Webcode:

Um einen Artikel aus dem Print-Magazin online zu lesen, geben Sie bitte nachfolgend den Webcode ein, der im Magazin unter dem Artikel zu finden ist.

https://www.getdigital.de - Gadgets und mehr für Computerfreaks

Ein SUV passt hervorragend zur Marke Fisker

Interview mit Henrik Fisker, Unternehmer, Designer und Visionär

Social Share
Teilen Sie diesen Artikel

Wirtschaftsforum: Herr Fisker, Sie haben sich dazu entschieden, die Einführung Ihres lang erwarteten Luxusautos EMotion zu Gunsten eines noch nicht namentlich genannten SUV zu verschieben. Ist der EMotion noch nicht bereit für die Prime Time?

Henrik Fisker: Ursprünglich hatten wir uns vorgenommen, den EMotion mit der heutigen Batterietechnologie herauszubringen und dann, sobald sie fertig ist, auf die Festkörpertechnologie, die wir entwickeln, umzusteigen. Die Entwicklung dieser Technologie schreitet jedoch viel schneller voran, als wir ursprünglich gedacht hatten: Wir haben ein Inhouse-Labor mit einem großen Team von Doktoranten aufgebaut, das diese mit unglaublicher Geschwindigkeit weiterentwickelt. Einer der Gründe, warum wir vielen der noch größeren Unternehmen voraus sind, ist wahrscheinlich die Tatsache, dass wir uns vor zwei Jahren dazu entschieden haben, einen erheblichen Teil unserer Ressourcen in die Entwicklung von Festkörperbatterien zu investieren. Wir sind sehr begeistert und ich denke, sie werden ein großer Impulsgeber sein, sobald sie bereit sind, auf die Straße zu gehen. Es wäre jedoch aus geschäftlicher Sicht nicht sinnvoll gewesen, unserem ursprünglichen Plan nachzukommen und den EMotion mit der aktuellen Batterietechnologie zu starten, um sie nur kurz danach zu ändern. Wir werden nächstes Jahr mit dem Test unserer Festkörperbatterien in Fahrzeugen beginnen. Je nachdem, wie diese Tests ablaufen, werden wir einen genaueren Veröffentlichungszeitpunkt für den EMotion ankündigen können. Wir haben jedoch gleichzeitig an unserem Großraumfahrzeug, dem SUV, gearbeitet und werden ihn im zweiten Halbjahr 2021 mit der heutigen Batterietechnologie einführen.

Der neue SUV von Fisker Inc.

Wirtschaftsforum: Was hat Sie dazu veranlasst, einen SUV zu dem ersten Fahrzeug zu machen, das Fisker Inc. auf den Markt bringt? 

Henrik Fisker: Meines Erachtens gibt es derzeit eine Marktlücke und einen echten Bedarf an einem rein elektrischen SUV – einem wirklich kraftvollen SUV und nicht einem Crossover –, dessen Verkaufspreis bei unter 40.000 USD liegen würde. Wir glauben, dass er auch hervorragend zu der Marke Fisker passen wird. Ich habe noch nie einen SUV entworfen, aber ich wollte wissen, wie eine Neuinterpretation aussehen würde, ein wirklich futuristischer SUV. Natürlich ist der Einstieg in den volumenstarken Markt mit einem profitablen Fahrzeug auch eine sehr starke Grundlage für Fisker Inc. als Unternehmen, um genügend Einnahmen zur Finanzierung unserer zukünftigen Fahrzeuge zu erzielen. 

Wirtschaftsforum: In unserem letzten Gespräch haben Sie gesagt, dass der Weg zum Herzen des Kunden durch ein emotionales Design und eine überragende Benutzererfahrung geht. Wie kann ein für den Alltagsgebrauch und eine breite Kundenbasis konzipiertes Fahrzeug wie ein SUV diese Ziele erreichen? 

Henrik Fisker: Das ist genau die Aufgabe, der wir uns stellen wollten, in ein Segment zu gehen, in dem ich das Gefühl habe, dass es viel Raum für Verbesserungen gibt und in dem man wirklich etwas sehr Emotionales kreieren kann. Ich glaube, mit dem ersten Bild, das wir gerade veröffentlicht haben, haben wir bereits gezeigt, dass unser SUV ein sehr emotionales Design haben wird. Obwohl es ein erschwingliches und sehr funktionales Auto sein wird, haben wir immer noch das Gefühl, dass wir diese emotionale Verbindung mit dem Kunden herstellen können.

„Der Sinn eines SUV ist genau das, wofür die Abkürzung steht: ein sports-utility vehicle.“ Henrik Fisker

Wirtschaftsforum: Wie Sie gerade sagten: Sie haben noch nie einen SUV entworfen. Sie sind besonders berühmt für den BMW Z8 und den Aston Martin DB9. Inwiefern unterschied sich Ihr Ansatz bei dem Design eines SUV? 

Henrik Fisker: Der Sinn eines SUV ist genau das, wofür die Abkürzung steht: ein sports-utility vehicle. Der Nutzaspekt ist äußerst wichtig. Deshalb haben wir uns darauf konzentriert, das Fahrzeug sehr geräumig und zweckmäßig zu gestalten, vom Rampenwinkel bis zum Kofferraum. Wir haben ein erfreuliches neues Feature entwickelt, das auf Knopfdruck eine neue Art von Offenheit im Fahrzeug ermöglicht und ausreichend Platz für Surfbretter und andere sperrige Gegenstände bietet.

Offensichtlich unterscheidet sich die Herangehensweise bei der Gestaltung eines solchen Fahrzeugs von der eines Sportwagens, da es nicht nur darum geht, sportlich zu sein und ein niedriges Dach zu haben. Unser SUV wird sicherlich ein höheres Fahrzeug mit einem höheren Dach und viel mehr Platz und Benutzerfreundlichkeit. Trotzdem war es mein Ziel, ein sehr emotionales Auto zubauen. Ich bin überzeugt, dass ein SUV ein solches Auto sein kann. Es gibt bereits viele SUV auf dem Markt, die aus emotionalen Gründen gekauft werden – schauen Sie sich den Mercedes-G-Wagen oder den Original-Jeep Wrangler an. Sie sehen fast aus wie Retro-Fahrzeuge.

Bei Fisker haben wir versucht, uns vorzustellen, wie ein SUV aussehen könnte, wenn es kein Retro-Fahrzeug wäre, sondern eher eine moderne Interpretation des SUV der Zukunft. Mit einem solchen Ansatz werden Aerodynamik und die Integration neuer Technologien wie Radar enorm wichtig. Wir haben auch eine sehr emotionale, aufregende Skulptur in das Auto eingebaut, ähnlich der, die Sie in meinen anderen Fahrzeugen finden. Das ist eine Art Signatur meines Designs geworden.

Wirtschaftsforum: Sie haben versprochen, dass Ihr neue Unternehmung innerhalb eines Jahres nach der Veröffentlichung Ihres SUV rentabel sein wird – ein gewagter Anspruch in jeder Branche, besonders aber in der Automobilbranche. Wie planen Sie, so schnell zu skalieren, dass Sie Ihr Versprechen halten können?

Henrik Fisker: Wir fangen nicht auf der grünen Wiese an und haben bereits Pläne für den Aufbau der Fertigung festgelegt. Die Tatsache, dass wir mit einer anderen Gruppe zusammenarbeiten, bei der viele Teile, die wir in unserem Fahrzeug verwenden, bereits entwickelt und getestet wurden, ist ein wichtiger Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Dies verschafft uns einen Vorsprung gegenüber allen Mitbewerbern, insbesondere EV-Start-ups und sogar einem Unternehmen wie Tesla. Wir prüfen potenzielle Produktionsstandorte in acht Bundesstaaten und beabsichtigen, eine bestehende Anlage mit vorhandener Infrastruktur zu kaufen. Das wird uns erlauben, schnell zu skalieren.

„Egal wie groß man als Hersteller ist, man kann nicht viele Komponenten für ein Elektrofahrzeug, seien es die Wechselrichter oder die Elektromotoren, gegenwärtig in einem rentablen Maßstab produzieren.“ Henrik Fisker

Wirtschaftsforum: Aber bedeutet es auf der anderen Seite nicht auch, mit einer bestehenden Anlage, deren Erbe anzutreten, und durch die Zusammenarbeit mit einem anderen Unternehmen den Produktionsprozess nicht vollständig kontrollieren zu können?

Henrik Fisker: Mit der bestehenden Anlage meine ich nicht eine existierende Automobilfabrik, und mit der Infrastruktur meine ich nur Straßen und Elektrizität – Dinge, die wir sowieso brauchen. Wir treten kein Erbe an, indem wir ein Gebäude zukaufen, das wir mit brandneuen Maschinen nach dem neuesten Stand der Technik ausstatten werden. Ich bin auch überzeugt, dass in der gesamten Branche Lieferketten viel mehr geteilt werden, sobald der Elektrifizierungsmarkt abhebt. Egal wie groß man als Hersteller ist, man kann nicht viele Komponenten für ein Elektrofahrzeug, seien es die Wechselrichter oder die Elektromotoren, gegenwärtig in einem rentablen Maßstab produzieren. Deshalb ist es für jeden schwierig, ein erschwingliches Elektrofahrzeug herzustellen und im Moment damit Geld zu verdienen.  

Bei Fisker haben wir uns entschlossen, Partner einer anderen Gruppe zu werden, um einige dieser elektrischen Komponenten in größeren Mengen herzustellen, was sie für uns und unsere Kunden erschwinglicher macht. Es ist sinnvoll, sich auf ein bewährtes und kostengünstiges Bauteil zu verlassen und nicht alle neuen Teile von Grund auf neu herzustellen. Für den Kunden gibt es keinen Vorteil, wenn ein Start-up seine eigene, einzigartige elektrische Klimaanlage herstellt, diese aber prinzipiell höher skalierbar und viel günstiger zu produzieren wäre, wenn die Technologie mit einigen anderen Gruppen geteilt wird.

Interview: Julian Miller | Fotos: Fisker Inc.

Bewerten Sie diesen Artikel
TOP