Landwirt und Versicherer aus Leidenschaft

Interview mit Martin Engelmayr, Geschäftsführer der BBV Service Versicherungsmakler GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Engelmayr, Sie sind von Haus aus Landwirt. Wie sind Sie in die Versicherungsbranche gekommen?

Martin Engelmayr: Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen und habe dort auch meine Ausbildung gemacht. Ich wollte jedoch den elterlichen Betrieb nicht im vollen Umfang übernehmen. Stattdessen habe ich mich für ein Studium der Betriebswirtschaft entschieden und bin sozusagen in die Versicherungsbranche gerutscht. Trotzdem habe ich die Verbindung zur Landwirtschaft beibehalten. Ich habe meine Laufbahn bei der BBV Service als ‘normaler’ Mitarbeiter begonnen. Nach fünf Jahren bei der BBV Service war ich dann sieben Jahre in leitenden Positionen bei der Versicherungskammer tätig. Danach bin ich zur BBV Service zurückgekehrt und seit 2008 Geschäftsführer. Ich betreibe nach wie vor einen Bioland-zertifizierten Geflügelbetrieb im Nebenerwerb und unterstütze dabei meinen Sohn. So habe ich immer noch die Verbindung zur Landwirtschaft und kenne die Herausforderungen, Auflagen und bürokratischen Hürden, mit denen sich die modernen Landwirte konfrontiert sehen, auch aus deren Sicht.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich die Branche aus Ihrer Sicht verändert?

Martin Engelmayr: Heute ist jeder Betrieb anders aufgestellt. Früher hatte jeder Hof in etwa die gleiche Struktur: 20 ha Land, 30 Milchkühe und etwas Ackerbau. Heute sind die Betriebe einerseits viel größer und andererseits viel spezialisierter. Dazu kommt eine viel höhere Professionalisierung in der Branche. Manche haben sich mit Hofläden diversifiziert und haben Eigenprodukte und Produkthaftung. Dann gibt es Betriebe, die sich mit Biogas oder anderen regenerativen Energien in einem weiteren Geschäftszweig etabliert haben. Auch Höfe, die in der Produktion von Lebensmitteln tätig sind, sei es Fleisch, Milch, Obst oder Gemüse, bewegen sich auf ganz anderer Ebene als früher.

Wirtschaftsforum: Welche sind die wichtigsten Produkte in Ihrem Portfolio?

Martin Engelmayr: Unsere Aufgabe ist es, Risiken zu erkennen und abzudecken. Durch die Veränderungen in der Landwirtschaft ist es viel komplizierter geworden. Ein wichtiger Punkt ist die Schadensabwicklung. Hier geht es darum, schnell zu reagieren, wenn ein Schaden auftritt. So ist es zum Beispiel nicht ungewöhnlich, dass Erntemaschinen überhitzen und ausbrennen. In diesem Fall ist es nicht nur wichtig, dass die Versicherung des Landwirts diesen Schaden ausgleicht, sondern auch, dass die Finanzierung für eine Ersatzmaschine rechtzeitig bereitgestellt und das Schönwetterfenster für die Ernte nicht verpasst wird. Als zweiter sehr wichtiger Bereich gehört alles, was mit Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit zu tun hat, sowie die Vorsorge für den Ruhestand mit ins Angebot.

Wirtschaftsforum: Welche Innovationen gibt es?

Martin Engelmayr: Wir sind sehr innovativ und haben einige attraktive Neuerungen eingeführt. So bieten wir beim Gebäudeersatz eine Art Innovationsklausel, die es dem Landwirt beim Neubau erlaubt, nach seinen jetzigen wirtschaftlichen Bedürfnissen zu bauen. Wir sind ebenfalls sehr stark, was die Beratung betrifft. Man kann natürlich jedes Risiko versichern. Dabei ist jedoch abzuwägen, bei welchen Risiken eine Absicherung sinnvoll ist. Hier spielt die Tatsache, dass alle unsere Berater einen Hintergrund in der Landwirtschaft haben, eine sehr wichtige Rolle.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden?

Martin Engelmayr: Wir sind der größte landwirtschaftliche Versicherungsmakler in Bayern. Wir zählen mehr als 25.000 landwirtschaftliche Betriebe zu unseren Kunden. Dabei ist jeder Betrieb anders. Hier zählt vor allem die persönliche Beratung. Wir bieten keine Produkte von der Stange an, sondern einen auf den jeweiligen Betrieb zugeschnittenen Versicherungsschutz. Und da sich die Bedürfnisse schnell ändern können, besuchen wir unsere Kunden jedes Jahr, um zu sehen, was sich in der Zwischenzeit verändert hat und wie wir den Schutz dementsprechend anpassen können. Besonders bei Fragen der Nachfolgeregelung oder der Hofübergabe müssen wir sehr sensibel auf den Kunden eingehen. Hier geht es um viel mehr als einen rein sachlichen Wert.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Zukunftsthemen?

Martin Engelmayr: Das Fortschreiten der Digitalisierung bleibt weiterhin ein wichtiges Thema. Alles in der modernen Landwirtschaft ist inzwischen digitalisiert, um möglichst kosteneffizient und produktiv zu arbeiten. Ähnliches wird auch von uns erwartet. Unser Anspruch ist es, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, um unseren Kunden eine noch schnellere und einfachere Abwicklung ihrer Versicherungsanliegen zu garantieren. Wir wollen den Dienstleistungsgedanken auf eine ganz andere Ebene bringen. Dabei dürfen wir unsere Mitarbeiter nicht vergessen. Hier pflegen wir den Anspruch, ein fairer und zuverlässiger Arbeitgeber zu sein. Nur so können auch in Zukunft stabil wachsen.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Martin Engelmayr: Das ist ganz einfach: Wir wollen auf jedem bayerischen Hof präsent sein.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Finanzen

Klein und fein

Interview mit Bernd Hoffmann, Geschäftsführer der RSB Retail + Service Bank GmbH

Klein und fein

Die Zentralregulierung ist ein Abrechnungssystem für den Zahlungsverkehr zwischen Lieferanten und Mitgliedern von Einkaufsverbänden – im Idealfall eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Die RSB Retail + Service Bank GmbH aus…

„Es gibt fast nichts, wofür es kein Förderprogramm gibt!“

Interview mit Doris Woll, Vorstandsvorsitzende und Michael Schmidt, Prokurist Vertriebsmanagement sowie Markus Allgayer, Abteilungsleiter Vertriebsmanagement Wohnbau der Saarländischen Investitionskreditbank AG

„Es gibt fast nichts, wofür es kein Förderprogramm gibt!“

Das veränderte Zinsumfeld stellt viele Kapitalnachfrager vor lange nicht gekannte Herausforderungen – im Wohnungsbausegment wie in der Privatwirtschaft. Die Saarländische Investitionskreditbank hat sich eine konsequente Unterstützung der Marktteilnehmer im kleinsten…

Mit Know-how und KI: Software für den Kreditprozess

Interview mit Thomas Jansen, Vorstand der SUBITO AG

Mit Know-how und KI: Software für den Kreditprozess

Unternehmen steigern ihre Effizienz, indem Abläufe so weit wie möglich automatisiert werden. Mitarbeitende können dann dort eingesetzt werden, wo es den Menschen wirklich braucht. In der Finanzindustrie sind es vor…

Spannendes aus der Region München

Mit Know-how etwas Besonderes schaffen

Interview mit David Florez Meier, COO der VODASUN® Group

Mit Know-how etwas Besonderes schaffen

In nicht mal 13 Jahren von 0 auf 100: In diesem Satz lässt sich die Erfolgsgeschichte der VODASUN® Group zusammenfassen. Als Allroundanbieter im Bereich erneuerbare Energien ist VODASUN heute deutschlandweit…

„IT ist kein Selbstzweck!“

Interview mit Thomas Fraenzke, Vorstand der birkle IT AG

„IT ist kein Selbstzweck!“

Mit ihrem Bestshoring-Konzept vereint die birkle IT AG profundes Digital-Know-how aus dem Baltikum mit den bewährten agilen Prozessstrukturen eines deutschen mittelständischen IT-Dienstleisters, um für Kunden Lösungen am Puls der Zeit…

Präzision, die sich messen lässt

Interview mit Wolfgang Rausch und Michael Fröschl, Geschäftsführer der MueTec Automatisierte Mikroskopie und Messtechnik GmbH

Präzision, die sich messen lässt

Bei Halbleitern und mikroelektronischen Geräten ist höchste Präzision gefragt. Die MueTec Automatisierte Mikroskopie und Messtechnik GmbH aus München bietet optische State-of-the-art Messgeräte und Mikroskopie-Lösungen. Mit einem großen Entwicklungsteam ist das…

Das könnte Sie auch interessieren

Der Partner für eine vernetzte Zukunft

Interview mit Pierre-Pascal Urbon, CEO und CFO der KOMSA AG und Harald Josef Ollinger Vice President Marketing/Retail & Solutions der KOMSA AG

Der Partner für eine vernetzte Zukunft

In einer zunehmend vernetzten Welt ist digitale Infrastruktur das Rückgrat, das unsere Gesellschaften, Wirtschaften und Institutionen zusammenhält. Die Distribution von Telekommunikations- und IT-Produkten hat sich im Laufe der Jahre zu…

Sichtbarkeit mit großer Wirkung

Interview mit Friedrich Kleinhempel, Geschäftsführer der Kleinhempel GmbH

Sichtbarkeit mit großer Wirkung

In einer Welt, die von visuellen Reizen geprägt ist, spielt Außenwerbung eine entscheidende Rolle bei der Kommunikation von Botschaften. Sie erzählt Geschichten von Marken und Unternehmen, die oft unbewusst im…

Zweigleisig an zwei Standorten

Interview mit Andreas Radam, Geschäftsführer der RWS Railway Service GmbH

Zweigleisig an zwei Standorten

Ein umwelt- und klimafreundlicher Verkehr ist ohne Schienenfahrzeuge undenkbar. Wenn es um deren Umbau, Inbetriebnahme und Instandhaltung geht, vertrauen namhafte Hersteller wie Alstom, Stadler, Talbot oder ODIG auf die RWS…

TOP