Grundstoffe, die Großes leisten

Interview mit Nils Ellmann, Geschäftsführer und Jasmin Nowicki, Geschäftsführerin der Fagron GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Frau Nowicki, Herr Ellmann, Sie teilen sich seit Kurzem die Geschäftsführung der Fagron GmbH & Co. KG, einem Pharmaunternehmen, das sich auf Wirk- und Rohstoffe konzentriert, aber auch darüber hinaus Produkte und Services anbietet. Wie kam es dazu?

Nils Ellmann: Im Oktober 2021 haben wir interimsmäßig die Fagron-Geschäftsführung übernommen, nachdem unsere Vorgängerin aus persönlichen Gründen ausgeschieden ist. Wir haben die Bereiche aufgeteilt und freuen uns auf neue Herausforderungen.

Jasmin Nowicki: Wir wollen bewusst im Team arbeiten, da wir uns hervorragend ergänzen. Während ich mich um die Bereiche Marketing, Quality und Logistik kümmere, ist Herr Ellmann für Bilanzbuchhaltung, Controlling und Einkauf verantwortlich.

Wirtschaftsforum: Welchen Unternehmenskurs werden Sie künftig einschlagen? Sind grundlegende Veränderungen geplant?

Nils Ellmann: Was die Unternehmensführung betrifft, wollen wir uns beide bewusst auch operativ mit einbringen und suchen die Nähe zum Team. Hier in Glinde führen wir die Landesniederlassung; wichtige Impulse bekommen wir natürlich vom Konzern in Rotterdam. Grundsätzliche Guidelines sind vorgegeben, gleichzeitig wollen wir unseren eigenen Fingerabdruck hinterlassen. Das heißt zum Beispiel, dass wir uns im Bereich der pharmazeutischen Wirkstoffe stärker positionieren wollen.

Jasmin Nowicki: Ein wichtiges Vorhaben ist die Rückkehr zum Kerngeschäft, den Roh- und Wirkstoffen. Hier liegen die historischen Wurzeln und Kernkompetenzen und dahin wollen wir wieder zurück. Gleichzeitig werden wir Konzernimpulse einbeziehen, zum Beispiel was diverse Eigenmarken und Projekte betrifft.

Wirtschaftsforum: Wie ist Fagron aufgestellt, um diese Aufgaben zu meistern?

Nils Ellmann: Hier in Glinde sind 45 Mitarbeiter tätig; als Landesgesellschaft sind wir für die DACH-Region verantwortlich. Der Konzern, der 1990 in Rotterdam gegründet wurde, ist weltweit auf allen Kontinenten präsent und hat zwischen 3.000 und 4.000 Mitarbeiter in 35 Ländern.

Wirtschaftsforum: Wie sieht das Portfolio insgesamt aus?

Nils Ellmann: Die Grundidee war, wie bereits erwähnt, der Vertrieb von pharmazeutischen Rohstoffen. Daraus leitet sich auch der Name Fagron im Niederländischen ab. Seit der Gründung wurde das Portfolio Stück für Stück erweitert und Eigenmarken wie SyrSpend, eine Suspensionsgrundlage, oder die Creme- und Salbengrundlage Pentravan kamen hinzu.

Jasmin Nowicki: Neben dem Handel mit Rohstoffen sollen Bereiche wie die Lab-Sparte ausgebaut werden. Dabei handelt es sich um Geräte, die Apothekern die Arbeit erleichtern. Das können Luftsterilisatoren oder Magnet-rührer sein. Zudem bieten wir verschiedene Gentests an, zum Beispiel für Haarausfall oder um zu testen, welche Lebensmittel jemand essen darf. Wir werden diese Tests auf Endkonsumenten ausweiten und sind momentan dabei, sie auf den Markt zu bringen.

Nils Ellmann: Das alles sind Eigenkreationen, die über den Handel hinausgehen. Bei den Rohstoffen deckt Fagron im Übrigen das gesamte Indikationsspektrum von Kortikoiden bis zu Betäubungsmitteln ab. Der Konzern stellt mehr als 2.800 Wirkstoffe bereit.

Wirtschaftsforum: An wen richtet sich dieses breite Angebot?

Nils Ellmann: Wir differenzieren aktuell zwischen vier Zielgruppen: öffentliche sowie Krankenhausapotheken, Großhandel und Pharmaindustrie. Öffentliche Apotheken und Krankenhausapotheken machen den Löwenanteil aus, während die Pharmaindustrie nur für einen relativ kleinen Anteil aufkommt.

Wirtschaftsforum: Welche Marketingkanäle nutzen Sie, um diese Zielgruppe zu erreichen?

Jasmin Nowicki: Da Apotheken nach wie vor sehr viel mit Faxen arbeiten, gibt es zahlreiche Faxkampagnen mit Newslettern. Natürlich nutzen wir auch Social Media wie Instagram, Facebook und Linkedin.

Wirtschaftsforum: Gibt es so etwas wie ein Erfolgsrezept?

Nils Ellmann: In unserer Branche ist die globale Vernetzung ein immenser Vorteil. Hauptwettbewerber sind Local Player mit einer Niederlassung. Wir profitieren unter anderem bei Beschaffung und Innovation von der Konzernzugehörigkeit, sind flexibler als andere und trotz unserer Größe außerordentlich dynamisch. In gewisser Weise herrscht hier noch immer eine Start-up-Mentalität und eine damit verbundene Leichtigkeit.

Wirtschaftsforum: Wenn man einen Blick nach vorne wagt, wo steht Fagron in drei bis fünf Jahren und wie sehen Ihre persönlichen Ziele aus?

Jasmin Nowicki: Wir wollen weiter wachsen, neue Produkte aufnehmen und dabei den Fokus auf pharmazeutische Grundstoffe klar beibehalten. Fagron soll insgesamt digitaler werden; dabei spielen auch Umweltaspekte eine tragende Rolle. Zum Teil arbeiten wir schon heute komplett papierlos.

Nils Ellmann: Neben der Stärkung der wirtschaftlichen Situation ist es mir ein persönliches Anliegen, das Team zu motivieren, sicherzustellen, dass Mitarbeiter Freude bei ihrer Arbeit haben. Erst dann fühle auch ich mich in meinem Job wohl.

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