Das Parkhaus wird zum Mobilitäts-Hub

Interview mit Jürgen Baer und Lutz Bruhn, Geschäftsführer der Electric ELB Gebäudetechnik GmbH sowie der SMH Video- und Parksysteme GmbH

Wirtschaftsforum: Die Electric ELB Gebäudetechnik GmbH sowie ihre Tochtergesellschaft, die SMH Video- und Parksysteme GmbH, sind in Deutschland und darüber hinaus für ihre ausgewiesene Expertise bei der Errichtung und Betreuung von Parkhäusern bekannt – wie hat sich diese Spezialisierung ergeben?

Jürgen Baer: Im Grunde ist unser Unternehmen 1996 ursprünglich aus einer alten Produktionsgenossenschaft des Handwerks hervorgegangen – zu einer Zeit, als der große Bauboom in den neuen Bundesländern schon fast wieder zum Versiegen gekommen war. Neben dem Wohnungsbau haben wir viele Jahre lang vornehmlich die Elektroinstallationsarbeiten für große Industriebauten, Speditionshallen, Bürobauten und Schulen übernommen – da waren wir bereits deutschlandweit tätig. Als wir in Reichenbach am Umbau einer alten Werkshalle in ein Wohngebäude mitwirkten, stellte sich dort zufällig ein Kontakt zu einem Auftraggeber aus Karlsruhe her, der ein Parkhaus bauen wollte – und wir waren sofort auf einer Wellenlänge.

Wirtschaftsforum: DDer Beginn einer langen Erfolgsgeschichte?

Jürgen Baer: Kurz darauf wurden wir schon vom zweiten und dritten Generalunternehmer mit der Errichtung von weiteren Parkhäusern beauftragt. Heute engagieren wir uns nur noch in sehr wenigen anderen Segmenten – für eine Schweizer Maschinenfabrik installieren wir etwa regelmäßig Sortiermaschinen für Zeitungen und machen außerdem noch die Elektroinstallation von Kälteanlagen für einen ortsansässigen Kältetechniker. Der klare Fokus liegt jedoch dank unserer inzwischen jahrzehntelangen Erfahrung auf den schon circa 320 Parkhäusern. Neben Deutschland haben wir uns damit auch viele Jahre in den Niederlanden und im UK engagiert und dort etwa die Elektroanlagen der Parkhäuser am Wembley-Stadion oder am Flughafen Stansted in London errichtet.

Dabei stehen wir unseren Auftraggebern grundsätzlich entlang der gesamten Wertschöpfungskette zur Verfügung: Wir bringen uns bereits in die ersten Planungsarbeiten ein und fahren im Zuge der Ausschreibungsverfahren auch gerne zusammen mit den Generalunternehmern zu den Vergabegesprächen. Wir erstellen meistens die gesamte Elektroplanung und kümmern uns im Anschluss gemeinsam mit unseren langjährigen Subunternehmern um die Ausführung der Arbeiten und anschließend um sämtliche Wartungs- und Serviceaufgaben.

Wirtschaftsforum: Während sich ELB um die eigentliche Errichtung kümmert, ist SMH derweil für die Bereiche Videoüberwachung, Notruf, WLAN und Parkleitsysteme verantwortlich – Themenfelder mit vielfältigem Innovationspotenzial!

Lutz Bruhn: SMH betritt gewissermaßen die Bühne, wenn das Parkhaus einmal entstanden ist, wobei wir uns neben unseren Service- und Beratungsleistungen in gewissem Umfang auch an Neuinstallationen beteiligen. Neben Lösungen zur Videoüberwachung stellen wir dabei auch die Sprechstellen und Anbindungen an den Leitstand bereit und kümmern uns zudem um das Einpflegen der Daten ins jeweilige Managementsystem. Ein wichtiges Zukunftsthema ist in diesem Kontext natürlich die künstliche Intelligenz: Diese kann den Parkhausbesuchern bei vergleichsweise trivialen Problemen, etwa einer Frage nach dem Weg, oftmals schon eine abschließende Lösung bieten, sodass dafür keine personellen Ressourcen mehr gebunden werden und sich die vorhandenen Mitarbeiter um die wirklich komplexen Fragestellungen kümmern können. Auch in die Cloud eingebettete digitale Kennzeichenerfassungssysteme werden inzwischen vielfach nachgefragt, während die gute alte Schranke immer stärker von modernen Free-Flow-Systemen ersetzt wird.

Wirtschaftsforum: Hinzu kommen die vielfältigen Herausforderungen der E-Mobilität – wo können ELB und SMH hierbei unterstützen?

Lutz Bruhn: In Wiesbaden haben wir kürzlich das größte Mobilitäts-Hub errichtet, das im öffentlichen Raum in Deutschland derzeit besteht – mit über 400 Ladepunkten, acht Schnellladern sowie den dafür erforderlichen Stromschienen, einer Trafostation, Stellplatzanzeige, Videoüberwachung und Notrufsprechstelle, kurzum: ein hochmodernes Parkhaus mit jeder Menge Datentechnik, das aus meiner Sicht klar zukunftsweisend ist. Denn das eigene Auto wird in Deutschland auch im Zuge der Verkehrswende die Mobilitätslösung der Wahl bleiben. Dafür wird jedoch eine entsprechende Infrastruktur benötigt, die gerade unter den beengten Umständen eines städtischen Umfelds nicht so leicht umzusetzen ist. Parkhäuser können als Mobilitäts-Hubs einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieses Problems leisten.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Digitalisierung

Unsichtbar, aber unverzichtbar: Infrastruktur für eine vernetzte Zukunft

Interview mit Oliver Weicker, Chief Commercial Officer Telecom Solutions CEE der Prysmian Kabel und Systeme GmbH

Unsichtbar, aber unverzichtbar: Infrastruktur für eine vernetzte Zukunft

Ob Energiewende, Digitalisierung oder der explosionsartig wachsende Datenbedarf moderner Gesellschaften – ohne leistungsfähige Infrastruktur im Hintergrund geht heute nichts mehr. Stromnetze, Glasfasertrassen und Datenautobahnen bilden das Rückgrat wirtschaftlicher Entwicklung, bleiben…

Intelligente Sensoren: Der Schlüssel zur Effizienz in der Industrie

Interview mit Dirk Möller, Vice President der Produktgruppe Sensoren der Hottinger Brüel & Kjær A/S

Intelligente Sensoren: Der Schlüssel zur Effizienz in der Industrie

Hottinger Brüel & Kjær A/S ist nicht nur ein führendes Unternehmen im Bereich der Messtechnik, sondern auch ein innovativer Partner, der seinen Kunden hilft, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern.…

Aus Erfahrung digital – PentaSoft begleitet den Wandel

Interview mit Hartwig Stöckl, Manager Unternehmensentwicklung und Hubert Bichler, Vorstand der PentaSoft Unternehmensberatung AG

Aus Erfahrung digital – PentaSoft begleitet den Wandel

Der digitale Wandel ist für viele Firmen eine Herausforderung. Die PentaSoft Unternehmensberatung AG mit Sitz in Unterföhring begleitet Unternehmen seit fast drei Jahrzehnten auf diesem Weg. Mit einem starken Team…

Spannendes aus der Region Vogtlandkreis

Sanieren mit Substanz im Denkmalschutz

Interview mit Karsten Keilberg, Geschäftsführer der Keilberg Gebäudesanierungs GmbH & Co. KG

Sanieren mit Substanz im Denkmalschutz

Die Baumeister der Vergangenheit sind auf das Sanierungs-Know-how von heute angewiesen, damit ihre Werke dem Zahn der Zeit trotzen können. Genau in diesem speziellen Segment engagiert sich die…

„Wir machen’s drahtlos!“

Interview mit Jan-Erik Kunze, Gründer und Geschäftsführer der IK Elektronik GmbH

„Wir machen’s drahtlos!“

Unter dem Motto „Make it wireless“ entwickelt und fertigt die IK Elektronik GmbH aus dem Vogtland seit fast 30 Jahren maßgeschneiderte Funkelektronikkomponenten für verschiedenste Anwendungsfelder – vom Smart Home bis…

Qualität, Tradition und Fortschritt in der Textilindustrie

Interview mit Paul Schuschan, Geschäftsführer der Zwickauer Kammgarn GmbH

Qualität, Tradition und Fortschritt in der Textilindustrie

Die Zwickauer Kammgarn GmbH ist die letzte in Deutschland produzierende Kammgarnspinnerei und bekannt für ihre spezialisierten Garnlösungen, die weltweit im oberen Marktsegment gefragt sind. Paul Schuschan, Geschäftsführer seit 2024, spricht…

Das könnte Sie auch interessieren

Arbeitssicherheit strategisch gedacht

Interview mit Marc Riegel, Geschäftsführer und Jennifer Stöckel, Chief of Staff der SAFETEE GmbH

Arbeitssicherheit strategisch gedacht

Globale Krisen, geopolitische Spannungen und wachsende Anforderungen an Großprojekte verändern die Rahmenbedingungen der Arbeitssicherheit spürbar. Wie Unternehmen auch unter unsicheren Vorzeichen handlungsfähig bleiben und Sicherheit strategisch verankern, zeigt die SAFETEE…

Mehr Effizienz durch offene Agrarsysteme

Interview mit Robert Fraune, Geschäftsleiter der PTx Trimble GmbH und Associate VP der PTx OEM Solutions

Mehr Effizienz durch offene Agrarsysteme

Während viele Agrartechnologien Landwirte fest an einzelne Hersteller binden, setzt die PTx Trimble GmbH mit Sitz in Salzkotten bewusst auf Offenheit. Das Unternehmen entwickelt digitale Lösungen für den gesamten landwirtschaftlichen…

Wo Gewicht nicht stillsteht, entscheidet Präzision

Interview mit Filipe Lourenço, CEO und Michael Kuster, Marketing Director der DIGI SENS Switzerland AG

Wo Gewicht nicht stillsteht, entscheidet Präzision

Präzise Messdaten sind entscheidend für effiziente Prozesse – besonders dort, wo Gewicht während laufender Abläufe erfasst werden muss. Die DIGI SENS Switzerland AG hat sich auf diese Anforderungen spezialisiert. CEO…

TOP