Energie durch Wasser

Interview mit Dr. Sven Lübbecke, Business Development Manager DACH der Evides Industriewater Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Lübbecke, wofür steht Evides Industriewater?

Dr. Sven Lübbecke: Das Unternehmen ist vor fast 50 Jahren gegründet worden. Es ist eine Tochter der niederländischen Evides Waterbedrijf N.V. Diese ist schon über 100 Jahre alt und beliefert den Südwesten von Holland mit Trinkwasser. Evides Industriewater wurde ausgegründet für die Bereiche Prozesswasser für die Industrie und Abwasser aus der Industrie. Für beide bieten wir ein Rundum-sorglos-Paket: Wir versorgen die Industrie mit Prozesswasser jeglicher Qualität bis hin zum Ultra Pure Water.

Dafür haben wir Anlagen, die Prozesswasser aus unterschiedlichen Quellen, also Oberflächenwasser, Trinkwasser oder Grundwasser, produzieren. Im Wesentlichen benötigt die Industrie VE-Wasser, das heißt voll entsalztes Wasser, mit dem Dampf produziert wird. Unser Wasser gelangt aber auch in die Produkte. Daneben haben wir für die Abwasserbehandlung zentrale Kläranlagen. Die Anlagen werden von uns geplant, designt und gebaut sowie finanziert und betrieben. Wir garantieren 100% Verfügbarkeit in Mengen und Qualität. Der Kunde bezahlt dafür einen Wassertarif.

Wirtschaftsforum: Wie wird Ihrer Meinung nach die zukünftige Wasserversorgung aussehen?

Dr. Sven Lübbecke: Wasser wird immer knapper. Der Klimawandel hat hier einen großen Einfluss. Wir sind immer gefordert, unsere Technologie weiterzuentwickeln und zu erweitern, da sich durch den Klimawandel beispielsweise die Wasserqualität und damit die Ansprüche verändern. Die Wasserknappheit führt teilweise auch zu einem Nutzungskonflikt zwischen Industrie und Bevölkerung. Die Industrie sucht deshalb nach Alternativen. Wir haben derzeit in Norddeutschland drei Projekte für die Wasserwiederverwendung. In Terneuzen in Holland betreiben wir eine Anlage, mit der wir schon seit zwölf Jahren kommunales Abwasser behandeln und zu VE-Wasser aufbereiten. Wir haben in diesem Bereich also viel Know-how.

Wirtschaftsforum: Das ist für die Industrieunternehmen auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit interessant ...

Dr. Sven Lübbecke: Darauf liegt der Fokus. Unser Motto lautet ‘Water without waste’. Bei einem Kunden in Holland ist es bereits so, dass das Recycling nicht teurer ist als die Nutzung natürlicher Ressourcen. Bei einem anderen Kunden beschäftigen wir uns gerade mit internem Recycling. In der Kreislaufwirtschaft muss aber noch viel passieren.

Wirtschaftsforum: Wie nehmen Sie den deutschen Markt wahr?

Dr. Sven Lübbecke: In Deutschland sind wir seit 21 Jahren für DOW Chemicals in Stade, wo auch unser Firmensitz ist, tätig. Ich bin hier eine One-man-Show und akquiriere Kunden in der DACH-Region. Nach meiner Feststellung stehen die Kunden in Deutschland dem Betreibermodell skeptischer gegenüber als in anderen Ländern. Hier ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten, auch dahingehend, dass wir bei dem Betreibermodell für alle Formen offen sind. Bei DOW haben wir beispielsweise auch eine Anlage übernommen und die dort tätigen Mitarbeiter gemietet. Wir gehen sehr flexibel auf die Wünsche und Anforderungen der Kunden und die jeweilige Ausgangslage ein.

Wirtschaftsforum: Was passiert nach Ablauf der Laufzeit mit den Anlagen?

Dr. Sven Lübbecke: Unsere Anlagen sind in der Regel nach 20 Jahren abgeschrieben. Der Kunde kann sie dann für einen EUR übernehmen und selbst weiter betreiben oder den Vertrag mit uns verlängern. Alle Anlagen werden von uns über die gesamte Laufzeit gewartet und instandgehalten, sind also zu diesem Zeitpunkt in einwandfreiem Zustand.

Wirtschaftsforum: Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden?

Dr. Sven Lübbecke: Wir wollen eine für beide Seiten gewinnbringende Partnerschaft entwickeln. Zu unserem Aftersales-Service gehört, mit dem Kunden im Gespräch zu bleiben und ihn über den Betrieb auf dem Laufenden zu halten.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie mit Evides für die Zukunft?

Dr. Sven Lübbecke: Unser Ziel ist, im Prozesswasserbereich noch mehr Unternehmen von unserem Betreibermodell zu überzeugen und auch im Recyclingbereich neue Kunden von unserem Know-how zu überzeugen. Ein weiteres für uns wichtiges Gebiet ist die Wasserstofftechnologie. Die Qualitätsanforderungen an das zur Elektrolyse verwendete Wasser sind extrem hoch. Dieses Ultra Pure Water muss erst einmal produziert werden. Hier können wir unsere gesamten Erfahrungen einbringen. Aktuell sind wir dabei, uns in größeren Projekten zu positionieren. Als Unternehmen haben wir außerdem das Ziel, bis 2030 CO2-neutral zu sein. In Holland haben wir schon Speicherbecken mit schwimmenden Solaranlagen und nutzen zu 30% E-Mobilität. In Deutschland gibt es da generell noch etwas Nachholbedarf.

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