Potenzial birgt gute Aussichten für die Zukunft

Interview mit Jörg Kersten, Geschäftsführer der Amphenol Tuchel Industrial GmbH

„Wir stellen Steckverbindungen her und bieten ein breites Sortiment für unterschiedlichste Anwendungen der Strom- und Datenverarbeitung“, erklärt Jörg Kersten, Geschäftsführer der zur US-amerikanischen Amphenol Corporation gehörenden Amphenol Tuchel Industrial GmbH. Das Sortiment besteht aus über 30.000 Steckverbindern, die entweder für Signal- oder Poweranwendungen geeignet sind.

Stecker-Vielfalt

Das breite Produktspektrum von Amphenol Tuchel Industrial umfasst Audio-Steckverbinder für Veranstaltungstechnik, wasserdichte Kunststoff-Rundsteckverbinder oder metrische Metallrundstecker, wie motion|grade für Motoranwendung oder sensor|mate für Verbindungen im Sensorik- und Aktorikbereich, Rechteckverbinder sowie Steckverbinder für Elektromobilität.

„Grundsätzlich bedient Amphenol Tuchel Industrial alle Anwendungen, bei denen es auf sichere und langlebige elektrische oder signaltechnische Übertragungen ankommt. Wir liefern Standardprodukte, gehen aber auch stark auf die Wünsche unserer Kunden mit individuellen Lösungen ein. Diese Produkte finden dann ihre Anwendungsschwerpunkte vor allem im Nutzfahrzeugbereich (Land-/Forst- und Bauwirtschaft sowie Transport), in der Fabrikautomation und im klassischem Maschinenbau. Des Weiteren finden unsere Produkte Anwendung im Bereich Rail Mass Transport (RMT), digitale Fahrtenschreiber, Bezahlterminal und in der Telekomunikation.“

Erfinder der Airbag-Stecker

Als deutsches Unternehmen 1955 gegründet, gehört Amphenol Tuchel Industrial heute zur Amphenol Corporation. „Wir waren die Erfinder der Airbag-Stecker“, hebt der Geschäftsführer ein Highlight der Firmengeschichte hervor.

Die Amphenol Corporation hat ihren Sitz in Wallingford im US-Bundesstaat Connecticut. Sie beschäftigt weltweit 70.000 Mitarbeiter. Ihre 110 Firmen sind in acht Divisionen gegliedert: Industrie, Automotive, Mobile Geräte, IT & Datacom, Mobile Netzwerke und Breitband.

Neu strukturiert

„Vor anderthalb Jahren wurde die deutsche Niederlassung neu strukturiert“, erläutert Jörg Kersten. „Die Sparten Automotive und Industrial wurden voneinander getrennt. Seitdem sind es zwei Schwesterunternehmen am gleichen Standort. Wir als Amphenol Tuchel Industrial haben eine Fertigung in Tschechien und eine weitere in China. Insgesamt beschäftigen wir 550 Mitarbeiter.“

Jörg Kersten, Geschäftsführer der Amphenol Tuchel Industrial GmbH
„Wir haben ein sehr breites Sortiment und können deshalb unterschiedlichste Bedürfnisse erfüllen.“ Jörg KerstenGeschäftsführer

Weltweit gefragt

„Wir bedienen die Märkte in ganz Europa, sehen dies jedoch nicht als Exporte an“, beschreibt der Geschäftsführer. „30% unserer Produkte vertreiben wir weltweit. Hier beliefern wir jedoch keine Endkunden, sondern unsere Partnerunternehmen aus der Amphenol-Gruppe, die für uns den Vertrieb übernehmen. Dabei stehen die Märkte in Nordamerika und Asien im Mittelpunkt.“

Der Vertrieb erfolgt über zwei Schienen. Zum einen unterhält Amphenol Tuchel Industrial ein Verkaufsteam mit zwölf Beschäftigten in Deutschland sowie zehn weiteren in Europa. Diese bedienen die Kunden direkt.

„Da wir ein börsennotiertes Unternehmen sind, sind laufende Kosten stark im Fokus. Gerade im Vertrieb setzen wir daher auf eigene Vertriebsingenieure, die durch die Distribution im Vertrieb unterstützt werden. Somit können wir unsere Marktpenetration deutlich erhöhen“, skizziert Jörg Kersten.

Komplettlösungen mit Kabeln

„Es gibt nur wenige Lieferanten, die alle Themen aus einer Hand bedienen können“, beschreibt der Geschäftsführer eine der großen Stärken von Amphenol Tuchel Industrial. „Wir haben ein sehr breites Sortiment und können deshalb unterschiedlichste Bedürfnisse erfüllen.“

Deshalb ist das Unternehmen aus Heilbronn mit seinem One-Stop-Shop bestens aufgestellt. „Um noch attraktiver für unsere Kunden auftreten zu können, versuchen wir Mehrwert zu verkaufen. Deshalb entwickeln und produzieren wir für unsere Partner seit knapp zwei Jahren nicht nur die reinen Steckverbinder, sondern bieten zusätzlich die Gesamtlösung inklusive Kabelkonfektion an. Diesen Service nehmen die Kunden dankend an und wir werden hier weiter in Know-how, Technologie, et cetera investieren, um den Service zum Kunden zu erhöhen“, ergänzt Jörg Kersten.

Webshop in Arbeit

Das Thema E-Commerce ist bei Amphenol Tuchel Industrial derzeit in den Kinderschuhen. Jörg Kersten: „Wir sehen hier aber einen starken Bedarf, den Service über Internet bezüglich Bereitstellung von Informationsmaterialien, Zeichnungen, et cetera stark auszubauen. Auch das Thema Vertriebskanal Internet wird ein wichtiger zukünftiger Bestandteil unseres Geschäfts werden, da sich das Beratungs- und Kaufverhalten deutlich ändert.“

Jörg Kersten arbeitete acht Jahre lang für ein deutsches mittelständisches Unternehmen der Automatisierungsbranche als Vertriebsleiter APAC sowie als Geschäftsführer für die chinesische Niederlassung. Seit 2014 ist er wieder in Deutschland und als Geschäftsführer für die Amphenol Tuchel Industrial GmbH verantwortlich.

Ein wichtiges Thema ist das Thema Mitarbeiter. Jörg Kersten: „Die Entwicklung von Mitarbeitern ist eine der wichtigsten Aufgaben im Unternehmen und eine gesunde Mischung aus langjährigen und neuen Mitarbeitern eine der elementarsten Komponenten für die Zukunft eines Unternehmens.“

Mehr automatisieren

„Wir haben noch viel Potenzial“, ist sich der Geschäftsführer sicher. „In der Summe zählen wir zu den größeren Anbietern, bezogen auf einzelne Produktfelder (zum Beispiel Rechteck und Motorsteckverbinder) sind wir allerdings marktanteilsmäßig noch im Mittelfeld und haben hier enormes Potenzial gegenüber den Marktführern.“

Dabei sieht Jörg Kersten große Chancen bei der weiteren Diversifizierung der Produkte sowie beim Service. Deshalb sind logistische Aspekte sowie Themen wie Time-to-Market für ihn von großer Bedeutung. „Für unsere internen Abläufe bietet die Automatisierungsindustrie große Potenziale“, spricht er Möglichkeiten zur Steigerung der Effizienz an. „Wir wollen die Qualität steuern und optimieren und damit mehr automatisieren. Damit setzen wir auch neue Kapazitäten frei. Mit stärkerer Automatisierung können wir Kräfte aus einzelnen Bereichen abziehen und woanders einsetzen.“

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