BMW im Herzen, Weitblick im Gepäck
Interview mit Julian Schnapp, Prokurist der Autohaus Sperber GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Schnapp, Autohaus Sperber gibt es seit 1950. Wie hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren verändert?
Julian Schnapp: Im Kern sind wir BMW- und Mini-Händler, das war schon immer so. Aber 2018 war ein echtes Schlüsseljahr. Wir haben vier Standorte zu einem großen Flagship-Standort hier am Berliner Ring in Bamberg zusammengelegt und einen Servicebetrieb in Lichtenfels behalten. Seitdem haben wir uns konsequent weiterentwickelt. Wir sind von rund 55 Millionen EUR Umsatz auf heute über 140 Millionen EUR in der Gruppe gewachsen und haben rund 180 Mitarbeiter, davon 45 Auszubildende. Parallel haben wir neue Sparten aufgebaut und zwar den freien Gebrauchtwagenhandel unter der Marke Auto Schnapper, die Elektromarke XPENG, ein umfassendes Motorradangebot sowie Sperber Drive als Mobilitäts- und Vermietungsgesellschaft.
Wirtschaftsforum: Sie haben das Unternehmen in mehrere Geschäftsbereiche aufgeteilt – Autohaus Sperber, Auto Schnapper, Sperber Drive. Warum diese Struktur?
Julian Schnapp: Sowohl, um auf mehreren Beinen zu stehen als auch, um gezielt neue Zielgruppen zu erreichen. Hätten wir den freien Gebrauchtwagenhandel einfach unter dem Sperber-Dach vermarktet, hätten wir viele Kunden gar nicht erst angesprochen, weil Sperber in der Region eben für BMW steht, und das verbinden manche mit einem höheren Preissegment. Deshalb haben wir Auto Schnapper bewusst als eigenständige Marke entwickelt, mit eigenem Auftritt, sogar einem eigenen Maskottchen. Das Ziel: markenneutral Fahrzeuge bis 32.500 EUR kaufen und verkaufen – und mittelfristig über 2.000 Gebrauchtwagen pro Jahr vermarkten. Wichtig war uns dabei, die Professionalität der Sperber-Gruppe spürbar zu machen, ohne das Preisimage auf die neue Marke zu übertragen.
Wirtschaftsforum: Elektromobilität ist ein großes Thema. Wie nehmen Ihre Kunden das an?
Julian Schnapp: Mittlerweile sehr gut. Fast 30% unserer BMW-Neuwagen sind vollelektrisch. Die Gegenargumente schwinden einfach. Wenn ein Fahrzeug wie der neue iX3 zwischen 700 und 800 km weit kommt und sich in der Zeit eines Toilettenstopps auf der Raststätte wieder auf 80% laden lässt, dann ist das Argument „Ich komme nicht in den Urlaub“ eigentlich keines mehr. Die Produkte sind schlicht besser geworden und das merkt man an der wachsenden Offenheit und dem Wissensstand unserer Kundschaft. Wir sind froh, mit BMW eine Marke zu vertreten, die bei der Elektromobilität technisch wirklich überzeugt.
Wirtschaftsforum: Wie nutzen Sie KI und Digitalisierung im Alltag?
Julian Schnapp: Sehr konkret. Wir haben einen komplett papierlosen Werkstattprozess, digitale Terminbuchung, automatische Lead-Verteilung. Und wir haben einen eigenen KI-Manager, der mit dem Tool CarVinci arbeitet. Das ist quasi ein datenschutzkonformes ChatGPT fürs Autohaus. Besprechungen werden automatisch protokolliert, das Infopostfach wird automatisch verteilt, Arbeitszeugnisse und Stellenausschreibungen entstehen in Minuten statt Stunden. Unser Maßstab dabei ist immer: Bringt es dem Kunden etwas? Entlastet es unsere Mitarbeiter? Zahlt es auf unsere Strukturen und Standards ein? Wenn nicht, machen wir es nicht.
Wirtschaftsforum: Das Thema Fachkräftemangel beschäftigt die gesamte Branche. Wie gehen Sie damit um?
Julian Schnapp: Es war ein Thema, ist es aber immer weniger. Wir haben stark an unserer Arbeitgebermarke gearbeitet und setzen bewusst auf Ausbildung als Gegengift gegen den Fachkräftemangel. Pro Jahrgang bilden wir ein bis zwei Köpfe mehr aus, als wir eigentlich bräuchten. Das zahlt sich aus. Viele unserer Auszubildenden bekleiden heute wirklich verantwortungsvolle Positionen im Vertrieb oder Aftersales. Und wir investieren in einen strukturierten Einstieg: Neue Mitarbeiter bekommen in den ersten sechs Monaten vier Feedbackgespräche – gegenseitig, verbindlich, mit konkreten Maßnahmen. Wer von Anfang an spürt, dass er ernst genommen wird, bleibt auch eher.
Wirtschaftsforum: Wo soll die Reise hingehen?
Julian Schnapp: Unser Ziel ist es, bis 2030 die 200-Millionen-EUR-Umsatzmarke zu überschreiten durch weiteres Wachstum im BMW-Kerngeschäft und in den neuen Sparten. Was uns dabei hilft: Wir sind groß genug, um professionell zu agieren, aber noch beweglich genug, um schnell zu entscheiden. Wir sind halt ein Schnellboot und das wollen wir bleiben.













