Experten für Sonderlösungen

Interview mit Dipl. Ing. Christof Liemke, Mitglied der Geschäftsleitung der ELHA-MASCHINENBAU Liemke KG

Wirtschaftsforum: Herr Liemke, wie hat sich der Markt in ihrem Bereich in den vergangenen Jahren entwickelt?

Christof Liemke: Der Markt hat schon vor der Corona-Krise produktseitig einen Umbruch erlebt. Durch den Technologiewandel und die Sektorveränderungen ist die Investitionsbereitschaft in vielen Bereichen zurückgegangen, insbesondere im Automotive-Bereich. Wir waren im Segment der Massenteile gut aufgestellt, hatten Bestandsprojekte für Großmaschinen im nicht-automobilen Bereich, wie zum Beispiel die Bearbeitung von Lagerkränzen für Windkraftanlagen oder aber vertikale Schleifmaschinen, im Auftragsbestand. Wir haben die Zeit genutzt, um unsere vorhandenen Serienmaschinen mit neuen Komponenten auszurüsten, was sich als Vorteil für unsere neuen Projekte erwiesen hat.

Unsere Maschinenprojekte sind jetzt größer, sowohl von den Maschinenmaßen als auch vom Auftragsvolumen her. Wir haben, um den wachsenden Ansprüchen an Service und Reaktionsgeschwindigkeit gerecht zu werden, im vergangenen Jahr den Service und die Produktoptimierung eines Zulieferers komplett übernommen. Mit einem weiteren Partner haben wir eine Komponente von Grund auf neu entwickelt. In beiden Fällen geht es um Spindelreihentechnologie, die uns noch mehr Flexibilität und Produktivität bieten wird. Wir rechnen damit, im März breiter in den Vertrieb gehen zu können.

Wirtschaftsforum: Das heißt, Ihr Kerngeschäft konzentriert sich jetzt auf Großmaschinen?

Christof Liemke: Früher haben Serienmaschinen für die Automobilindustrie rund 85% unseres Umsatzes ausgemacht. Heute erwirtschaften wir mit unseren Großmaschinen gute 60% des gesamten Geschäftsvolumens. Da sind wir in beide Richtungen flexibel. Wir übernehmen selbstverständlich auch Umbauten, sowohl von unseren eigenen Maschinen wie auch von Fremdfabrikaten.

Wirtschaftsforum: Warum entscheiden sich die Kunden letztendlich für eine Zusammenarbeit mit ELHA? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Christof Liemke: Dabei geht es primär nicht um die Maschinen selbst, sondern um die Menschen, die bei uns arbeiten. Wir arbeiten zusammen mit unseren Kunden und bewältigen Projekte partnerschaftlich. Wir verfügen über fundiertes Know-how und die Kunden merken, dass wir sie verstehen. So gelingt es uns Lösungen zu entwickeln, die die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden stärkt. Wir sind, wenn es um Sonderlösungen geht, vielen anderen Anbietern einfach auch einen Schritt voraus. Wir sind ein Nischenhersteller, der besser sein will als der Standard.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit in Ihrer Branche?

Christof Liemke: Allein schon aus ökonomischen Gründen möchten unsere Kunden, dass die Maschinen möglichst wenig Ressourcen verbrauchen. In den vergangenen Jahren sind zudem die gesetzlichen Vorgaben, zum Beispiel zum Energieverbrauch, stetig gestiegen. Unser Vorteil ist, dass unser Maschinenkonzept, die Transferzentren, sehr energieeffizient sind. Sie können unter anderem gleichzeitig vier Werkstücke bearbeiten, zum Beispiel vier Bremszylinder.

Wirtschaftsforum: Wo sind, regional gesprochen, aktuell Ihre wichtigsten Märkte?

Christof Liemke: Nach wie vor ist Deutschland ein sehr wichtiger Markt für uns, aber in den letzten Jahren sind Asien, und hier vor allem China und Japan, wichtig geworden. Vor kurzem waren wir erstmalig in Mexiko aktiv. Was Europa angeht, sehen wir weiterhin in Südosteuropa viel Potenzial.

Wirtschaftsforum: Worauf werden Sie sich in diesem Jahr konzentrieren?

Christof Liemke: Wir wollen unsere angestoßenen Entwicklungen zu Ende bringen und in den Markt einführen. Dabei setzen wir auf eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Das bedeutet natürlich auch, dass wir unser Team entsprechend mit Know-how und Service aufstellen werden, unsere Mitarbeiter zum Beispiel auch in neue Prozesse und Werkzeuge einarbeiten. Wir werden weiter diversifizieren, uns weiter außerhalb des Automotive-Bereiches stärken und viele neue Dinge ausprobieren. Dabei werden wir gut überlegen, wie wir die neuen digitalen Tools verwenden können.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie ELHA langfristig am Markt?

Christof Liemke: Langfristiges Planen ist schwierig geworden, oft kann man nicht einmal ein Jahr zuverlässig überschauen. Das hat die Corona-Krise ja wieder einmal bewiesen. Mit Visionen tue ich persönlich mich immer etwas schwer. Oft ist das die berühmte heiße Luft. Die Anforderungen und Weiterentwicklungen entstehen durch die veränderten Marktsituationen und den damit einher gehenden neuen Kundenbedürfnissen – nicht durch Visionen. Diesen Veränderungen passen wir uns an und entwickeln uns somit kontinuierlich mit dem Markt.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

„Sport macht Spaß – und die Sportfläche noch mehr!“

Interview mit Tobias Owegeser, Geschäftsführer der SMG Sportplatzmaschinenbau GmbH

„Sport macht Spaß – und die Sportfläche noch mehr!“

Seit vielen Jahrzehnten ist SMG als starker Anlagenbauer in der Track-and-Turf-Nische bekannt: Weltweit entsteht kaum eine maschinell errichtete Sportfläche ohne die Produkte des Unternehmens aus dem süddeutschen Vöhringen. Wie SMG…

Präzision unter Druck: Wie Wartung zum Wettbewerbsvorteil wird

Interview mit Mirko Ruhwedel, Geschäftsführer und Lothar Sommer, Geschäftsführer der RUN-TEC GmbH

Präzision unter Druck: Wie Wartung zum Wettbewerbsvorteil wird

Lieferketten unter Druck, Investitionszurückhaltung und steigende Kosten zwingen Industrieunternehmen dazu, bestehende Maschinen länger und effizienter zu nutzen. Genau hier setzt die RUN-TEC GmbH an. Das Unternehmen aus Niedersachsen hat sich…

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Interview mit Dr.-Ing. Ansgar Kaupp, CEO und Partner der EyeC GmbH

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Fehlerhafte Verpackungen können Millionen kosten – durch Rückrufe, Lieferengpässe oder regulatorische Folgen. Genau hier setzt die EyeC GmbH mit intelligenten Inspektionssystemen an, die Druckbilder, Barcodes und selbst Brailleschrift zuverlässig prüfen.…

Spannendes aus der Region Kreis Paderborn

Mit Rückenwind in die Zukunft

Interview mit Thomas Mouhlen, Geschäftsführer der Prophete In Moving GmbH

Mit Rückenwind in die Zukunft

Der Fahrrad- und E-Bike-Markt wandelt sich gerade rasant. Damit bieten sich für Prophete In Moving mit seiner starken Position im Preiseinstiegssegment weitere vielfältige Wachstumschancen. Wie er diese ergreifen möchte und…

Energiewende als Mammutaufgabe

Interview mit Dipl.-Wirt.-Ing. Jörg Kogelheide, Geschäftsführer der Stadtwerke Versmold GmbH und Dipl.-Kfm. (FH) Manuel Drossard, Geschäftsführer der Stadtwerke Versmold GmbH

Energiewende als Mammutaufgabe

Energiekrise, Digitalisierung, Energiewende: Regionale Versorger stehen unter Druck. Umso wichtiger ist es, dass Kommunen auf Partner setzen können, die in Krisenzeiten Verantwortung übernehmen. Die Stadtwerke Versmold sind ein solcher Partner,…

Der Kunde will online – wir machen es möglich

Interview mit Bernd Lietke, Geschäftsführer der Bauwelt Glas- und Stahlprodukte Online GmbH

Der Kunde will online – wir machen es möglich

Der Onlinehandel erlebt seit Jahren einen Boom und hat unser Einkaufsverhalten grundlegend verändert. Längst landen nicht mehr nur Kleidung, Schuhe, Elektronikartikel oder Bücher im elektronischen Warenkorb; auch maßgeschneiderte Duschkabinen, Vordächer…

Das könnte Sie auch interessieren

Harte Schale – flexibler Kern

Interview mit Ing. Dietmar Freyhammer, Geschäftsführer der Christian Pfeiffer Maschinenfabrik GmbH

Harte Schale – flexibler Kern

Wenn während eines Mahlprozesses eine einzelne Platte innerhalb der Trennwand bricht, dringen Mahlkugeln in das Innere der Trennwand ein und können diese zerstören. Ein daraus resultierender Produktionsstop ist ein Szenario,…

Mit Anlagen-Know-how gegen den Fachkräftemangel

Interview mit Thorsten Bung, Geschäftsführer der Kuhne GmbH

Mit Anlagen-Know-how gegen den Fachkräftemangel

Mit über 90 Jahren Erfahrung im Markt ist die Kuhne Group zu einem der führenden europäischen Anlagenbauer für die Folien- und Plattenherstellung avanciert. Geschäftsführer Thorsten Bung verriet im Interview mit…

Wenn Tradition auf Zukunft trifft

Interview mit Ralf Waibl, Vorstand FUTRONIKA AG

Wenn Tradition auf Zukunft trifft

Die Lohnfertigung spielt eine entscheidende Rolle in verschiedenen industriellen Bereichen. Unternehmen setzen vermehrt auf Lohnfertigung, um flexibler auf Marktanforderungen reagieren zu können und gleichzeitig ihre Kernkompetenzen zu stärken. Die FUTRONIKA…

TOP