Zellspenden retten Leben

Interview mit Carla Kreissig, Geschäftsführerin der Cellex Cell Professionals GmbH

Eine Zellspende ist für gesunde Spender nur ein kleiner Schritt, aber sie kann helfen, Lösungen bei Krebs- oder Autoimmunerkrankungen zu finden, die dauerhaft wirken. „Natürlich bietet ein Medikament auf Zellbasis keine 100%ige Heilungschance, aber es gibt inzwischen eine sehr hohe Erfolgsrate, die oftmals nur mit schwachen, beziehungsweise moderaten Nebenwirkungen einhergeht“, so die Geschäftsführerin Carla Kreissig. „Unser Unternehmen bietet daher auch kein klassisches Businessmodell, sondern wir arbeiten mit einem Leistungsspektrum im Feld der Zellspende und -bearbeitung. Wir arbeiten an Zellen, die wir den betroffenen Patienten selbst oder gesunden Spendern entnehmen. Das müssen nicht unbedingt Stammzellen sein. Unser Ausgangsmaterial sind Zellen des Immunsystems, die wir genetisch verändern, sodass sie bei verschiedenen Erkrankungen therapeutisch wirken.“

Ein echter Full Service-Anbieter

Das Unternehmen wurde vor 22 Jahren von Prof. Dr. Gerhard Ehninger gegründet, der noch heute Eigentümer ist. Am Standort in Köln arbeiten 280 Mitarbeiter an Produkten aus Zellspenden in zwei Bereichen. Während sich Cellex Medical Services (CMS) auf das Führen einer Spenderdatei und den Betrieb des Entnahmezentrums konzentriert, ist Cellex Manufacturing Transports and Logistics (CMT) die Adresse für die Produkterstellung plus Transport und Logistik – sowohl für das eigene Unternehmen, als auch für andere.

„Spenden der Zellen und Weiterverarbeitung müssen logistisch aufeinander abgestimmt sein. Das ist eine komplexe Aufgabe, denn wir transportieren beispielsweise bis in die USA oder nach Singapur. Da es sich um lebendes Material handelt, ist eine Transportexpertise nötig“, erklärt Carla Kreissig. „Wir sind ein Full Service-Anbieter und bieten neben der Entnahme auch Produktentwicklung, Logistik und Transport, und wir haben die Erfahrung über die gesamte Kette von Startmaterial und der Herstellung von Zell- und Gentherapieprodukten und können entsprechend beraten. Cellex bietet Fertig- und Halbfertigprodukte und ist zudem Dienstleister für andere Hersteller.“

Fokus auf die Tumorbekämpfung

Die entnommenen Zellen werden bearbeitet und genetisch verändert, sodass sie genau auf einen Tumor ausgerichtet sind. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen Produkten, die aus Zellen des Patienten gefertigt werden und ausschließlich für den einen Patienten sind, und denen, die aus fremden Zellspenden entstehen und an viele Kranke gegeben werden. „Wenn die Zellen von einem Spender stammen, müssen zusätzlich Veränderungen vorgenommen werden, sodass sie vom neuen Immunsystem vertragen werden“, sagt Carla Kreissing.

Neue Produkte für viele

Medizinische Produkte durchlaufen eine dreistufige Entwicklung. Im ersten Schritt findet die In-vitro-Entwicklung im Labor statt, gefolgt von der klinischen Prüfung, bei der nachzuweisen ist, dass das Produkt wirkt, und zwar ohne große Nebenwirkungen. Im letzten Schritt erfolgt bei erfolgreicher klinischer Prüfung die Zulassung. „Da dieses Verfahren sehr teuer ist, arbeiten wir mit großen Pharmaunternehmen zusammen, die Zulassungsinhaber sind und die Kosten bis dahin tragen. Wir sind nur das ausführende Element, die Produkte gehören nicht uns“, erklärt Carla Kreissig. Bisher kann Cellex auf rund 1.500 Spenden verweisen. „Wir sind die Ersten in Deutschland, die allogene switchable CAR-T-Zellen herstellen“, unterstreicht Carla Kreissing einen großen Erfolgsfaktor in der Unternehmensgeschichte.

„Bis dato gab es in Deutschland nur die zugelassenen Produkte für die eigene Anwendung, also autologe Produkte. Der Nachteil hierbei ist, dass die CAR-T-Zellen immer nur für einen individuellen Patienten aus dessen eigenen T-Lymphozyten hergestellt werden, ein extrem aufwendiger Prozess“, sagt Carla Kreissig. „Allogene Produkte haben ein besseres Ausgangsmaterial, da sie von gesunden Spendern stammen, und sich nicht vorbelastete Zellen in der Regel besser eignen.“ Zwar ist der Herstellungsprozess kostspieliger, aber es lassen sich damit bis zu 40 Dosen herstellen, sodass es pro Einheit auf einen günstigeren Preis hinausläuft. Zudem können allogene Produkte dann eben für viele Patienten anwendbar gemacht werden.

Über den großen Teich

„Unsere Produkte können bei lebensbedrohlichen Krankheiten eingesetzt werden, aber auch für Forschungszwecke. Zwar liegt der Schwerpunkt auf Deutschland, aber da immer häufiger Kunden Cellex dazu drängen, auch in den USA tätig zu werden, plant das Unternehmen, demnächst eine eigene Niederlassung in den USA zu eröffnen, die sich vollumfänglich um die Kundenbelange kümmern wird. „Wir werden die Datenbank nicht mitnehmen, sondern dort eine eigene erstellen“, so Carla Kreissig. „Es gibt bereits jetzt regelmäßige Kooperationen mit US-Partnern bei Spenden. Wir freuen uns auf die neue Herausforderung.“

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