Bereit für Veränderung

Interview mit Tobias Bellendorf, Geschäftsführer der Autohaus Bellendorf GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Bellendorf, Sie sind seit 2021 Geschäftsführer des Autohauses Bellendorf und leiten dieses in der 2. Generation der Familie. War es immer klar, dass Sie in die Fußstapfen Ihrer Eltern treten würden?

Tobias Bellendorf: Als meine Eltern das Unternehmen 1995 auf der grünen Wiese gründeten, war ich acht Jahre alt. Seitdem gab es immer Kontaktpunkte zum Unternehmen. Meine Eltern haben mich jedoch nie in eine bestimmte Richtung gedrängt, es war meine eigene Entscheidung, diesen Weg weiterzugehen. Während meiner Ausbildung hatte ich das Glück, einen Ausbilder zu haben, der mich für die Branche begeisterte und mir die vielen Chancen aufzeigte. Diese Begeisterung für das Geschäft, das ein echtes People Business ist, hält bis heute an. Ich freue mich jeden Morgen, die Tür des Autohauses aufschließen zu dürfen.

Wirtschaftsforum: Das Autohaus Bellendorf gibt es seit fast 30 Jahren. In dieser Zeit hat sich vieles in der Branche verändert. Wie sah die Entwicklung des Unternehmens bis heute aus?

Tobias Bellendorf: Mein Vater, ein gelernter Kfz-Meister, gründete das Unternehmen 1995 gemeinsam mit meiner Mutter und anfänglich vier Mitarbeitern und baute es kontinuierlich aus. Heute haben wir ein Team von rund 70 Mitarbeitern und konzentrieren uns auf die Marken SEAT und Cupra. Wir sind glücklich, Kunden zu begeistern, das Thema Mobilität in all seinen Facetten im Unternehmen zu repräsentieren und gemeinsam individuelle Lösungen für unsere Kunden zu finden.

Wirtschaftsforum: Verlief die Entwicklung stets positiv?

Tobias Bellendorf: Grundsätzlich ja, allerdings hatten wir in den letzten drei, vier Jahren einen besonders großen Wachstumssprung. 2021 haben wir umgebaut und eine Ausstellungsfläche von 500 m² dazu genommen, um die neue Corporate Identity der Marke Cupra umzusetzen; dies war ein großer und wichtiger Schritt nach vorn. Getragen wird die dynamische Entwicklung von unseren Mitarbeitern. Wir haben das Glück, am Standort Bottrop geeignetes Personal zu finden und offene Stellen qualitativ hochwertig besetzen zu können, was nicht selbstverständlich ist.

Wirtschaftsforum: Die Stimmung am Wirtschaftsstandort Deutschland ist momentan eher getrübt. Das Autohaus Bellendorf schreibt dagegen eine anhaltende Erfolgsgeschichte. Woran liegt das?

Tobias Bellendorf: Es ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Wir haben glückliche Personalentscheidungen getroffen und Vertriebsmitarbeiter, die uns maximal unterstützen. Hinzu kommt, dass die Marke Cupra eine eigene Erfolgsstory geschrieben hat. Sie wurde vor sechs Jahren in Spanien gegründet und wird heute zunehmend am Markt wahrgenommen. Was die Entwicklung der Branche betrifft, wird meiner Meinung nach zu viel schwarzgemalt. Es stimmt, dass die Automobilindustrie im Umbruch ist; aber es ist ein Umbruch, der Chancen bietet. Deshalb geht es darum zu schauen, was am Markt möglich und was nötig ist. Wir müssen Veränderungen annehmen und bereit sein, uns zu verändern, statt abzuwarten. Wir haben die Chance, Menschen zu begeistern und wollen Problemlöser sein. Wenn wir diese Aufgabe meistern und bereit sind, uns zu verändern, bin ich für unser Unter-nehmen und die gesamte Industrie positiv gestimmt.

Wirtschaftsforum: Veränderungen gibt es auf verschiedenen Ebenen; zum Beispiel im Vertrieb oder in der Kommunikation. Welche neuen Wege geht das Autohaus Bellendorf diesbezüglich?

Tobias Bellendorf: Um mit den Kunden in engem Kontakt zu bleiben, haben wir die Kommunikation über soziale Medien in den letzten Jahren verstärkt. Allerdings nutzen wir verschiedene Kanäle, auch die klassische Zeitungsannonce. Egal, ob Print oder digital, wir versuchen immer, unsere Persönlichkeit zu trans-portieren.

Wirtschaftsforum: Haben sich mit der Branche auch die Erwartung der Kunden verändert?

Tobias Bellendorf: Das Angebot ist breiter geworden, die Möglichkeiten sind vielfältiger. Kunden können ihr Fahrzeug einfach per Klick im Internet bestellen. Vor diesem Hintergrund ist der Faktor Mensch für uns als Autohaus der Schlüssel zum Erfolg. Je größer das Angebot, umso schwieriger wird es, das richtige zu finden. Fachlich kompetente Beratung von Mensch zu Mensch gewinnt angesichts der komplexen Thematik an Bedeutung, um individuelle Lösungen zu erarbeiten, die passen. Ich mache mir deshalb keine Sorgen um die Zukunft des stationären Handels; er wird anders sein, aber es wird auch in einer digitalen Zukunft immer Menschen geben, die einen Ansprechpartner im Autohaus wertschätzen.

Interview:

Manfred Brinkmann
und Dr. Endre Hagenthurn

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Wie man ein Geschäftsmodell aus der Krise baut

Interview mit Mike Bertsch, Geschäftsführer der The Cue Group GmbH

Wie man ein Geschäftsmodell aus der Krise baut

Was passiert, wenn eine Krise zur Blaupause für ein neues Geschäftsmodell wird? Aus den Erfahrungen der Coronapandemie heraus entstand die Idee zur The Cue Group GmbH: ein Netzwerk aus Eventspezialisten,…

Wo E-Commerce und stationärer ­Einzelhandel Hand in Hand gehen

Interview mit Dr. Dominik Benner, Geschäftsführer der The Platform Group SE & Co. KGaA

Wo E-Commerce und stationärer ­Einzelhandel Hand in Hand gehen

E-Commerce und stationärer Handel werden oft als Gegensätze gesehen: ein Trugschluss, wie Dr. Dominik Benner meint. Mit seinem Unternehmen The Platform Group will er starken stationären Einzelhändlern die Welt des…

„Wenn die Schranke hinter einem zufällt, beginnt die Ruhe“

Interview mit Niels Stein, Geschäftsführer der Naherholungspark Arnumer See GmbH & Co. KG

„Wenn die Schranke hinter einem zufällt, beginnt die Ruhe“

Ein See, entstanden aus einer ehemaligen Kiesgrube. Ein Campingplatz, der über Jahrzehnte gewachsen ist. Und ein Ort, der heute für viele Menschen mehr ist als ein Ferienziel – eher ein…

Spannendes aus der Region Bottrop

Für Sicherheit im Einsatz

Interview mit Kathrin Aster, Geschäftsführerin der Standby GmbH

Für Sicherheit im Einsatz

Ohne Blaulicht, Signaltechnik und modernste Steuerungssysteme stünde so manches Einsatzfahrzeug im Stau. Die Standby GmbH mit Sitz in Dinslaken ist Teil einer international tätigen Unternehmensgruppe, die innovative Lösungen für Polizei,…

Von Emmerich in die Welt

Interview mit Jordi Queralt, Geschäftsführer der H. von Gimborn GmbH

Von Emmerich in die Welt

Vom Arzneimittelhersteller zur internationalen Katzenmarke: Seit 1855 hat sich die H. von Gimborn GmbH vom traditionsreichen Chemiebetrieb zu einem internationalen Spezialisten für Katzensnacks und Katzenstreu entwickelt. Geschäftsführer Jordi Queralt erklärt,…

Perfekt zugeschnitten

Interview mit Caner Bilir, geschäftsführender Gesellschafter der DZT GmbH

Perfekt zugeschnitten

Die richtige Dämmung im und am Haus spart Energie. Dafür und für weitere Verwendungen bietet die DZT GmbH in Wesel Dämmstoffe und Zuschnitte nach Maß. Dabei achtet das Familienunternehmen auf…

Das könnte Sie auch interessieren

Präzision für den Ernstfall

Interview mit Hendrik Hasch, CEO der iSi Automotive Holding GmbH

Präzision für den Ernstfall

Die Automobilzulieferindustrie befindet sich im Umbruch: Elektrifizierung, Kostendruck und fragile Lieferketten erhöhen die Anforderungen an Tempo, Qualität und globale Lieferfähigkeit. Gleichzeitig bleibt ein Bereich konstant essenziell – die passive Sicherheit.…

Wo E-Commerce und stationärer ­Einzelhandel Hand in Hand gehen

Interview mit Dr. Dominik Benner, Geschäftsführer der The Platform Group SE & Co. KGaA

Wo E-Commerce und stationärer ­Einzelhandel Hand in Hand gehen

E-Commerce und stationärer Handel werden oft als Gegensätze gesehen: ein Trugschluss, wie Dr. Dominik Benner meint. Mit seinem Unternehmen The Platform Group will er starken stationären Einzelhändlern die Welt des…

Fahrzeugaußenflächen in Energiequellen umwandeln

Interview mit Dr. Bonna Newman, Chief Executive Officer der Lightyear Technologies B.V.

Fahrzeugaußenflächen in Energiequellen umwandeln

Die Bedeutung nachhaltiger Mobilität ist in der heutigen Zeit nicht zu unterschätzen. Der Erfolg dieser Transformation ist entscheidend, nicht nur als Maßnahme gegen den Klimawandel, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit…

TOP