Mit großem Erfolg auf dem Holzweg

Interview mit Thomas Möhring, Geschäftsführer der Julius Ulrich GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Möhring, Sie leiten gemeinsam mit ihrem Bruder Ulrich Möhring die Firma Julius Ulrich. Entspricht das Unternehmen dem Klischee des klassischen Familienunternehmens? 

Thomas Möhring: Wir sind ein traditioneller Familienbetrieb mit Wurzeln, die mehr als 100 Jahre zurückreichen. Die Familie meiner Großmutter besaß bereits ein Sägewerk; als meine Großmutter einen Holzhändler namens Ulrich heiratete, war das ein für die damalige Zeit üblicher Zusammenschluss. Bei meinen Eltern war das ähnlich. Mein Vater kam aus einem Sägewerk und Zimmereibetrieb aus Nürnberg, ist hierhergezogen und hat meine Mutter geheiratet. Deshalb trägt heute keiner von uns mehr den Namen Ulrich, sondern Möhring. Mein Bruder und ich sind seit Tag eins mit dem Unternehmen verbunden und vertreten heute die 4. Generation. 

Wirtschaftsforum: Über 100 Jahre haben das Unternehmen geformt. Gab es in der jüngeren Vergangenheit besondere Meilensteine? 

Thomas Möhring: Wir hatten viele Jahre eine normale Entwicklung. Vor elf Jahren haben wir dann einen großen Sprung gemacht, als wir in ein hochmodernes Lager und die IT investiert haben. Es waren entscheidende Investitionen mit Blick auf die Zukunft.

Wirtschaftsforum: Warum haben Sie diese Investitionen getätigt? 

Thomas Möhring: Weil wir zukunftsfähig sein und für unsere Handwerker präsent sein müssen. Sie müssen sich darauf verlassen können, Leistungen zuverlässig abrufen zu können. Das geht nur mit entsprechenden Lagerkapazitäten und einer modernen IT.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie Julius Ulrich nach diesen zukunftsorientierten Investitionen am Markt? 

Thomas Möhring: Wir sind nur im Großraum Stuttgart tätig und hier im Holzhandel unter den führenden Anbietern. Unser Vorteil ist, dass wir die rund 65 bis 70 Handwerker, die täglich zu uns kommen, direkt bedienen können. Sie holen das benötigte Material und fahren auf die Baustellen. Dass wir das als Händler vor Ort leisten können, ist ein Alleinstellungsmerkmal. 

Wirtschaftsforum: Kommen wir auf das Portfolio zu sprechen. Gibt es Schwerpunkte?

Thomas Möhring: Wir haben drei Hauptstandbeine: konstruktive Produkte wie Konstruktionsvollholz (KVH) oder Brettschichtholz (BSH) für Dachdecker und Zimmerer, Platten und Türen für Schreiner und klassische Produkte für Montagebetriebe. Seit letztem Jahr bieten wir zudem Möbelfertigteile für Schreiner und Montagebetriebe an, die wir mit einem speziellen Planungsprogramm entwerfen und fertigen. Damit richten wir uns an Schreiner, Dachdecker und Zimmerer, aber auch direkt an den Endverbraucher. 

Wirtschaftsforum: Während der Coronazeit sind viele selbst aktiv geworden, haben renoviert und gebastelt. Wie ist Julius Ulrich durch diese Zeit gekommen und wie ist das Unternehmen für aktuelle Herausforderungen aufgestellt? 

Thomas Möhring: Wir sind relativ krisenfest, unter anderem, weil wir mit unseren Handwerkskunden viel im Bereich Sanierungen und Renovierungen tätig sind. Aber natürlich spüren wir eine Verunsicherung am Markt; es wird nicht so investiert, wie wir es uns wünschen würden. Wir sind in unserer Branche vom Rundholz abhängig. In den vergangenen Jahren gab es in Mitteldeutschland sehr viele Stürme und damit viel Sturmholz. Hinzu kommt, dass es aufgrund der zunehmend heißen Sommer Probleme mit Käfern und damit viel Käferholz gibt. Dieses günstige Holz hat die Preise relativ stabil gehalten. Herausfordernd sind natürlich die gestiegenen Energiepreise und der Fachkräftemangel. Wir haben immer großen Wert auf Ausbildung gelegt, bilden zum Kaufmann, Lageristen und Lkw-Fahrer aus und versorgen uns damit personell aus unserem eigenen Lehrlingspool. 

Wirtschaftsforum: Wie geht Julius Ulrich mit dem Thema Nachhaltigkeit um? 

Thomas Möhring: Wir hatten schon immer Bio-Produkte, sind nach FSC und PEFC zertifiziert und arbeiten mit Lieferanten zusammen, die zu 75% garantieren können, dass ihr Holz aus nachwachsenden Forsten stammt. Aktuell arbeiten wir an dem neuen RAL Umweltgütezeichen. Daneben versuchen wir Abfall zu vermeiden und zu reduzieren, haben eine 120 KW-PV-Anlage und heizen komplett mit Holz. 

Wirtschaftsforum: Über 100 Jahre am Markt – wo liegt das Geheimnis dieser langen Erfolgsgeschichte?

Thomas Möhring: Wir sind unkompliziert, schnell in der Abwicklung, telefonisch immer erreichbar und haben ein großes Lagerprogramm. Das schätzen Kunden. 

Wirtschaftsforum: Wie soll es in Zukunft weitergehen? 

Thomas Möhring: Wir wollen noch mehr Kunden an uns binden und unsere laufenden Projekte weiterverfolgen. Um uns noch stärker aufzustellen, planen wir eine neue 2.000 m2 große Fläche für Büro, Ausstellung und Sozialräume. Vor allem wollen wir weiterhin gute Produkte und Services zu vernünftigen Preisen bieten. 

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