Nachhaltige Innovation in der Verpackungstechnik

Interview mit Alexander Bannach, Chief Sales Officer der B&B Verpackungstechnik GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Bannach, können Sie uns einen Überblick über die Entwicklung der B&B Verpackungstechnik GmbH geben?

Alexander Bannach: B&B war ursprünglich ein Ingenieurdienstleister, der in den 1970er-Jahren durch seine Nähe zu großen Verpackungsmittelherstellern in diese Branche hineingewachsen ist. Wir begannen damals, Umbauten für solche Maschinen zu kon-struieren. In den 1980er-Jahren fingen wir dann an, selbst Maschinen zu bauen und entwickelten uns zu einem Hersteller von Beutelmaschinen. Diese Maschinen produzieren vorgefertigte Beutel für verschiedene Anwendungen wie Tierfutter oder Standbodenbeutel für beispielsweise Seifen-Nachfüllpacks. Vor etwa 20 Jahren haben wir zudem mit der MAF ein Unternehmen übernommen, das auf Endverpackungsmaschinen spezialisiert war. Heute bieten wir ein breites Spektrum an, wie das Verpacken von Toilettenpapier in Beuteln oder das Verpacken von Faltschachteln in Folie.

Wirtschaftsforum: Wie verbinden Sie Kundenorientierung mit der Standardisierung Ihrer Maschinen?

Alexander Bannach: Wir verstehen uns als Technologieführer, insbesondere bei Beutelmaschinen, und verfügen über eine große Engineering-Abteilung. Unsere Maschinen haben einen hohen Standardisierungsgrad, aber dank unseres Baukastensystems können wir die Anlagen individuell an die Bedürfnisse unserer Kunden anpassen. Bei der Entwicklung unserer Maschinen legen wir den Fokus darauf, recyclingfähige Materialien effizient zu verarbeiten. Dies hebt uns vom Wettbewerb ab.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich die Coronapandemie auf Ihr Unternehmen ausgewirkt und welche Maßnahmen haben Sie ergriffen?

Alexander Bannach: Während langfristige Projekte am Leben blieben, sank das kurzfristige Geschäft und der Umsatz fiel um etwa 20%. Seit 2021 hat sich die Lage jedoch relativiert. Wir setzen jetzt stärker auf Digitalisierung und mussten flexibel auf die Verknappung von Elektroteilen reagieren, indem wir alternative Komponenten nutzten. Die Pandemie hat uns auch im Bereich Kommunikation und Projektmanagement digitaler gemacht.

Wirtschaftsforum: Wie stellen Sie sich aktuellen Marktunsicherheiten?

Alexander Bannach: Aktuell spüren wir weiterhin eine gewisse Zurückhaltung bei Investitionen. Allerdings sind wir stark im Food- und Petfood-Sektor verankert – Branchen, die immer laufen. Zudem setzen wir auf Internationalität, was uns Resilienz verschafft. In Europa und Nordamerika sehen wir zum Beispiel einen verstärkten Bedarf an Automatisierung aufgrund des Personalmangels. Unsere voll automatisierten Lösungen reduzieren das händische Eingreifen und erhöhen die Bedienerfreundlichkeit.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema in der Verpackungsindustrie. Wie positioniert sich B&B Verpackungstechnik in diesem Bereich?

Alexander Bannach: Wir sind ein grünes Unternehmen und an eine örtliche Biogasanlage angeschlossen. Zudem arbeiten wir mit großen Marktplayern an der Entwicklung neuer, recyclingfähiger Materialien. Unser ‘Straffpacker’ ermöglicht es unseren Kunden, Folie direkt und energieeffizient um Produkte zu banderolieren, wodurch sie bis zu 75% Folie und über 50% Energie sparen. Dabei unterstützen wir auch die Ziele für die Verpackungsrichtlinie 2030.

Wirtschaftsforum: Welche Märkte stehen im Fokus Ihrer internationalen Expansion?

Alexander Bannach: Die USA sind ein großer und wachsender Markt für uns. Unsere Präsenz in Europa ist ebenfalls stark. In den kommenden Jahren wollen wir vor allem in Südamerika und Asien, speziell in Indien, weiter wachsen.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie mit dem zunehmenden Wettbewerbsdruck um, insbesondere aus Asien?

Alexander Bannach: Wir verstehen uns als Premium-Problemlöser. Unsere Stärke liegt in unserer Agilität und der engen Zusammenarbeit mit Global Playern wie Mondi, Amcor, Nestlé und Mars sowie in den guten Partnerschaften mit unseren langjährigen Kunden. Wir sind stolz auf unsere Innovationskraft und den Technologiestandard, den wir unseren Kunden bieten. Made in Germany wird nach wie vor weltweit geschätzt und wir leben diesen Qualitätsanspruch täglich.

Wirtschaftsforum: Was sind die nächsten Schritte für die B&B Verpackungstechnik GmbH?

Alexander Bannach: Für 2024/25 wollen wir unser Serviceangebot ausbauen und unser Wachstum weiter vorantreiben. Besonders im Bereich der Automatisierungslösungen bei Beutelmaschinen sehen wir großes Potenzial, da viele unserer Kunden mit Personalmangel zu kämpfen haben. Unser Geschäftsführer Jörn-Peter Bäumer betont: „Wir stellen das Unternehmen jetzt für die Zukunft auf.“

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