Von der Garage zum Weltmarktführer

Interview mit Florian Barbaric, Geschäftsführer der Barbaric GmbH

Die Geschichte der Barbaric GmbH liest sich wie ein Lehrbuch für erfolgreiches Unternehmertum. Alles begann 1995, als Florian Barbarics Vater – selbst in der Krantechnik tätig – das Unternehmen zunächst als Einzelfirma gründete. „Damals war der Startpunkt das Vakuumhandling für schwere Lasten in Produktionsumgebungen“, erinnert sich der heutige Geschäftsführer. „Die ersten Produkte waren oft für schwere Fernsehgeräte gedacht, die damals noch viel größer und schwerer waren.“ Aus der heimischen Garage entwickelte sich schrittweise ein professionelles Unternehmen. Die ersten Mitarbeiter kamen hinzu, ein Standort in Linz wurde bezogen, und die GmbH-Gründung folgte. Doch der entscheidende Wendepunkt kam zwischen 2004 und 2006, als Kundenanfragen das Unternehmen in Richtung Automatisierung drängten. „Da entstanden die ersten Anlagen, die mit Automatisierung zu tun hatten – automatische Plattenlagertechnik, automatische Beschickung von Fertigungsmaschinen“, erklärt Florian Barbaric. „Seit diesem Zeitraum wächst diese Branche bei uns stetig.“

Expansion als Erfolgsstrategie

Die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens zeigt sich anhand vieler Meilensteine. 2017 übernahm Barbaric die IST Automation, einen langjährigen Partner für Schaltschrankbau und Softwareentwicklung. Parallel entstanden internationale Niederlassungen: eine Vertriebsorganisation mit vier Mitarbeitern in Deutschland und eine US-Tochter, die den wichtigen amerikanischen Markt erschließt. Besonders stolz ist Florian Barbaric auf die jüngste Entwicklung: den zweiten Produktionsstandort in Eidenberg, 15 km von Linz entfernt. „Dort wird gerade ein neues Bürogebäude errichtet, um Technik- und Planungsabteilung weiter zu fokussieren“, erklärt er. In dem ländlichen Ort ist das Unternehmen mittlerweile der größte Arbeitgeber – eine Verantwortung, die Barbaric ernst nimmt.

Krisenfest durch breite Aufstellung

Coronapandemie, Ukrainekrieg und US-Handelskrieg – alles Herausforderungen, die das Unternehmen erfolgreich meisterte. Das vergangene Wirtschaftsjahr war sogar ein Rekordjahr mit 24,3 Millionen EUR Umsatz. Das Erfolgsrezept: breite Aufstellung. „Wir bieten von Industrieanlagen für mehrere Millionen EUR bis zum kleinen Vakuum-Hebezeug um 600 EUR alles an“, erklärt Florian Barbaric. Wenn ein Bereich schwächelt, können andere das ausgleichen. Aktuell profitiert das Unternehmen vom Boom im Holzbau. „Gerade im Fertighaus- und Massivholzbau nehmen wir einen enormen Aufschwung wahr“, berichtet er. Die jahrelangen Entwicklungsarbeiten in diesem Bereich zahlen sich nun aus. Gleichzeitig macht der US-Markt dem Unternehmen zu schaffen – politische Unsicherheiten und Zollerhöhungen bremsen das Geschäft. „Aber so schnell, wie sich Entscheidungen in den USA ändern, kann sich das auch wieder umkehren“, zeigt sich Florian Barbaric optimistisch.

Einzigartige Marktposition durch Spezialisierung

Was die Barbaric GmbH von der Konkurrenz unterscheidet, ist die konsequente Spezialisierung. „Wir sind reiner Handling-Hersteller für ein breites Spektrum an Aufgaben“, erklärt der Geschäftsführer. „Viele Marktbegleiter sind Maschinenproduzenten mit breitem Maschinenpark – bei uns schlägt das Herz für die Automatisierung und das Handling.“ Diese Fokussierung verschafft dem Unternehmen einen entscheidenden Vorteil: die Unabhängigkeit. „Wenn ein Kunde verschiedene Anlagentypen in seiner Produktion hat, braucht er jemanden, der diese vernetzt. Da können die Maschinenhersteller nicht helfen, weil die keine Fremdmaschinen anbinden.“ Barbaric dagegen arbeitet mit allen zusammen und kann herstellerübergreifend komplette Produktionslinien automatisieren.

Vom Maschinenbau zur digitalen Lösung

Der technologische Wandel macht auch vor Barbaric nicht halt. „Projekte entwickeln sich vom reinen Maschinenbau weg zu digitalen Lösungen mit starkem Softwareanteil“, beobachtet Florian Barbaric. ERP-Anbindungen und Cloud-Schnittstellen gehören heute zum Standard. Ein Beispiel: eine dreistöckige Lagerlösung für die deutsche Firma Bero, die Türen, Türzargen und Fußbodenpakete automatisch kommissioniert. „Wenn ein Kunde fünf Türen mit Zargen und Fußboden bestellt, stellt die Anlage auf Knopfdruck das komplette Paket zusammen“, erklärt er. Solche Lösungen helfen besonders kleineren Betrieben bei der Digitalisierung.

Erfolg durch Unternehmens­kultur

Den Erfolg führt Barbaric auch auf die Unternehmenskultur zurück. Eine Viertagewoche in fast allen Bereichen, kurze Wege und offenes Arbeitsklima sorgen für langfristige Mitarbeiterbindung. Die Entscheidung für den ländlichen Standort erweist sich als goldrichtig: „Viele Arbeitskräfte wollen nicht mehr in die Stadt fahren – kein Stau, kurzer Arbeitsweg ist ein enormer Vorteil.“

Blick in die Zukunft

Für die Zukunft sieht Florian Barbaric die Zeichen auf weiteres Wachstum. „Automatisierung und Ergonomisierung des Arbeitsplatzes sind Zukunftsthemen“, ist Florian Barbaric überzeugt. „Bei Digitalisierung, Fachkräftemangel und Arbeitssicherheit braucht man nicht zweimal zu überlegen.“ Gemeinsam mit seinem Bruder, der das Unternehmen mitleitet, plant er ein „gesundes, natürliches Wachstum“. Dass der Weg ins Familienunternehmen vorgezeichnet war, bestreitet Florian Barbaric nicht. „So klar, wie es nur sein kann“, lacht er. Die Möglichkeit, gestalterisch etwas zu bewegen und innovative Themen umzusetzen, treibt ihn täglich an. „Auch die Verantwortung als Arbeitgeber für die Region wahrzunehmen – das motiviert uns einfach.“

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