Vom eigentümergeführten Start-up zum Teil eines Weltkonzerns
Interview mit Dr. Sina Weiss, Business Development Manager und René Nennstiel, Product Line Lead der AIRTECH Europe GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Nennstiel, seit 18 Jahren entwickelt AIRTECH Europe individuelle Lösungen und Systeme zur Gasförderung und Vakuumerzeugung. 2022 wurde das Unternehmen Teil der amerikanischen IDEX Corporation. Welche Rolle übernimmt AIRTECH Europe innerhalb des Konzerns?René Nennstiel: Mit Gast gehörte bereits ein Unternehmen zu IDEX, das ähnliche Produkte für Druckanwendungen anbietet wie wir. Während die Kernkompetenz von Gast jedoch eher bei höheren Drücken und geringeren Volumenströmen liegt, besteht die zentrale Expertise von AIRTECH Europe in Anwendungsfeldern mit hohen Volumenströmen bei niedrigeren Drücken. Innerhalb der Performance Pneumatics-Plattform von IDEX ergänzen wir uns daher sehr gut. Ähnlich verhält es sich mit unseren unterschiedlichen Branchenschwerpunkten:
Während sich Gast vornehmlich als starker Partner in der Medizin- und Analysetechnik etabliert hat, engagiert sich AIRTECH Europe insbesondere im Maschinenbau, zum Beispiel in der pneumatischen Förderung, wie sie etwa in der Lebensmittelverarbeitung oder in der Kunststoffindustrie zum Einsatz kommt. Auch die erneuerbaren Energien sind für uns ein wichtiges Wachstumsfeld, in dem wir uns seit vielen Jahren erfolgreich bewegen. Gerade in gesamtwirtschaftlich herausfordernden Zeiten bildet diese große Branchenvielfalt zudem eine wichtige Grundlage für die Resilienz unseres Unternehmens.
Wirtschaftsforum: Herr Nennstiel, wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden?
René Nennstiel: Schon als AIRTECH Europe noch eigentümergeführt am Markt auftrat, waren wir stets bestrebt, die Anwendungen unserer Kunden genau zu verstehen. Auf dieser Grundlage entwickeln wir gezielte Lösungen und passen unsere Produkte an die jeweiligen Anforderungen an – ein Mehrwert, den wir mit reinen Katalogprodukten niemals schaffen könnten. Dank unseres technisch versierten Vertriebs arbeiten wir auch eng mit den Engineering-Abteilungen unserer Kunden zusammen und führen beispielsweise gemeinsame Feldversuche durch. Trotz unserer Eingliederung in den IDEX-Konzern konnten wir uns diese Schnelligkeit und Flexibilität im operativen Geschäft konsequent bewahren: Nach einem Kundengespräch, in dem uns die konkreten Anforderungen erläutert werden, vernetzen wir uns häufig direkt mit den zuständigen Fachkolleginnen und -kollegen, um umgehend mit der Erarbeitung einer Lösung zu beginnen. In dieser Hinsicht ist AIRTECH Europe das mittelständisch geprägte Unternehmen geblieben, das es schon immer war.
Wirtschaftsforum: Wo liegen die größten Synergien zwischen IDEX und AIRTECH Europe?
Dr. Sina Weiss: Viele der potenziellen Kunden, die AIRTECH Europe künftig gewinnen möchte, arbeiten bereits vertrauensvoll mit IDEX zusammen – wenn auch mit Unternehmensbereichen, die zum Teil gar nichts mit Druckluft oder Pneumatik zu tun haben. Mit unseren Messeauftritten unter der Dachmarke IDEX One sowie weiteren Kommunikationsmaßnahmen möchten wir deshalb die große Bandbreite, die unser Konzern mit seinen einzelnen Geschäftsbereichen abdeckt, künftig noch stärker herausstellen. So können wir unseren Kunden möglichst viele Lösungen aus einer Hand anbieten. Das klare Ziel von AIRTECH Europe besteht darin, sich perspektivisch zur bevorzugten Adresse für Druck- und Vakuumlösungen in ausgewählten Märkten zu entwickeln. Natürlich verlangt unsere Eingliederung in die IDEX Corporation auch eine hohe Veränderungsbereitschaft innerhalb unserer Strukturen. In der Vergangenheit konzentrierte sich bei AIRTECH Europe beispielsweise viel Wissen auf einzelne Personen, während wir heute verstärkt mit klar definierten Verantwortungsbereichen arbeiten. Auf diese Weise wollen wir unsere Innovationskraft langfristig weiter stärken.
Wirtschaftsforum: Welche Innovationen stehen derzeit im Mittelpunkt Ihrer Arbeit?
René Nennstiel: In der Vergangenheit haben wir auf Basis etablierter Standardseitenkanalverdichter zahlreiche individuelle Lösungen für unsere Kunden entwickelt. Darauf aufbauend haben wir inzwischen auch eine eigene Produktentwicklung etabliert. Aus ihr sind mit unserem Highspeed-Seitenkanalverdichter und unserem Turboverdichter zwei zentrale Produktreihen hervorgegangen. Sie bieten zahlreiche technologische Vorteile, mit denen die vor Jahrzehnten entwickelte Standardtechnologie nicht mehr mithalten kann – insbesondere im Hinblick auf die Energieeffizienz und Footprint.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für AIRTECH Europe?
Dr. Sina Weiss: Neben einer möglichst hohen Energieeffizienz achten wir auf eine umfassende Wartungsfreundlichkeit. Dazu gehören auch verschiedene Refurbishment-Programme. Gerade im Biogasbereich können viele unserer Lösungen bei einem turnusmäßigen Austausch der Verschleißteile über viele Jahre hinweg im Einsatz bleiben. Die IDEX Green Initiative zur umfassenden Reduzierung unserer Emissionen gilt selbstverständlich auch für AIRTECH Europe. Hinzu kommen zahlreiche Initiativen zur Förderung der sozialen Nachhaltigkeit, etwa durch die Unterstützung gemeinnütziger Projekte an unseren verschiedenen IDEX-Standorten.










