„Elektrifizierung erfordert einen riesigen Schub“

Interview mit Roger Braun, CEO der BBC Cellpack GmbH – BBC Cellpack Electrical Products

Wirtschaftsforum: Herr Braun, welche Entwicklungsschritte waren auf dem Weg zum heutigen Unternehmen wichtig?

Roger Braun: Die heutige BBC Cellpack Electrical Products hat ihren Ursprung in der Cellpack AG, einer Firma, die Cellophan hergestellt hat. Sie hatte einen Vertriebsvertrag mit 3M für Kabelarmaturen, der 1963 gekündigt wurde. Ein Jahr später ging sie mit einem eigenen Geschäft für diese Produkte auf den Markt. 1967 wurde dafür unser Produktionsstandort in Waldshut-Tiengen aufgebaut. In den 1980er-Jahren hat man Vertriebsgesellschaften in Holland, der Schweiz, Spanien, Frankreich, Singapur und Italien gegründet. 2003 wurde Prof. Dr. Giorgio Behr, Eigentümer der Behr Bircher Cellpack BBC Group, Mehrheitsaktionär und wir damit Teil der Gruppe. Neben einem weiteren Werk in Radeberg haben wir kleinere Produktionsstandorte in Malaysia und Indien gegründet sowie Vertriebsgesellschaften in Polen und, derzeit im Aufbau, in Dubai. Wir sind also heute ein internationales KMU mit den Schwerpunkten Europa, Asien und Mittlerer Osten.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie Ihre Rolle im Unternehmen, welche Impulse können Sie ihm geben?

Roger Braun: Ich bin seit 2,5 Jahren im Unternehmen und kam damals aus der Kabelindustrie. Zuvor war ich im Gebäudemanagement tätig. Bei BBC Cellpack Electrical Products haben wir eine neue Strategie entwickelt, die die Vertriebssystematisierung, die Stärkung der Innovationskraft und die digitale Transformation beinhaltet, die unter anderem auch neue Möglichkeiten der Remote-Zusammenarbeit ermöglicht. Zurzeit geht eine richtige Welle durchs Unternehmen. Wir wollen uns besser aufstellen und damit die Basis für weiteres Wachstum schaffen.

Wirtschaftsforum: Solche Veränderungen wirken sich immer auch auf die Unternehmenskultur aus. Welche Werte sind bei BBC Cellpack wichtig?

Roger Braun: Die Werte, die wir vermitteln, sind stark vom Gründer und Eigentümer geprägt. Es handelt sich um Mut, Engagement, Teamwork und Integrität. Gerade Mut zeichnet Herrn Prof. Dr. Behr besonders aus. Es bedeutet, Entscheidungen zu treffen, auch ohne immer alle Informationen zu haben und alle Sichtweisen zu kennen. In Sachen Teamwork sind die Veränderungen in der Firma spürbar. Es geht darum, unsere verschiedenen Bereiche so miteinander zu verbinden, dass einerseits die wirtschaftliche Leistung steigt und andererseits die Weiterentwicklung der Teammitglieder gefördert wird. Wir wollen die Verantwortung so weit wie möglich nach unten delegieren und den Mitarbeitenden die entsprechenden Spielräume geben. Für mich steht außer Frage: Der Erfolg hängt von den Mitarbeitenden ab. Deshalb achten wir auch mehr darauf, die richtigen Menschen mit ihren Fähigkeiten und Kompetenzen am richtigen Ort zu haben.

Wirtschaftsforum: Welche Produkte bieten Sie an?

Roger Braun: Wir stellen Produkte zur Verbindung von Verteilnetzen her und nutzen dabei die unterschiedlichsten Technologien, um die vielfältigen Bedürfnisse aller Netzbetreiber zu erfüllen. Es handelt sich dabei um Muffen und Kabelgarnituren, die im Boden liegen und bedingungslos funktionieren und dort 20 bis 30 Jahre halten sollen. Die Produkte müssen daher zuverlässig und von hoher Qualität sein. Ein Hauptumsatzträger sind unsere Stecker für Mittelspannungstransformatoren und Schaltanlagen. Aktuell führen wir unser neues Produkt EASY-PROTECT ein. Das sind Gelboxen zum einfachen, schnellen und sicheren Feuchtigkeitsschutz von WAGO COMPACT-Verbindungsklemmen. (WAGO ist eine eingetragene Marke der WAGO Verwaltungsgesellschaft mbH). Das Echo vom Markt war bereits sehr positiv. Insgesamt bieten wir rund 9.000 Produkte an. Unsere wichtigsten Kundengruppen sind Verteilnetzbetreiber wie zum Beispiel E.ON als größtem Player und rund 600 weiteren Stadt- und Regionalwerken sowie der Elektrogroßhandel im deutschen Markt. Darüber hinaus beliefern wir OEM (Original Equipment Manufacturer), Industriekunden und Installierende direkt.

Wirtschaftsforum: Welche Produkte werden in Zukunft wichtig sein?

Roger Braun: Die einfache und sichere Montage wird ein zunehmend wichtiges Kriterium, da Fachkräfte im Markt Mangelware sind. Die Anforderungen an die Umweltverträglichkeit werden höher, und wir müssen die Rückverfolgbarkeit der Produkte verstärkt berücksichtigen. Bei uns heißt der Obertitel für zukünftige Entwicklungen ‘Grün’. Die Nachhaltigkeit geht dabei weit über das Produkt hinaus und umfasst generell die Bereiche Gesundheit, Sicherheit und Umwelt.

Wirtschaftsforum: Welche Faktoren tragen besonders zum Erfolg Ihres Unternehmens bei?

Roger Braun: Die Energiewende in Europa hilft uns natürlich, denn die Elektrifizierung schreitet durch sie immer weiter voran. Wir profitieren davon, wenn Renewables wie Windkraft- oder Solaranlagen entstehen. Im Mittleren Osten und Asien spielen das Bevölkerungswachstum und die Urbanisierung eine wichtige Rolle. Je größer die Städte werden, umso größer werden die Verteilnetze. Diese Entwicklungen steigern die Nachfrage im Markt. Wir nutzen sie mit einer guten Strategie, die wir mit einem starken Team hinterlegen.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden Jahre gesetzt, und inwieweit wurden diese durch die Corona-Krise beeinflusst?

Roger Braun: Insgesamt sind wir sehr gut durch die Corona-Krise gekommen, dank einer tollen Teamleistung. Die ganze Mannschaft war sehr engagiert und diszipliniert. Wir hatten zwar einige Corona-Fälle, konnten diese aber immer gut auffangen und hatten keine Produktionsausfälle. Dass wir in der Krise noch gewachsen sind, ist ein schöner Erfolg. Und zum Glück ist niemand aus der Belegschaft ernsthaft erkrankt. 2018 haben wir uns das Ziel gesetzt, unseren Umsatz bis 2023 zu verdoppeln, und daran halten wir auch fest. Wir wollen ein wichtiger Player werden und unter die ersten drei kommen. Das beinhaltet auch, alle Nachhaltigkeitskriterien zu erfüllen. Wenn wir das gut machen, kann es uns auch Wettbewerbsvorteile gerade gegenüber den asiatischen Konkurrenten verschaffen.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Rolle Ihres Unternehmens in der Energiewende?

Roger Braun: Die Elektrizität spielt für die Energiewende eine ganz wesentliche Rolle. Angenommen, die Hälfte aller Fahrzeuge wird elektrisch betrieben, dann wird die Infrastruktur von heute nicht mehr ausreichen, um sie zu bedienen. Das erfordert noch einen riesigen Schub. Wir sehen darin deshalb große Potenziale.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich besonders?

Roger Braun: Meine Motivation ist, Erfolg zu haben. Ich meine nicht den persönlichen, sondern den Unternehmenserfolg. Er gibt Befriedigung und führt dazu, dass die Arbeit mit anderen im Team Spaß macht. Gemeinsam stolz zu sein auf das, was wir erschaffen haben, ist eine große Motivation.

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