Maßanzüge für die Analyse

Interview mit Thomas Eck und Jan Wilke, Geschäftsführer der BIT Analytical Instruments GmbH

Die Geschichte von BIT in Deutschland beginnt im Jahr 1976, als die Firma das erste medizinische Instrument herstellte. Bis 2007 widmete sich das Unternehmen ausschließlich der Auftragsfertigung von diagnostischen Tischgeräten, bevor es in die Entwicklung einstieg und weitere Dienstleistungen rund um den Produktlebenszyklus anbot.

Zeitgleich begann man mit der Internationalisierung. „In diesem Zuge wurde ein chinesisches Unternehmen aufgebaut und ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in den USA akquiriert. Der Betrieb in der amerikanischen Niederlassung wurde aber 2021 wieder eingestellt, da der Aufwand zu groß war, und der Fokus auf Europa gerichtet“, berichtet Jan Wilke, einer der beiden Geschäftsführer von BIT Analytical Instruments.

Seit 15 Jahren ist er im Unternehmen und für die Bereiche Entwicklung und Regulatorik verantwortlich. BIT gehört zur Messer Gruppe, die bis 2002 Teil der Höchst Gruppe war. Messer ist heute der weltweit größte familiengeführte Spezialist für Industrie-, Medizin- und Spezialgase.

International aktiv

BIT hat sich mit White Label-Hämatologiegeräten einerseits und Dienstleistungen andererseits zwei Standbeine aufgebaut, auf die jeweils die Hälfte des Umsatzes entfällt. „Wir haben uns unter anderem in der Nische Cell Counter in der Hämatologie einen Namen gemacht und heben uns dadurch ab, dass wir statt Laser LEDs verwenden“, erklärt Thomas Eck. Er verantwortet bereits seit 16 Jahren als COO die Bereiche OPS, HR und Supply Chain und ist seit zehn Jahren Geschäftsführer.

BIT unterhält heute neben Deutschland Niederlassungen in Frankreich und China. 240 Mitarbeiter sind im Unternehmen beschäftigt, der größte Teil in Deutschland, wo sich die Produktion befindet. „Der chinesische Standort ist Zulieferer von Teilen und Baugruppen. Wir überlegen, uns dort breiter aufzustellen im Bereich Dienstleistungen und Geräte made in China“, erzählt Thomas Eck. Beliefert werden ausschließlich OEMs. Die Anzahl der Kunden ist überschaubar. Da diese jedoch global aufgestellt sind, exportiert BIT weltweit.

Beratung als Erfolgsrezept

Nicht nur große internationale Kunden nutzen die Expertise von BIT, auch mittlere Unternehmen und Start-ups gehören zu den Kunden. Die beiden Geschäftsführer beobachten aktuell eine Marktverschiebung. Jan Wilke berichtet: „Der mittlere Bereich verschwindet, es bleiben die Großen und die Start-ups. Gerade mit Start-ups waren wir in letzter Zeit erfolgreich, indem wir ihnen maßgeschneiderte Lösungen anbieten konnten.“

Das passt in das Konzept von BIT, das besagt, dem Kunden genau das zu geben, was er braucht. „Wir machen für den Kunden einen Maßanzug, kein Produkt von der Stange. Serientauglichkeit ist dabei wichtig“, so Jan Wilke, der außerdem erklärt: „Bei Anpassungen beziehungsweise Geräteupdates müssen wir darauf achten, die Geräte nicht zu sehr zu verändern, da das eine neue Zulassung erfordern würde. Nur dann rechnet es sich. Bei Neuentwicklungen zählt dies natürlich nicht. “

Der Entwicklungszyklus eines Geräts beträgt bei den einfacheren Geräten weniger als drei Jahre, kann aber bei komplexen Entwicklungen auch acht bis zehn Jahre dauern. Thomas Eck macht deutlich: „Wir versuchen immer, einen Mehrwert für die Kunden zu schaffen. Dazu müssen wir sehr genau verstehen, was der Kunde braucht und ihn beraten, was sinnvoll ist. Der Beratungsansatz ist ein Erfolgsrezept. Darauf weise ich auch Start-ups hin, die am Anfang alles wollen: Fangt an mit dem, was wichtig ist!“

Die Geräte werden digitaler, Features, die früher analog waren, werden inzwischen mit einer Software realisiert. „Der klare Trend im Bereich der Bildanalyse ist KI. Sie ermöglicht schnellere Prozesse. Selbstlernende Software, die Muster erkennt, kann neue Möglichkeiten bieten. Im Moment wissen wir aber noch nicht genau, wie die selbstlernende KI reagiert; das braucht noch Zeit“, so Thomas Eck. Ein Anliegen in der Entwicklung sei die 100%ige Reproduzierbarkeit. „Das ist gerade wegen der Schnelllebigkeit wichtig“, fügt er hinzu.

Aktives Mindset

Die hohe Kompetenz bei BIT basiert auf der Erfahrung und dem Wissen der Mitarbeiter. „Viele Arbeiten können nicht automatisiert werden, daher wird bei uns noch vieles manuell gemacht. Ganz wichtig ist für uns daher, ein stabiles und innovatives Team zu haben“, so Jan Wilke. Durch die Bank sei es derzeit schwierig, Mitarbeiter zu akquirieren, BIT arbeitet kontinuierlich daran, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Er betont: „Wir haben eine offene Kommunikationskultur und arbeiten eine gemeinsame Ausrichtung aus. Darüber hinaus arbeiten wir mit Universitäten zusammen und bilden selbst aus. Die Rekrutierung ist sehr personenzentriert; wir haben einen Arbeitnehmermarkt.“

Bewährtes soll beibehalten werden, wobei man offen für Neues sei, erklärt Jan Wilke: „Never change a running system. Wir brauchen ein aktives Mindset, um innovativ zu sein. Nichts ist schlimmer als Stillstand. Das macht es spannend.“ Ein Schwerpunkt wird zukünftig auf der Neukundenakquise in der klassischen Medizin liegen. Thomas Eck sieht die weitere Entwicklung grundsätzlich positiv, sagt aber auch: „Unser Umfeld ist schwierig und nicht gerade innovationsfördernd. Deshalb überlegen wir, was wir mehr machen können. Denn die Konkurrenz schläft nicht.“

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

Näher am Leben

Interview mit Markus Frenzer, Geschäftsführer der Nanz medico GmbH & Co. KG

Näher am Leben

Wenn der Rücken operiert ist und die Reha ansteht, denken viele an ferne Kurorte und Kurparkspaziergänge. Doch die Zukunft der Rehabilitation sieht anders aus: wohnortnah, intensiv und mit direkter Rückkopplung…

Ein Leben für die Spagyrik

Interview mit Dr. Balmahnaden Gopalsamy Naidu, Geschäftsführer und Barbara Gopalsamy Naidu, Geschäftsführerin der PHYLAK Sachsen GmbH

Ein Leben für die Spagyrik

Von homöopathischen Essenzen bis hin zu Kosmetikartikeln widmet sich die PHYLAK Sachsen GmbH seit vielen Jahrzehnten der Herstellung alternativmedizinischer Produkte mit ausschließlichem Fokus auf die Spagyrik. Das Ehepaar Gopalsamy Naidu…

Mikronährstoffe: Basis für ein besseres Leben

Interview mit Julia Hoffmann, COO der Biogena GmbH & Co KG

Mikronährstoffe: Basis für ein besseres Leben

Die Biogena GmbH & Co KG feiert 20 Jahre Unternehmensgeschichte – und versteht sich heute als weit mehr als ein Anbieter von Mikronährstoffen: als Gesundheitsdestination aus dem Herzen Europas. Im…

Spannendes aus der Region Main-Taunus-Kreis

„Wir müssen einfacher  bauen!“

Interview mit Matthias Burda, Geschäftsführer der Burda Plus GmbH

„Wir müssen einfacher bauen!“

Seit über 30 Jahren versorgt der Architekt, Wirtschaftsingenieur und Immobiliensachverständige Matthias Burda mit seinem Unternehmen Burda Plus die Top-Player im professionellen deutschen Real Estate-Segment mit fachkundigen Gutachten und umfassenden Projektsteuerungsleistungen,…

Wenn Sicherheit im Detail steckt

Interview mit Clas Schmitz, Geschäftsführer der Pfaudler interseal GmbH

Wenn Sicherheit im Detail steckt

Wo in der Industrie hochsensible Prozesse ablaufen, entscheidet oft ein unscheinbares Bauteil über Qualität, Sicherheit und Effizienz: die Dichtung. Die Pfaudler interseal GmbH mit Sitz in Hofheim-Wallau zählt hier zu…

Technik braucht Haltung

Interview mit Axel Schulze, Geschäftsführer der HUGO PETERSEN GmbH

Technik braucht Haltung

Während viele Anlagenbauer auf großes Neugeschäft setzen, fokussiert sich die HUGO PETERSEN GmbH aus Wiesbaden seit den 1990er-Jahren bewusst auf die Optimierung bestehender Anlagen. Eine strategische Entscheidung, die das Unternehmen…

Das könnte Sie auch interessieren

Form folgt Funktion. Und Menschen.

Interview mit Francesca Russo, CCO der MED-Systeme GmbH

Form folgt Funktion. Und Menschen.

Krankenhausmöbel spielen eine zentrale Rolle im modernen Gesundheitswesen. Sie unterstützen nicht nur das medizinische und pflegerische Personal bei effizienten, sicheren Arbeitsabläufen, sondern tragen auch zum Wohlbefinden der Patienten bei. Dieser…

Zellen verstehen, Leben verbessern

Interview mit Dr. Roman Zantl, Geschäftsführer und Dr. Valentin Kahl, Geschäftsführer der ibidi GmbH

Zellen verstehen, Leben verbessern

Aus einer universitären Idee entstand ein international tätiges Hightech-Unternehmen: Die ibidi GmbH entwickelt Zell-Biochips und Systeme für die moderne Mikroskopie. Mit Fokus auf 3D-Zellkultur, dem Ziel, Tierversuche langfristig ersetzen zu…

„Wir sorgen für Versorgungssicherheit!“

Interview mit Helmut Krebber, Geschäftsführer und David Horchler, Prokurist der megro GmbH & Co. KG

„Wir sorgen für Versorgungssicherheit!“

Die richtigen Medizinprodukte zur richtigen Zeit in der richtigen Qualität an den richtigen Ort liefern: So beschreiben Helmut Krebber und David Horchler die zentrale Mission der megro GmbH & Co.…

TOP