„Wir verkaufen Mehrwert und Technologie!“
Interview mit Augusto Mignani, Geschäftsführer der FIDIA S.p.A.

Wirtschaftsforum: Herr Mignani, seit einem halben Jahrhundert gilt Fidia als Spezialist für Fräsmaschinen und numerische Steuerungen. In welchen Marktsegmenten sind Sie damit aktiv?
Augusto Mignani: An unseren beiden Standorten in Forlì und Turin liegt unser Fokus seit jeher auf der Entwicklung und Herstellung von Fünf-Achs-Fräsmaschinen und den dafür erforderlichen CNC-Steuerungen. Angesichts der Komplexität unserer Produkte kommt dabei natürlich auch unserem Servicegeschäft eine besondere Bedeutung zu. Deshalb streben wir grundsätzlich langfristige Beziehungen zu unseren Kunden an, um sie und ihren Anlagenpark umfassend betreuen zu können. Ein wichtiges Marktsegment ist nach wie vor die Automobilindustrie. Dort werden unsere Maschinen zur Herstellung von Spritzgießwerkzeugen und in der Stanzumformung eingesetzt. In der Luftfahrtindustrie kommen sie bei der Fertigung von Leichtmetall- und Kompositkomponenten zum Einsatz, etwa in der Satellitenproduktion. Auch in der Defence-Industrie können wir stark wachsen. Auf unseren Maschinen entstehen dort Bauteile für Militärfahrzeuge und Radarsysteme.
Wirtschaftsforum: Schon seit vielen Jahrzehnten engagiert sich Fidia auf der ganzen Welt.
Augusto Mignani: Wir haben früh eigene Niederlassungen in den großen Industrienationen wie Deutschland, Frankreich, Spanien, Brasilien, China und den USA gegründet. Schon seit langer Zeit sind wir auch mit eigenen Handels- und Servicegesellschaften präsent, während wir andere Märkte über leistungsfähige Partner bedienen. Dieser weltweite Footprint macht unser Unternehmen zugleich deutlich widerstandsfähiger gegenüber gesamtwirtschaftlichen Krisen: So wächst der Automotive-Markt in Brasilien, Indien und China derzeit weiterhin stark, während er sich in Europa eher rückläufig entwickelt. Dafür besteht auf unserem Heimatmarkt und in Deutschland eine erhöhte Nachfrage im Defence-Segment.
Wirtschaftsforum: Worin liegen die besonderen Herausforderungen in Ihrem Geschäftsfeld – und zugleich die Erfolgsgrundlagen von Fidia?
Augusto Mignani: Unsere Anlagen sind technologisch ziemlich komplex, während sich die individuellen Anforderungen unserer Kunden bisweilen deutlich voneinander unterscheiden. Deshalb müssen wir in kleinen Stückzahlen produzieren und gleichzeitig eine große Anzahl von Produktvarianten verwalten, während der Markt eine Verkürzung der Lieferzeiten fordert. Das geht nur mit schlanken Fertigungsstrukturen und standardisierten Prozessen sowie mit dem unablässigen Einsatz unserer Mitarbeitenden, die das Rückgrat unseres Unternehmens bilden.
Sie alle treibt der echte Mehrwert an, den wir mit unseren Produkten bei unseren Kunden schaffen.
Wirtschaftsforum: Welche technologischen Innovationen treiben Sie derzeit voran?
Augusto Mignani: Viele unserer Anlagen können inzwischen mehrere Funktionen ausführen und neben dem Fräsen zum Beispiel auch drehen und schleifen. So können unsere Kunden den Durchsatz steigern, ohne den Stundensatz der Maschine zu erhöhen, und gleichzeitig die Investitionsausgaben senken sowie einen schlankeren Produktionsprozess gestalten. Darin liegen nicht nur wichtige Kostenvorteile, sondern auch nachhaltige Effizienzgewinne. Gleichzeitig müssen wir konsequent unnötiges Overengineering vermeiden, damit wir auch preislich im Markt mithalten können. Darüber hinaus spielt natürlich die Digitalisierung eine wichtige Rolle. In diesem Zuge entwickeln wir unsere CNC-Maschinen grundsätzlich plattformunabhängig, damit unsere Kunden stets die freie Wahl haben und auch später leicht umrüsten können, wenn sich ihre Anforderungen verändern. Daneben erweitern wir unsere CNC-Plattformen sukzessive um zielführende KI-Lösungen und bieten inzwischen auch einen KI-gestützten Support an.










