Leidenschaft für Zukunftstechnologien

Interview mit Lisa Cziczek, Unternehmens- kommunikation bei Elektronische Fahrwerksysteme GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Cziczek, wie hat sich EFS seit der Gründung entwickelt?

Lisa Cziczek: EFS ist noch ein recht junges Unternehmen, das 2009 gegründet wurde. Angefangen haben wir mit mecha-tronischen Fahrwerksystemen. Inzwischen sind wir eher ein datengetriebenes Unternehmen, das auch die Nachfrage zu Themen wie ‘Künstliche Intelligenz’, autonomes Fahren oder Safety bedient. Besonders in den letzten Jahren sind wir stark gewachsen. An unseren drei Standorten in Gaimersheim bei Ingolstadt, Erlangen und Wolfsburg beschäftigen wir inzwischen über 600 Mitarbeiter, dazu kommen rund 50 Studenten.

Wirtschaftsforum: An welchen neuen Entwicklungen arbeitet EFS?

Lisa Cziczek: Als strategischer Entwicklungspartner unserer Kunden können wir aus Geheimhaltungsgründen nicht immer einzelne Produkte nennen, aber die Entwicklung geht in Richtung Software-Applikationen zur künstlichen Intelligenz und deren Absicherung, also Safe AI. Wir nehmen auch an der VDA Leitinitiative autonomes und vernetztes Fahren teil, indem wir unsere Expertise in den Projekten KI Wissen und KI Absicherung einbringen. Es geht darum, Methoden zum maschinellen Lernen zu entwickeln und KI für den Einsatz auf der Straße freigabefähig zu machen. Außerdem haben wir zur diesjährigen Landesgartenschau die App Treedex entwickelt, mit der die Besucher auf ʻPflanzenjagdʼ gehen können: Sie fotografieren die Pflanze und die App erkennt Informationen dazu. Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie KI eingesetzt werden kann.

Wirtschaftsforum: Schlägt das Unternehmen damit eine neue strategische Richtung ein?

Lisa Cziczek: Sicherlich werden wir weiter unseren Horizont erweitern und dabei auch etwas aus dem großen Schatten der Automobilindustrie heraustreten. Wir wollen unsere Expertise auch in anderen Bereichen und Märkten einsetzen. Dazu arbeiten wir mit Universitäten und Hochschulen zusammen an Forschungsprojekten. Unser Schwerpunkt wird aber weiterhin auf dem Automobil- und Fahrzeugbau liegen.

Wirtschaftsforum: Können Sie uns mehr über die Forschungsprojekte erzählen?

Lisa Cziczek: Ein Projekt in Ingolstadt mit dem Namen ʻSAVeNoWʼ erforscht zum Beispiel einen digitalen Zwilling des urbanen Verkehrs. Die Kooperationen mit den Hochschulen sind uns sehr wichtig, weil wir junge, dynamische Menschen fördern möchten. Deshalb führen wir auch Studentenprojekte durch. Neben der Wissensvermittlung werden wir dadurch auch als Unternehmen sichtbar.

Wirtschaftsforum: Sie arbeiten für große Kunden aus der Automobilindustrie, das heißt, man kennt das Unternehmen in der Branche. Wie wichtig ist für EFS dennoch das Marketing?

Lisa Cziczek: Unsere Außendarstellung ist eng verknüpft mit der Mitarbeiterakquise. Wir wollen uns für potenzielle und bestehende Mitarbeiter attraktiv machen und unsere Expertise und unsere Leistungen als Lösungsanbieter darstellen. Sichtbarkeit ist für uns daher ein wichtiges Kriterium.

Wirtschaftsforum: Welche Gründe sind ausschlaggebend für den Erfolg des Unternehmens?

Lisa Cziczek: Wir sind ein innovatives Unternehmen und bringen Ideen voran. In diesem Jahr haben wir den Preis Top 100 / Top-Innovator für Deutschlands innovativste Mittelständler gewonnen. Darüber hinaus überzeugen wir auch als Arbeitgeber. Auf dem Portal Kununu haben wir eine 99%-ige Weiterempfehlungsrate und 4,3 von 5 Sternen. Die Mitarbeiter sind zufrieden und arbeiten gerne bei uns. Das ist wichtig, denn die Mitarbeiter sind das Fundament für den Erfolg des Unternehmens. Eine große Rolle für ihre Zufriedenheit spielt die Unternehmenskultur.

Wirtschaftsforum: Wie nehmen Sie die Unternehmenskultur bei EFS wahr?

Lisa Cziczek: Normalerweise führen wir regelmäßige Mitarbeiterevents durch, die den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, ihre Kollegen auch einmal anders als im Büroalltag kennenzulernen. Aufgrund von Corona haben wir versucht, unsere traditionellen Feiern in ein virtuelles Format zu bringen, in eine Art überdimensionales Zoom-Meeting. Das wurde zunächst von vielen skeptisch betrachtet, wurde aber letztendlich sehr gut angenommen. So ist es uns gelungen, das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Mannschaftsgedanken weiter zu stärken.

Wirtschaftsforum: Wie entwickelt sich Ihre Branche gerade?

Lisa Cziczek: Das autonome Fahren ist definitiv das vorherrschende Thema, verbunden mit der Frage, wie man es sicher machen kann. Das stellt an uns die Anforderung, entsprechende Software zu entwickeln.

Wirtschaftsforum: Mit welchen Erwartungen blicken Sie in die Zukunft des Unternehmens?

Lisa Cziczek: Wir sind gut aus dem letzten Jahr mit all seinen Herausforderungen herausgekommen. Die Nachfrage nach unseren Leistungen ist, auch im Hinblick auf die genannten Zukunftsthemen, da. Daher wird sich das Wachstum sicher fortsetzen. Wir wollen weiterhin mit Leidenschaft an den Technologien der Zukunft arbeiten.

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