versuchen, den Kreislauf zu schließen. Die Endverbraucherabfälle, zum Beispiel von den Verpackungen, machen ein enormes Volumen aus. Wir verarbeiten diese Abfälle, nehmen aber auch die Industrieabfälle unserer Kunden an. Nicht zuletzt verarbeiten wir auch Kunststofffolien, die auf der Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt werden.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden und welche Regionen sind für das Folienwerk wichtig?

Stefan Schröter: Europa ist unser wichtigster Markt. Rund 70% unserer Produkte verkaufen wir außerhalb von Deutschland. Die Schweiz ist wichtig für uns, eben so Frankreich, Großbritannien und einige osteuropäische Länder. Der Markt für Checkkarten entwickelt sich global sehr erfreulich. Für die nächste Zeit sehen wir vielversprechende Perspektiven in den Beneluxländern, hier vor allem im medizinischen Bereich. Im Verpackungsbereich sind die DACH-Region, Frankreich und England wichtige Märkte für uns und das wird wohl auch so bleiben. Mit unseren Spezialitäten sind wir weltweit vertreten.

Wirtschaftsforum: Das Folienwerk blickt auf eine lange Historie zurück, war einer der größten Arbeitgeber in der ehemaligen DDR. Worauf führen Sie diesen sehr langfristigen Erfolg des Unternehmens zurück?

Stefan Schröter: In der Tat blicken wir auf viele Jahre Erfahrung in unserer Branche zurück und das ist sicherlich auch einer der wichtigsten Gründe für unseren Erfolg – unser gewachsenes Know-how. Darüber hinaus haben wir uns stetig weiterentwickelt und uns immer wieder auf neue Bedürfnisse und Trends am Markt eingestellt. Wir waren zum Beispiel die Ersten, die Co-Extrusion von PET-Folien angeboten haben. Wir haben immer wieder investiert und unsere Kapazitäten kontinuierlich ausgebaut. Nachdem wir 2002 ein komplett neues Firmengebäude auf der grünen Wiese gebaut haben, haben wir 2015 noch einmal eine neue Produktionshalle angebaut.

Wirtschaftsforum: Die vergangenen drei Jahre waren von Krisen geprägt. Wie haben sich diese auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Stefan Schröter: Im Konsumentenbereich ging der Bedarf natürlich zurück, aber wir haben eine starke Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die mit neuen Lösungen auf veränderte Bedürfnisse eingegangen ist. Wir haben zum Beispiel 2020 auf zwei Anlagen nur Schutzvisiere gegen Corona produziert. Das hat uns gut durch die Krise getragen. Aktuell ist die Inflation ein großes Thema. Sie dämpft das Konsumverhalten und das merken wir vor allem im Verpackungsmarkt. Auf der anderen Seite gehen im Medizinbereich die Bedarfe hoch. Nicht nur das, wir erleben hier auch eine Art ‘Entglobalisierung’. Es werden stärker Produkte aus Europa nachgefragt und zudem, aufgrund der Lieferkettenproblematik, die Lagerbestände aufgestockt.

Wirtschaftsforum: Worauf werden Sie sich im Jahr 2023 konzentrieren?

Stefan Schröter: Wir sind, trotz der herausfordernden allgemeinen Situation, für 2023 schon gut aufgestellt. Das Spezialgeschäft für Medizin und Checkkarten ist stabil und wir haben auch im Glasbereich einige langjährige Projekte in der Pipeline. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Verpackungsbereich entwickelt. Wir werden aber auch weiterhin unserer Spezialisten-Strategie treu bleiben und uns auf Nischen und nachhaltige Themen konzentrieren.

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