Einfach befreiter lachen mit schönen Zähnen

Interview mit Marcel Brüggert, Geschäftsführer der Dental Direkt GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Brüggert, wo liegen die Anfänge des Unternehmens?

Marcel Brüggert: Unser Gründer Gerhard de Boer hatte früher als Vertriebsleiter mit Baumärkten zu tun. Über Gips und Gold kam er in Berührung mit Dentallaboren. Ein befreundeter Zahntechniker machte ihn darauf aufmerksam, dass Zirkonoxid als keramischer Zahnersatz stark im Kommen war.

Wirtschaftsforum: Sie haben sich also ganz auf Zirkonoxid konzentriert?

Marcel Brüggert: Wir bezogen zunächst Rohlinge von Zirkonoxid-Herstellern und stellten dann ab 2009/2010 unsere eigenen Rohlinge her. Dabei war für uns entscheidend, gute Qualität zum fairen Preis zu liefern. Das war und ist unser Schlüssel zum Erfolg.

Wirtschaftsforum: Sie sind stets am Standort geblieben?

Marcel Brüggert: Wir haben hier gerade ein 15.000 m² großes Grundstück gekauft, auf dem wir ein neues Gebäude planen. Wir brauchen Platz, um zu produzieren, denn wir haben immer noch enormes Wachstumspotenzial. Daran hat auch Corona nicht viel verändert – vom Betriebsergebnis her haben wir uns im letzten Jahr trotz aller Widrigkeiten positiv entwickelt.

Wirtschaftsforum: Worum handelt es sich bei Ihrem ‘Brot-und-Butter-Geschäft’? Was ist Zirkonoxid?

Marcel Brüggert: Die Grundlage von Zirkonoxid bildet Zirkon – eines der ältesten Minerale unserer Erde. Dies wird zu Pulver gemahlen, mit Bindern gemischt und in weiteren Prozessen zu der Hochleistungskeramik verarbeitet, die sich aufgrund ihrer exzellenten Materialeigenschaften in Bezug auf Ästhetik, Langlebigkeit und Stabilität ideal für monolithischen Zahnersatz eignet. Das heißt, der Zahnersatz ist aus einem Stück.

Wirtschaftsforum: Basiert Ihr Geschäft ausschließlich auf dem Vertrieb von Zirkonoxid-Rohlingen?

Marcel Brüggert: Neben dem Verkauf der Rohlinge bieten wir ebenfalls seit 2014 Dienstleistungen aus unserem Technologie- und Fräszentrum an. Berücksichtigt man, dass wir zusätzlich dentale Technologien, wie zum Beispiel Laborscanner und Fräsmaschinen, und darüber hinaus neuerdings auch Implantatkomponenten verkaufen und mit der Herstellung und dem Vertrieb von Kunststoffrohlingen, etwa für Knirschschienen, weitere Standbeine entwickeln, sind wir ein echter Full Package-Anbieter.

Wirtschaftsforum: Ihre Kunden sind Zahnlabore?

Marcel Brüggert: Ja, Dental- und Praxislabore, aber auch Fräszentren. Wir haben den großen Vorteil, dass wir das Material herstellen und zugleich auch in unserem modernen Technologiezentrum bearbeiten können. Wir können individuell auf die Bedürfnisse und Anforderungen unserer Kunden und Partner eingehen.

Wirtschaftsforum: Sie sind international aktiv?

Marcel Brüggert: In Deutschland vertreiben wir unsere Produkte direkt, während wir in über 70 Ländern weltweit mit Händlern arbeiten. Wir sind der größte Hersteller in Europa, weltweit haben wir zwei chinesische Anbieter vor uns. Das Interessante dabei ist, dass wir gerade in China sehr stark sind. Dort kaufen die Kunden lieber deutsche Produkte. Anscheinend wissen die Chinesen, was wirklich gut ist (lacht).

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Alleinstellungsmerkmale gegenüber anderen Herstellern?

Marcel Brüggert: Wir produzieren und bearbeiten nicht nur das Material, sondern haben auch eine gute eigene Forschung und Entwicklung, die ständig an innovativen Varianten arbeitet und die Qualität unserer Produkte auf einem Topniveau hält. Wir möchten langlebige und funktionale Produkte herstellen. Und unsere Philosophie ‘Qualität, die allen offensteht’ hat nach wie vor Bestand. Seit Kurzem haben wir uns – wie gesagt – mit Implantatkomponenten ein neues Standbein aufgebaut. Implantate werden ins Zahnfleisch eingesetzt, darauf kommt ein passender Aufbau, und diese Elemente stellen wir her. Die Unterkonstruktion passt für jedes Implantatsystem und kann entsprechend hergestellt werden. Wir sind gut in den Markt hereingekommen und er entwickelt sich bestens.

Wirtschaftsforum: Was ist noch wichtig?

Marcel Brüggert: Wir haben eine ‘gläserne’ Produktion. Wir sind nach außen offen und transparent, zeigen Produkte, Zulieferer und unsere Verarbeitung. So können die Kunden Vertrauen gewinnen. Wir möchten mit Qualität, die sich nicht verstecken muss, überzeugen. Bisher haben wir ein gutes Gespür für den Markt entwickelt und haben die richtigen Investitionen getätigt. Ob Material oder halbfertiges Produkt zur weiteren Verarbeitung im Labor – wir können alles liefern.

Wirtschaftsforum: Welche Trends sehen Sie derzeit am Markt?

Marcel Brüggert: Die Menschen legen immer größeren Wert auf schöne Zähne. Ästhetik und Aussehen sind vielen sehr wichtig. Monolithische Kronen aus Zirkonoxid erfüllen diesen Anspruch. Studien belegen, dass in Deutschland 67% aller Kronen- und Brückenrestaurationen aus Zirkonoxid monolithisch gefertigt werden; in den USA sind es sogar 77% – Tendenz steigend. Da dies bei uns noch nicht zur Leistung der Kassen gehört, ist die Nachfrage hier noch nicht so hoch wie in den USA – steigt aber.

Wirtschaftsforum: Wie sieht der Blick in die Zukunft aus?

Marcel Brüggert: Der Blick in die Zukunft sieht gut aus, daher starten wir auch im Herbst mit unserem Neubau. Im Bereich Digitalisierung sind neue Technologien wie der Intra-Oral-Scanner im Kommen. Seit 2018 haben wir davon bereits 600 Stück verkauft. Zahnärzte und Labore werden in ihrem Workflow zunehmend digitaler und schicken Datensätze direkt an die Labore. Auch der 3-D-Druck bietet neue Möglichkeiten. Kiefermodelle etwa werden vermehrt gedruckt und immer weniger aus Gips hergestellt. Jedenfalls sind wir zufrieden und entwickeln uns gut. Auch wenn wir hier auf dem platten Land unter dem Rader sind (lacht), blicken wir sehr optimistisch in die Zukunft.

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