Raum für Veränderung
Interview mit Benjamin von Schretter, Geschäftsführer, und Gabriele Tertilt, Head of Marketing der Adapteo GmbH

Wirtschaftsforum: Herr von Schretter, Frau Tertilt, Adapteo ist heute einer der führenden Anbieter modularer Raumlösungen. Was hat das Unternehmen erfolgreich gemacht?
Benjamin von Schretter: Wir haben sehr früh auf Qualität als klares Differenzierungsmerkmal gesetzt. Gerade bei Schulen, Kitas und Industriekunden sind die Anforderungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Früher wurden Container teilweise zunächst in Schulen eingesetzt und später zur Baustellenausrüstung. Heute braucht es Lösungen, die von Anfang an für ihren jeweiligen Einsatzzweck entwickelt worden sind. Genau darin waren wir Vorreiter. Hinzu kommt ein Gesellschafterkreis, der uns ermöglicht, auch große Projekte mit entsprechend hohen Investitionsvolumina zu realisieren.
Wirtschaftsforum: Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen?
Benjamin von Schretter: Ein zentrales Thema ist die öffentliche Finanzierung. Schulen und Kitas werden überwiegend von Städten und Kommunen getragen, und viele haben große Schwierigkeiten, neue Projekte zu finanzieren. Das ist für uns Risiko und Chance zugleich. Projekte werden verschoben, gleichzeitig steigt teilweise der Bedarf an Interimslösungen oder bestehende Anlagen bleiben länger im Einsatz. Dazu kommt die Regulierung. Seit Jahren wird über Bürokratieabbau gesprochen, tatsächlich steigen die Anforderungen weiter. Bauanträge, Brandschutz und andere Genehmigungen führen deshalb häufig zu Verzögerungen. Auch modulare Gebäude müssen hier grundsätzlich dieselben Anforderungen erfüllen wie konventionelle Bauten.
Wirtschaftsforum: Wo liegen dann die konkreten Vorteile der modularen Bauweise?
Benjamin von Schretter: Vor allem in Geschwindigkeit und Flexibilität. Wir sprechen bei der Realisierung über Wochen oder Monate statt über Jahre. Durch den hohen Vorfertigungsgrad ist die Bauzeit vor Ort sehr kurz. Gleichzeitig lassen sich unsere Gebäude an veränderte Bedürfnisse anpassen. Wenn mehr Raum gebraucht wird, können sie erweitert oder unter bestimmten Voraussetzungen aufgestockt werden. Umgekehrt können wir sie auch schrittweise zurückbauen. Technisch bieten wir Lösungen, die einem konventionellen Gebäude gleichwertig sind. Fassaden, Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen sind genauso möglich.
Gabriele Tertilt: Hinzu kommt die wirtschaftliche Flexibilität. Unser Kerngeschäft ist vor allem die Vermietung. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist es für viele Unternehmen attraktiv, eine Anlage zunächst zu mieten und sie später gegebenenfalls zu kaufen. Dadurch lassen sich Investitionen zeitlich verschieben. Außerdem müssen bei modularen Projekten viele Fragen bereits sehr früh geklärt werden. Architekten, Bauherren und TGA-Planer werden früh eingebunden. Das macht die Planung effizienter und vermeidet langwierige Entscheidungen in späteren Projektphasen. Wir haben eigene Architekten und TGA-Planer im Haus und können diese Kompetenzen direkt einbringen.
Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit gehört zu den großen Themen der Baubranche. Wie sieht Ihr Ansatz aus?
Benjamin von Schretter: Kreislaufwirtschaft ist ein zentraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Nach einem Einsatz kommen unsere Module an einen unserer Lagerstandorte zurück, werden aufbereitet und für den nächsten Einsatz vorbereitet. Dadurch können sie über viele Nutzungszyklen hinweg verwendet werden. Wir entwickeln auch die Konstruktion kontinuierlich weiter. Ein wichtiger Schritt war unser Hybridmodul mit Holzanteil. Für 2027 planen wir zudem die Markteinführung eines Holzmoduls, das auf derselben Rasterlogik wie unsere Stahlmodule basiert. Die Module werden verschraubt und sind ebenfalls für viele unterschiedliche Einsätze ausgelegt.
Gabriele Tertilt: Gerade bei Holz können wir stark von der Expertise unserer nordischen Gesellschaften profitieren. Dort ist Holzmodulbau längst etabliert. Nachhaltigkeit bezieht sich für uns aber nicht nur auf das Material und den Energieverbrauch. Wir schauen auch darauf, wie sich Menschen in unseren Gebäuden fühlen. In den nordischen Ländern werden Projekte zum sogenannten Social Wellbeing umgesetzt. Dabei sprechen wir mit den tatsächlichen Nutzern und entwickeln daraus Konzepte für Innenräume, Außenbereiche oder Gemeinschaftsflächen. Wir wollen Gebäude nicht ausschließlich aus technischer Sicht betrachten, sondern möglichst ganzheitlich.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz inzwischen bei Adapteo?
Benjamin von Schretter: Im Jahr 2026 kommt man an KI nicht mehr vorbei. Für mich ist sie zunächst ein Werkzeug. So wie wir unseren Monteuren einen Akkuschrauber geben und nicht nur einen Schraubenzieher, nutzen wir auch KI dort, wo sie Prozesse optimiert. Konzernintern haben wir ein eigenes KI-Modell entwickelt, das mit Unternehmensdaten und technischen Spezifikationen arbeitet. Damit können wir beispielsweise Projekte mit Bauvorschriften und Richtlinien abgleichen oder Leistungsverzeichnisse von Kunden analysieren und früh erkennen, ob Anforderungen unserem Standard widersprechen.
Gabriele Tertilt: Ein weiteres wichtiges Feld ist der Wissenstransfer. Bisher lagen Arbeitsanweisungen oft irgendwo in Ordnern und mussten mühsam gesucht werden. Mit KI können wir Schulungsinhalte viel leichter konsumierbar und interaktiver gestalten, zum Beispiel auch als Audiodateien. Gerade für neue Mitarbeitende ist das hilfreich. Gleichzeitig haben wir klare KI-Regeln entwickelt, damit transparent ist, was erlaubt ist und wie Mitarbeitende verantwortungsvoll mit diesen Werkzeugen umgehen sollen.
Wirtschaftsforum: Können Sie an einem Projekt zeigen, was mit moderner Modulbauweise heute möglich ist?
Benjamin von Schretter: Ein sehr gutes Beispiel ist das Gymnasium Mainz-Mombach. Dort haben wir rund 6.400 m² Fläche über drei Geschosse realisiert, einschließlich Photovoltaikanlage und Mensa. Besonders spannend ist das pädagogische Konzept. Die Kinder lernen nicht nur in klassischen Klassenverbänden; deshalb wurden große Lernbereiche mit kleineren Gruppenarbeitsräumen kombiniert. Solche Projekte zeigen, dass ein modernes modulares Gebäude weit mehr ist als ein provisorischer Container. Wenn man heute in ein Gebäude mit 2,75 m Raumhöhe kommt, hat man vielfach gar nicht mehr das Gefühl, in einem Modulbau zu stehen. Deshalb sprechen wir bewusst von Raummodulen.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die wichtigsten Wachstumsfelder der kommenden Jahre?
Benjamin von Schretter: Wir wollen im öffentlichen Bereich mit Schulen und Kitas weiterwachsen und zugleich ein noch stärkerer Partner für die Industrie werden. Ein weiteres großes Feld sind Infrastrukturprojekte. Dort werden häufig über mehrere Jahre Unterkünfte für zahlreiche Arbeitskräfte benötigt. Wir können dafür hochwertige Mietlösungen mit Einzelzimmern, eigenem Bad und entsprechender Infrastruktur anbieten. Auf dänischer Seite beim Bau des Fehmarnbelttunnels haben wir bereits mehr als 30.000 m² Fläche für die dort tätigen Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt. Diese Erfahrung wollen wir auch bei künftigen deutschen Infrastrukturprojekten einbringen.
Gabriele Tertilt: Unser Ziel ist es, hochwertige, flexible und möglichst zirkuläre Lösungen anzubieten und damit den deutschen Markt weiter zu erschließen. Die internationale Gruppe gibt uns dabei viel Know-how mit. Entscheidend ist für uns aber immer auch die Nutzerperspektive. Wir wollen nicht einfach nur Gebäude bereitstellen, sondern Räume schaffen, in denen Menschen gerne lernen, arbeiten oder leben.













