Die Kunst der kleinsten Details
Interview mit Klaus Brugberger, Geschäftsführer der UG Systems GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Brugberger, UG SYSTEMS entwickelt Prüf- und Automatisierungslösungen für die Industrie. Was unterscheidet Ihr Unternehmen von klassischen Maschinenbauern?
Klaus Brugberger: Unsere Wurzeln liegen in der Softwareentwicklung. Viele Unternehmen kommen aus der Mechanik und ergänzen später Software und Elektrik. Bei uns war es genau umgekehrt: Wir haben von Anfang an die Software als Kern betrachtet, um dann Elektrik und Mechanik darauf abzustimmen. Dadurch entstehen flexible Systeme, die sich an neue Anforderungen anpassen lassen und gleichzeitig eine lückenlose Datenauswertung und Dokumentation ermöglichen.
Wirtschaftsforum: Welche Schritte haben UG SYSTEMS in seiner Entwicklung besonders geprägt?
Klaus Brugberger: Bereits seit 2001 wurde an softwarebasierten Lösungen für Test- und Prüfsysteme gearbeitet. 2008 entstand daraus die UG SYSTEMS als eigenständiges Unternehmen. Die frühe Entscheidung für PC-basierte Systeme verschaffte uns einen technologischen Vorsprung, etwa beim weltweiten Remote-Support von Anlagen. Gleichzeitig bauten wir unser Know-how kontinuierlich aus und etablierten uns insbesondere im Bereich lichttechnischer Prüfungen und optischer Inspektion.
Wirtschaftsforum: Welchen Vorteil bietet der softwaregetriebene Ansatz Ihren Kunden heute?
Klaus Brugberger: Die Anforderungen werden immer komplexer. In unserem Bereich gibt es kaum Lösungen von der Stange. Neue Materialien, Funktionen und Qualitätskriterien erfordern flexible Systeme, die sich schnell anpassen lassen. Genau hier spielt unsere Software ihre Stärken aus: Sie ermöglicht eine zentrale Steuerung, eine lückenlose Dokumentation und die schnelle Integration neuer Technologien und Prozesse.
Wirtschaftsforum: Welche Aufgaben übernehmen Ihre Systeme konkret?
Klaus Brugberger: Wir realisieren individuelle Automatisierungslösungen, Montageanlagen und Testsysteme für elektronische, lichttechnische und mechatronische Komponenten. Dazu gehören beispielsweise die optische Prüfung von Oberflächen und die Qualitätskontrolle moderner Lichtsysteme. Selbst kleinste Details wie Kratzer, Staubeinschlüsse oder Lackfehler müssen zuverlässig erkannt und dokumentiert werden – häufig im Bereich von Millimeterbruchteilen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Erkennung der Fehler, sondern auch die lückenlose Dokumentation der Ergebnisse. Genau dafür verbinden wir Prüftechnik, Software und Automatisierung in einer integrierten Lösung.
Wirtschaftsforum: Viele Ihrer Kunden stammen aus der Automobilindustrie. Welche weiteren Märkte rücken für UG SYSTEMS in den Fokus?
Klaus Brugberger: Die Automobilzulieferindustrie ist weiterhin unser Kernmarkt. Dort arbeiten wir für zahlreiche Tier-1- und Tier-2-Zulieferer, insbesondere im Bereich lichttechnischer Prüfungen und Oberflächenprüfungen. Gleichzeitig übertragen wir unser Know-how zunehmend auf andere Branchen. Ob Medizintechnik, Bauindustrie oder Konsumgüter: Wo höchste Qualitätsanforderungen gelten, werden automatisierte Prüfverfahren benötigt. Deshalb sehen wir gerade außerhalb der Automobilindustrie interessante Wachstumsperspektiven.
Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung haben Digitalisierung und KI für Ihr Geschäft?
Klaus Brugberger: Eine sehr große. Gerade bei der automatisierten Erkennung von Oberflächenfehlern eröffnen Bildverarbeitung und KI neue Möglichkeiten. Wir beschäftigen uns seit mehreren Jahren mit diesen Technologien und konnten wertvolle Erfahrungen sammeln. Gleichzeitig müssen wir Datenschutz, Geheimhaltung und Cybersecurity berücksichtigen. Deshalb prüfen wir, wie sich KI in geschützten Umgebungen nutzen lässt, ohne Abstriche bei Vertraulichkeit und Datensicherheit zu machen.
Wirtschaftsforum: Die Automobilbranche steht derzeit unter Druck. Wie wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus?
Klaus Brugberger: Natürlich
beobachten wir die Entwicklung aufmerksam. Gleichzeitig bewegen wir uns in einer sehr speziellen Nische. Qualitätssicherung bleibt unabhängig von Konjunkturzyklen unverzichtbar. Ob 10 oder 1.000 Fahrzeuge produziert werden – die Bauteile müssen geprüft und die Ergebnisse dokumentiert werden. Deshalb konnten wir uns in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich entwickeln. Unser bislang bestes Geschäftsjahr hatten wir sogar in einer Phase, in der vielerorts von Krise gesprochen wurde.
Wirtschaftsforum: Welche Faktoren sind aus Ihrer Sicht entscheidend für den langfristigen Erfolg und die weitere Entwicklung von UG SYSTEMS?
Klaus Brugberger: Stillstand ist Rückschritt – gerade in unserem Umfeld. Wer langfristig erfolgreich sein will, darf vor neuen Technologien und Themen nicht zurückschrecken. Dieses Denken hat uns in der Vergangenheit geholfen und wird auch künftig wichtig sein. Deshalb sehen wir Potenzial in neuen Märkten und Anwendungsfeldern und wollen unsere Innovationskraft weiter stärken. Dazu gehört auch die Modernisierung und Wiederverwendung bestehender Anlagen, die von vielen Kunden zunehmend nachgefragt wird. Entscheidend ist für uns, technologische Entwicklungen früh aufzugreifen und daraus Lösungen zu entwickeln, die unseren Kunden einen echten Mehrwert bieten. So schaffen wir die Voraussetzungen, auch in Zukunft technologisch vorne mitzuspielen.










