Sicherheit, die wächst – Brandschutz mit Erfahrung,Vision & Verantwortung

Interview mit André Schulze Forsthövel, geschäftsführender Gesellschafter der Brandschutz-Center Münster Brinck GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schulze Forsthövel, wie hat sich Ihr Weg zum Unternehmer gestaltet und wie hat sich das Unternehmen seit Ihrer Übernahme entwickelt?

André Schulze Forsthövel: 2017 habe ich das Brandschutz-Center Münster übernommen – gegründet wurde es 1966 von der Familie Brinck. Ich selbst komme aus dem Maschinenbau, habe als Elektroinstallateur angefangen, anschließend den Techniker gemacht, später studiert und einen MBA absolviert. Schon mit 25 meldete ich mich im IHK-Nachfolgeclub, wo anonym Unternehmer und mögliche Nachfolger zusammengebracht wurden. Damals war es zu früh, aber Jahre später vermittelte mir derselbe Berater mein heutiges Unternehmen. Seitdem haben wir den Umsatz verdreifacht und die Mitarbeitendenzahl von 24 auf 40 gesteigert.

Wirtschaftsforum: Welche Geschäftsfelder bilden die Basis Ihres Erfolgs?

André Schulze Forsthövel: Wir sind zweigleisig unterwegs: vorbeugender und abwehrender Brandschutz. Ersterer umfasst Service und Wartung von Feuerlöschern, Rauchabzügen, Brandschutztüren und Löschwassertechnik. Abwehrend heißt Ausstattung für Feuerwehr und Katastrophenschutz – von Schutzausrüstung bis zu Löschfahrzeugen. Etwa die Hälfte unserer Mitarbeitenden ist in der Freiwilligen Feuerwehr, was den Austausch erleichtert. Ergänzend beraten wir im abwehrenden Bereich, während uns im vorbeugenden noch Ingenieurskapazitäten für komplette Konzepte fehlt – das wollen wir aufbauen.

Wirtschaftsforum: Wer zählt zu Ihren Kunden, und wie breit ist Ihr Portfolio aufgestellt?

André Schulze Forsthövel: Wir bedienen nahezu alle: von Müllverbrennungsanlagen über Altenheime und Supermärkte bis zu kleinen Betrieben. Jeder braucht Feuerlöscher und muss Vorgaben erfüllen. Im abwehrenden Bereich sind vor allem Kommunen für die Ausstattung der Feuerwehren zuständig. Politische Unsicherheiten wie US-Strafzölle oder knappe Haushalte beobachten wir genau. Dennoch bleibt Brandschutz ein krisensicheres Geschäft, in dem Investitionen nicht dauerhaft aufschiebbar sind.

Wirtschaftsforum: Aktuell investieren Sie in einen Neubau. Welche Ziele verfolgen Sie damit?

André Schulze Forsthövel: In Münster entsteht im Hansa Business Park ein neuer Firmensitz mit Büroflächen, Lager, Servicewerkstatt, Showroom und Seminarbereich. Wir verdreifachen damit unsere Kapazitäten und investieren mehrere Millionen EUR. Auch ein Hubschrauberlandeplatz ist vorgesehen, um langfristig für Katastrophenschutz-Szenarien gerüstet zu sein. Der Neubau verschafft uns Luft für neue Geschäftsfelder wie Ingenieurdienstleistungen. Dafür haben wir eine zweite Führungsebene mit zwei Prokuristen etabliert, sodass ich mich stärker auf strategische Themen konzentrieren kann.

Wirtschaftsforum: Wie prägen Sie als Unternehmer die Unternehmenskultur?

André Schulze Forsthövel: Authentizität ist entscheidend. Wir pflegen eine Duz-Kultur, feiern Sommerfeste mit den Familien und setzen auf ein offenes Miteinander.

Entscheidungen treffe ich überwiegend nach Bauchgefühl, ergänzt durch Zahlen - bislang erfolgreich. Personalgespräche führe ich, solange es möglich ist, selbst. Mir ist bewusst, dass hinter jedem Mitarbeitenden auch Familien stehen. Diese Verantwortung nehme ich ernst, denn am Monatsende verlassen sich 40 Menschen auf uns.

Wirtschaftsforum: Der Fachkräftemangel ist ein Dauerthema. Welche Erfahrungen machen Sie?

André Schulze Forsthövel: Bewerbungen sind rar, Headhunter keine Option. Wir setzen auf Empfehlungen und direkte Ansprache. Zwar schreiben wir Stellen aus, doch die Qualität der Bewerbungen ist oft unzureichend. Ich bin überzeugt, dass sich der Markt durch Insolvenzen größerer Firmen und technologische Entwicklungen wie KI verändert. Erste Prozesse wie Arbeitszeugnisse haben wir bereits testweise per KI erstellt - das spart Zeit, verdeutlicht den Wandel und eröffnet neue Perspektiven.

Wirtschaftsforum: Welche Erwartungen haben Sie an die Politik, um Unternehmen wie Ihres zu unterstützen?

André Schulze Forsthövel: Wir brauchen vor allem Bürokratieabbau. Unternehmer tragen Risiko, sichern Arbeitsplätze und zahlen Löhne, werden aber mit immer neuen Regelungen belastet. Bei den Familienunternehmertagen in Berlin wurde deutlich: Die Probleme sind bekannt, doch umgesetzt ist wenig. Weniger Vorschriften und mehr Handlungsspielraum würden uns erlauben, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?

André Schulze Forsthövel: Schon früh wollte ich Unternehmer werden, dieser Antrieb hält bis heute an. Mir geht es nicht nur ums Geld, sondern darum, Menschen und Unternehmen zu entwickeln. Mein damaliger Chef gab mir Freiraum fürs Studium – genauso möchte ich heute meinen Mitarbeitenden Chancen eröffnen. Der Neubau ist ein Meilenstein und Ausdruck dieser Motivation. Solange ich gut schlafe, weiß ich: Wir sind auf Kurs.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Interview mit Dipl.-Ing. Torsten Reuß, Geschäftsführer der TOSSTEC GmbH

Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Immer mehr Hausbesitzer wünschen sich einen Pool im eigenen Garten – aber bitte ohne Chlorgeruch, rote Augen und dauerhaft hohe Betriebskosten. Naturpools und Schwimmteiche sind hier eine attraktive Alternative. Die…

Eine globale Vision für Lebensmittelverpackungen

Interview mit Alex Noake, Managing Director der Sabert Corporation Europe SA

Eine globale Vision für Lebensmittelverpackungen

Der Food-and-Beverages-Markt steht vielfach im Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn Verpackungsmaterialien im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeitsbilanz weiter optimiert werden sollen. Der multinationale Sabert-Konzern hält hierfür spannende Lösungen bereit, die er gemeinsam…

In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Interview mit Holger Putze, Geschäftsführer über die Kälte- und Klimatechnik Holger Putze GmbH

In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Man muss sich das mal vorstellen: 1995 fangen die in einem ehemaligen Kinderzimmer an. Vier Leute, eine Garage, der pure Wille. Heute, 30 Jahre später, stehen sie da mit 20…

Spannendes aus der Region Münster

Nähe wird zum wichtigsten Rohstoff

Interview mit Stefan Jacobs, Geschäftsführer und Anja Mätzing, Prokuristin der CEDA Chemicals GmbH

Nähe wird zum wichtigsten Rohstoff

Die Chemiedistribution gehört zu den stillen, aber essenziellen Motoren der Industrie. Sie verbindet Produzenten weltweit mit verarbeitenden Unternehmen, sorgt für Versorgungssicherheit und reagiert täglich auf geopolitische, logistische und regulatorische Veränderungen.…

Ganzheitliche Ansätze für moderne Infrastruktur

Interview mit Dipl.-Ing. Frank Baumgarten, Geschäftsführer der INGPLAN Ingenieurgesellschaft mbH

Ganzheitliche Ansätze für moderne Infrastruktur

Selbst Regionen, in denen es historisch reichlich Regen gab, leiden inzwischen aufgrund der Folgen des Klimawandels unter Dürre. In dieser kritischen Zeit übernimmt die INGPLAN Ingenieurgesellschaft mbH aus Coesfeld eine…

„Möbel muss man anfassen, fühlen, ausprobieren“

Interview mit Michael Kösters, Geschäftsführer über Möbel Ewald Kösters GmbH

„Möbel muss man anfassen, fühlen, ausprobieren“

Michael Kösters ist in einem Möbelhaus groß geworden – wortwörtlich. Heute führt er die Möbel Ewald Kösters GmbH in dritter Generation. Im Gespräch erzählt er, warum er trotz starker Konkurrenz…

Das könnte Sie auch interessieren

Wo Ideen Raum finden

Interview mit Fabian Töws, Geschäftsführer der Laer Unternehmensverwaltung GmbH

Wo Ideen Raum finden

Als Folge von wachsender Urbanisierung, steigenden Immobilienpreisen und schrumpfenden Flächenreserven wird Platz zunehmend zu einer wertvollen Ressource. Flexible Lager-, Werkstatt- und Büroflächen sind gefragter denn je. Moderne Garagen- und Unternehmerparks…

„Wir erschaffen neue Markenwelten“

Interview mit Giovanni Giuliani, CEO der Henoto S.p.A.

„Wir erschaffen neue Markenwelten“

Ob Olympische Spiele, internationale Messen oder hochwertige Retail-Projekte – mit innovativer Technologie, nachhaltigem Design und globaler Präsenz hebt die Henoto S.p.A. die Gestaltung temporärer Architekturen und Markenräume auf ein neues…

Global lehren, lokal entwickeln

Interview mit Stefan Wisbauer, Geschäftsführer der Lecturio GmbH

Global lehren, lokal entwickeln

Mit dem gravierenden Fachkräftemangel einerseits und der Notwendigkeit, praktische Fähigkeiten effizient zu vermitteln andererseits steht die Ausbildung im Medizinbereich vor enormen Herausforderungen. Die Lecturio GmbH mit Sitz in Leipzig hat…

TOP