„Wir sorgen für Versorgungssicherheit!“
Interview mit Helmut Krebber, Geschäftsführer und David Horchler, Prokurist der megro GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Krebber, Herr Horchler, megro wurde ursprünglich 1972 als Einkaufsgenossenschaft gegründet. Heute beliefern Sie über 3.300 Kunden in ganz Europa – worauf liegt dabei Ihr Fokus?
Helmut Krebber: Als medizinisch-technischer Großhandel richten wir uns vornehmlich an Fachhändler, die wiederum niedergelassene Arztpraxen in so gut wie jedem Fachbereich sowie Medizinische Versorgungszentren und teilweise auch Krankenhäuser mit Medizinprodukten sowie Desinfektionsmitteln, isotonischer Kochsalzlösung und verwandten Artikeln beliefern. Neben dem deutschsprachigen Raum sind wir ferner vornehmlich in den Beneluxländern präsent, arbeiten aber auch mit Kunden aus Griechenland, der Türkei und zahlreichen weiteren Ländern zusammen.
Wirtschaftsforum: Im Gesundheitswesen bleibt derzeit fast kein Stein auf dem anderen.
Helmut Krebber: Es ist kein Geheimnis, dass die Kassen immer leerer werden. Gleichzeitig nehmen die Patientenzahlen aufgrund des demografischen Wandels spürbar zu – ein Trend, der sich in den kommenden Jahren noch verschärfen wird. Damit steigt dann auch der Bedarf an medizinischen Verbrauchsgütern. Aber nicht nur das: Denn unter den Babyboomern, die nun nach und nach ihren Ruhestand antreten, befinden sich auch zahlreiche niedergelassene Ärzte, von denen nicht alle reibungslos Nachfolger für ihre Praxen finden; viele ihrer jüngeren Kollegen arbeiten nämlich lieber im Angestelltenverhältnis. Das hat vielfache Gründe: eine angenehmere Work-Life-Balance, weniger Bürokratie und keine drohenden Regressforderungen von den gesetzlichen
Krankenkassen. Dementsprechend werden viele Praxen perspektivisch zu größeren Einheiten oder Medizinischen Versorgungszentren zusammengelegt werden.
Wirtschaftsforum: Was bedeutet dieser Wandel für megro?
David Horchler: Bei megro sehen wir uns vor diesem Hintergrund in der Pflicht, einen wichtigen Teil zur weiteren Verschlankung der Praxisabläufe beizutragen: etwa durch eine feingliedrig getaktete Mikrologistik, damit der Fachhandel die Ware passgenau in die Praxis bringen kann und das Fachpersonal dort nicht mehr viel Zeit für das Auspacken der Pakete aufwenden muss. Gleichzeitig sorgen wir als Großhändler konsequent für Versorgungssicherheit. Dazu stehen wir in einem beständigen Austausch mit unseren 300 Lieferanten und nehmen stets ausreichend Ware auf Lager, um auch dann lieferfähig zu bleiben, wenn einmal ein Schiff im Suezkanal quersteht. Im Zweifel beraten wir dann auch gerne zu möglichen Alternativprodukten. Natürlich haben wir auch immer unser Ohr eng am Markt, um schnell reagieren zu können, wenn sich Verschiebungen im Nachfrageverhalten abzeichnen, gerade bei technischen Kleingeräten. Dort haben wir grundsätzlich den Anspruch, als Vorreiter auch neueste Innovationen anzubieten.
Wirtschaftsforum: Welche Innovationen setzt megro derzeit um?
David Horchler: Die KI und eine weitere Verschlankung unserer Prozesse ist für unser Unternehmen ein wichtiges Thema – gleichzeitig bleiben wir nah am Kunden und werden auch in Zukunft großen Wert auf persönlichen Service legen. Bei Vorgängen wie der Dokumentenarchivierung und der Auftragserfassung zeichnen sich für uns derzeit besonders klare Nutzengewinne durch die Digitalisierung ab.
Wirtschaftsforum: Steckt dahinter auch ein Ausfluss des allseits grassierenden Fachkräftemangels?
Helmut Krebber: megro legt schon immer großen Wert auf Aus- und Weiterbildung bis hin zum dualen Studium, das wir unseren Mitarbeitern anbieten. Wir halten es da ganz mit Helmut Schmidt: Wenn die Industrie über den Fachkräftemangel klagt, soll sie die Fachkräfte eben ausbilden! Und genau das tun wir. Wichtig ist uns dabei die Überzeugung, dass die zentrale Erfolgsgrundlage unseres Unternehmens die Menschen sind, die bei uns arbeiten. Als Geschäftsführung können wir uns eine noch so schöne Strategie zurechtlegen – wenn das Team nicht konsequent dafür sorgt, dass unsere Ware zu den Kunden gelangt, ist alles nichts. Unser Erfolg gibt uns dabei recht: Denn während andere Unternehmen aus vielfältigen Gründen tief in der Krise stecken, konnten wir auch in den letzten Jahren weiter wachsen.
Wirtschaftsforum: Wo liegen derzeit Ihre größten Herausforderungen?
David Horchler: Die Bürokratie hat sich inzwischen leider zu einem enormen Hemmschuh entwickelt – nicht nur für unser Unternehmen und unsere Branche, sondern wahrscheinlich auch für das gesamte Wirtschaftsleben in Deutschland. Natürlich ist es selbstverständlich, dass wir uns an Normen halten müssen – gerade in stark regulierten und sensiblen Segmenten wie Medizinprodukten, die wir zur richtigen Zeit in der richtigen Qualität am richtigen Ort zur Verfügung stellen wollen. Doch inzwischen müssen wir nicht nur lückenlos die Sicherheit unserer Produkte nachweisen, sondern etwa auch Angaben zu Entwaldungsraten in der vorgelagerten Wertschöpfungskette machen. Im Arbeitsschutzbereich und an vielen weiteren Stellen bestehen ebenfalls umfangreiche Dokumentationspflichten, für die wir einzelne Mitarbeiter abstellen müssen, die dann nicht wertschöpfend tätig werden können. Damit ist am Ende leider niemandem geholfen.














