Ein gut sortiertes Unternehmen

Interview mit Vincent Sonneville, Area Sales Manager der Optimum Sorting NV

Wirtschaftsforum: Herr Sonneville, seit inzwischen acht Jahren unterstützt Optimum Sorting seine Kunden beim Sortieren – wie genau kam es dazu?

Vincent Sonneville: Unsere beiden Gründer Paul Berghmans und Steve Raskin stammen aus der Branche und waren zuvor bei sehr großen Sortiermaschinenherstellern beschäftigt gewesen, hatten sich dabei aber zunehmend den gegebenen Rahmenbedingungen entfremdet: Sie wollten kundennäher agieren, schneller Entscheidungen treffen und so auch innovationsfreudiger auftreten können. Das ging jedoch nur in einem kleineren Unternehmen mit entsprechend schlagkräftigen Strukturen und dem nötigen Know-how. Schließlich gründeten sie 2017 Optimum NV – und übernahmen dabei mit Concept Engineers zudem ein niederländisches Unternehmen, das zu diesem Zeitpunkt schon seit über 20 Jahren im Markt aktiv war.

Wirtschaftsforum: Welche Anwendungsfelder bedienen Sie heute mit Ihren Sortiermaschinen?

Vincent Sonneville: Grundsätzlich richten wir uns vornehmlich an die Lebensmittelindustrie: So werden auf unseren Anlagen verschiedenste Gemüsesorten, Nüsse, Süßigkeiten, Obst, Meeresfrüchte und insbesondere Kartoffeln sortiert – als Endprodukt, aber auch als Pommes frites oder Chips. Auch Mehlwürmer zählen inzwischen zu unserem Sortiergut – diese werden mittlerweile ja gerne als fleischlose Alternative zu Burger-Pattys verarbeitet. Darüber hinaus richten wir uns an Unternehmen aus dem Non-Food-Bereich, etwa im Kontext von feinen Bergbauerzeugnissen. 

Wirtschaftsforum: Wie funktionieren die Sortierprozesse auf Ihren Anlagen im Detail? 

Vincent Sonneville: Unsere Maschinen sind mit verschiedenen Technologien ausgestattet, die eine zielgerichtete Trennung der fehlerfreien Produkte vom Ausschuss ermöglichen – zum Beispiel mit Kameras, denen bei der Sortierung grüner Erbsen sofort ein braunes Störelement auffiele, das dann über ein Ventil ausgesondert würde. Aber Kameras allein reichen nicht – denn ein grünes Plastikteil wäre in einem Haufen Erbsen wahrscheinlich noch gefährlicher, würde aufgrund derselben Farbe aber nicht erkannt werden. Deswegen verfügen unsere Systeme auch über Laser, denen die unterschiedliche Formstruktur sofort auffallen würde.

Als einziger Sortiermaschinenhersteller der Welt sind unsere Anlagen zudem mit Metalldetektoren ausgestattet: In vielen Produktionslinien erfolgt die letzte Prüfung auf möglicherweise gefährliche Fremdkörper aus Metall ja nach wie vor erst ganz am Ende, wenn das Produkt schon verpackt wurde und damit einen ziemlich hohen Wertzuwachs erreicht hat. Mit unseren Anlagen lässt sich ein solcher Fehler jedoch schon in einem weit vorgelagerten Produktionsschritt eliminieren, was deutlich wirtschaftlicher ist. 

Wirtschaftsforum: Dabei bietet Optimum Sorting prinzipiell drei Maschinenklassen an: Ventus, Novus und Magnus. Gilt dabei: One Size Fits All?

Vincent Sonneville: Nicht ganz – denn die Anforderungen unserer Kunden unterscheiden sich durchaus in wichtigen Details, auch innerhalb der einzelnen Segmente. Deswegen führen wir an unseren Standorten in Belgien und den Niederlanden gern auch ausführliche Tests durch, um sicherzustellen, dass unsere Anlagen perfekt in den jeweiligen Produktionsfluss passen. Inzwischen haben wir circa 1.000 Maschinen im Feld, wobei wir nur etwa ein Drittel unseres Umsatzes in Europa erzielen – der Großteil unserer Produkte wird nach Nordamerika und Asien exportiert. Mit der Auslieferung ist unsere Tätigkeit aber noch lange nicht vorbei, denn wir sind rund um die Uhr erreichbar, um technische Unterstützung zu leisten, und kümmern uns natürlich auch um sämtliche turnusmäßig anfallenden Wartungsarbeiten – 90% können inzwischen remote ausgeführt werden.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Daten beim Sortierprozess?

Vincent Sonneville: Unsere Kameras, Laser und Infrarotsysteme haben natürlich immer alles im Blick und wissen deshalb beispielsweise ganz genau, wie hoch die Ausschussraten sind. Diese Zahlen spielen sie den Betreibern der Anlagen auch in Reportings aus, wo sie die Basis wichtiger Qualitätssicherungsmaßnahmen bilden – denn viele lebensmittelverarbeitende Betriebe haben mit ihren Abnehmern ja Schwellenwerte für bestimmte Qualitätskennzahlen vereinbart, die sich mit unseren Maschinen bereits sinnvoll erfassen und nachweisen lassen. Bei ihrer Kalibrierung spielt natürlich inzwischen auch die künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle – unsere Systeme lernen dabei, einwandfreies Sortiergut von Ausschussware zu unterscheiden. 

Wirtschaftsforum: Ihre Gründer sind als kleineres, aber schlagkräftiges Unternehmen im Markt angetreten – sind Ihrem Wachstum deshalb enge Grenzen gesetzt?

Vincent Sonneville: Wir sind damals mit vielleicht zwei Dutzend Mitarbeitern und 5 Millionen EUR Jahresumsatz an den Start gegangen – heute arbeiten über 100 Menschen für Optimum Sorting, und wir erzielen einen Jahresumsatz von circa 40 Millionen EUR. Wir blicken also auf ein durchaus beeindruckendes Wachstum in den letzten Jahren zurück – und was noch wichtiger ist: Wir entwickeln unsere Produkte natürlich konsequent weiter. Schon in den nächsten Monaten werden wir deshalb brandneue Innovationen vorstellen können.

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