Lernen, das zum Leben passt
Interview mit Robin Marsch, Chief Commercial Officer der velpTech GmbH

Wer sich weiterbildet, will nicht zwangsläufig die nächste Karrierestufe erklimmen. Manchmal ist der bisherige Beruf verschwunden, die familiäre Situation hat sich verändert oder nach einer längeren Auszeit steht ein Neustart an. „Hinter jeder Zahl steckt bei uns auch ein Mensch und eine individuelle Lebensgeschichte“, sagt Robin Marsch. Genau diese Perspektive prägt den Ansatz von velpTEC.
Raus aus dem Gleichschritt
Der Marktstart erfolgte im März 2023. Heute umfasst das Portfolio nach Angaben von Marsch mehr als 2.000 Weiterbildungen in zwölf Fachbereichen. Statt die Teilnehmenden durch starre Curricula zu führen, sollen die Lernpfade zu ihrem Vorwissen, Kompetenzniveau und ihrer Lebenssituation passen. Dafür verbindet velpTEC Selbststudium und Workshops mit persönlicher Betreuung. Die Teilnehmenden können fachliche 1:1-Coachings nutzen; mehr als 300 freiberufliche Trainerinnen und Trainer bringen ihre Praxiserfahrung ein. Das Modell ist überwiegend digital, zugleich stehen deutschlandweit Lernorte zur Verfügung. Auf seiner Website nennt das Unternehmen mittlerweile mehr als 60 Standorte.
Auch das Wachstum ist deutlich: Als Marsch im November 2023 einstieg, beschäftigte velpTEC nach seinen Angaben knapp 20 fest angestellte Mitarbeitende, inzwischen seien es 70. Rund 5.000 Menschen hätten an den Angeboten teilgenommen, mehr als 2.500 von ihnen eine Weiterbildung abgeschlossen.
KI verändert das Lernen
Besonders gefragt sind derzeit Weiterbildungen rund um KI. Dabei verlagert sich das Interesse laut Marsch zunehmend von der klassischen IT auf Bereiche wie Marketing, Controlling, Personal und Vertrieb. Auch die Führung in hybriden Organisationen sowie die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine gewinnen an Bedeutung.
Für Marsch reicht es jedoch nicht, KI lediglich zum Unterrichtsthema zu machen. Auch Prüfungen und Lernkonzepte müssten sich verändern. „Wie können wir Menschen befähigen, souverän und vor allem verantwortungsvoll mit künstlicher Intelligenz zu arbeiten?“, formuliert er den Anspruch. KI aus Prüfungssituationen verbannen zu wollen, hält er für den falschen Weg. Entscheidend werde künftig weniger die reine Wissensabfrage sein als die Fähigkeit, Wissen anzuwenden und auf neue Situationen zu übertragen.
Diesen Ansatz will velpTEC künftig auch auf die Hochschulbildung übertragen. Seit rund eineinhalb Jahren arbeitet das Unternehmen nach Aussage von Marsch an der Gründung einer eigenen Hochschule und ihrer staatlichen Anerkennung. Das Verfahren läuft noch. Ziel sind flexiblere Strukturen, ein stärkerer Praxisbezug und zeitgemäße Prüfungsformen.
Für Marsch schließt sich damit auch persönlich ein Kreis. Nach Stationen im Start-up- und Konzernumfeld reizte ihn an velpTEC vor allem der „Purpose im Job“: Menschen bei beruflichen Veränderungen konkret weiterzubringen. Wenn Teilnehmende Briefe oder Blumen schicken oder aus Dankbarkeit sogar einen Baum pflanzen, werde dieser Anspruch greifbar. „Das hat schon etwas sehr Erfüllendes.“






