Meister werden heißt Arbeitsplätze schaffen

Interview mit Frank Bartsch, Geschäftsführer der WABCOWÜRTH Workshop Services GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Bartsch, wie kam es zur Gründung von WABCOWÜRTH?

Frank Bartsch: WABCOWÜRTH wurde 2010 als Joint Venture aus WABCO und Würth gegründet, die zu je 50% beteiligt sind. Ich war Divisionsleiter Cargo in der Würth-Gruppe und habe das neue Unternehmen als Geschäftsführer mit aufbauen dürfen. Der Ansatz war, auch den Cargomarkt im Bereich des Diagnosegeschäfts zu erschließen. Beide Unternehmen teilten die gleichen Ideen, waren aber ansonsten völlig unterschiedlich – WABCO als an der New Yorker Börse notiertes Unternehmen, Würth als Familienunternehmen. Beiden gerecht zu werden, war die Herausforderung. Inzwischen ist es eine wunderbare Zusammenarbeit.

Wirtschaftsforum: Wie ging es bei dieser Ausgangslage weiter?

Frank Bartsch: Wir sind in einen Markt eingestiegen, der schon besetzt war. Auf der IAA 2010 haben wir uns zum ersten Mal, völlig jungfräulich, der Öffentlichkeit präsentiert und einiges Aufsehen erregt. Da wir unsere Mehrmarken-Diagnose mit der original WABCO Systemdiagnose kombinieren konnten, waren wir von Anfang an ein Anziehungspunkt! Später ist uns dann sogar noch das Kunststück gelungen, Haldex mit seinen originalen Diagnosesystemen zu integrieren. Dadurch bieten wir im Bereich Diagnose für Trailer das Beste, was weltweit zu finden ist. Ein weiterer Meilenstein war die völlig neuartige Diagnosebox, welche neben Bluetooth und USB auch WLAN beherrscht. Zahlreiche andere Eigenentwicklungen folgten, wie etwa der W.EASY Trailer Power, der eine Zugmaschine imitieren kann, sodass die Trailer auch ohne Zugfahrzeug verlässlich repariert werden können. Unser neues ADAS Kalibriersystem zählt zu den Marktführern. Wir sind heute sehr breit aufgestellt. Vor vier Jahren haben wir in der Unternehmensgruppe ein italienisches Unternehmen gekauft, das Klimaservicegeräte produziert. Mittlerweile sind wir in weit über 30 Ländern vertreten. Diese tolle Entwicklung wäre ohne unsere fleißigen Mitarbeiter nicht möglich gewesen. Das Unternehmen WABCOWÜRTH hat unglaubliches Potenzial.

Wirtschaftsforum: Was ist für Sie das Wichtigste in Ihrem Job?

Frank Bartsch: Mir liegen die Mitarbeiter sehr am Herzen. Viele, die von Anfang an dabei sind, sind heute in Führungspositionen. Sie zu finden, auszubilden und zu Persönlichkeiten heranreifen zu lassen, das motiviert mich. Es geht auch um Werte, welche ich natürlich aus dem Würth-Konzern mitgebracht habe. Für den Beginn war dies eine sehr gute Orientierungshilfe. Aber mitzuerleben und dazu beizutragen, dass ein Unternehmen über die Zeit eigene Werte entwickelt, ist eine tolle Erfahrung. Es geht auch um Prozesse. Ich bin anfangs einmal zu Aldi gelaufen, weil plötzlich das Kopierpapier alle war. Und bei allem Erfolg sollte man nie vergessen, woher man kommt, und auch nicht die vielen Kunden, die uns als junges Unternehmen vertraut haben. Dann schafft man Werte, auf denen man ein Unternehmen aufbauen kann.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?

Frank Bartsch: Das Wort ‘Danke ’ wird bei uns großgeschrieben. Die Führungskräfte haben sich bei ihren Mitarbeitern zu bedanken. Das bringe ich aus der Würth-Kultur mit, wo Reinhold Würth es uns vorlebt. Ich habe mich dort, in der familiären Atmosphäre, als Mitarbeiter sehr wohlgefühlt. Deshalb leben wir auch bei WABCOWÜRTH die Gemeinschaft. Wir haben aber auch eine Kultur entwickelt, bei der Themen hart diskutiert werden, um für Kunden und Unternehmen die besten Lösungen zu finden. Hinterher geht man aber wieder in Freundschaft auseinander.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre persönlichen Ziele, und was möchten Sie für das Unternehmen erreichen?

Frank Bartsch: Wir wollen in 2021, trotz der neuen Lebensumstände, wachsen und neue Arbeitsplätze schaffen. Es gibt bereits revolutionäre Ideen, die wir umsetzen wollen. Wir haben bis 2025 eine Vision, welche wir umsetzen wollen, sofern sich der Markt nicht drastisch verändert. Für mich persönlich gibt es nichts Schöneres, als gemeinsam mit meinem Kollegium für WABCOWÜRTH neue Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Einer meiner besten Freunde seit meiner Kindheit, Jürgen Klopp, sagt, Meistertitel zu gewinnen ist sein Antrieb. Das ist bei mir auch so, nur dass es darum geht, Arbeitsplätze zu schaffen, neue Länder und Geschäftsfelder zu erschließen und Wachstum zu generieren. Erfolg hat man nicht alleine, sondern nur im Kollektiv, wie im Fußball.

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