Nachhaltige Kunststoffe für die Technologie von morgen

Interview mit Dr. Thorge Brünig, Geschäftsführer Technoform Kunststoffprofile GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Brünig, die Technoform hat eine lange Geschichte. Können Sie uns etwas über ihre Anfänge erzählen?

Dr. Thorge Brünig: Technoform wurde 1969 von den Familien Brunnhofer und Caprano gegründet. Seitdem prägt die Philosophie der Gründerfamilien – insbesondere Kundennähe, Flexibilität und Innovation – unser Handeln. Bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren führten erfolgreiche Ausgründungen zur Entstehung unserer heutigen Divisionen, darunter Technoform Insulating Solutions und Edge Bond Solutions. Wir haben von Anfang an darauf geachtet, kleine, dezentrale und flexible Markteinheiten zu schaffen, die sich auf ihre jeweiligen Märkte spezialisieren und schnell auf Veränderungen reagieren können. Das kontinuierliche Wachstum und die Internationalisierung sind ein zentraler Bestandteil unserer Entwicklung.

Wirtschaftsforum: Welche aktuellen Herausforderungen sehen Sie in der Branche?

Dr. Thorge Brünig: Die letzten Jahre waren ohne Zweifel sehr herausfordernd. Die Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben viele Branchen vor enorme Herausforderungen gestellt. Für unsere Kunden wurde Liefersicherheit ein zentrales Thema. Hier konnten wir uns auszeichnen, weil wir auf langfristige Beziehungen zu unseren Lieferanten setzen – einige Partnerschaften bestehen seit über 30 Jahren. Während viele Unternehmen Schwierigkeiten hatten, ihre Lieferketten aufrechtzuerhalten, konnten wir durch unsere stabilen Beziehungen und unsere Flexibilität punkten. Ein weiterer wichtiger Trend ist die zunehmende Nachfrage nach fertigen Lösungen. Kunden bestellen heute verstärkt Fertigware anstatt wie früher nur Halbzeuge. Dadurch bieten sich uns neue Möglichkeiten, mehr Wertschöpfung innerhalb der Produktionskette zu übernehmen und unseren Kunden umfassende Lösungen anzubieten.

Wirtschaftsforum: Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Wie begegnet Technoform dieser Herausforderung?

Dr. Thorge Brünig: Nachhaltigkeit ist seit Langem Teil unserer Unternehmensstrategie. Sie bietet nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen. Unsere Kunden verlangen zunehmend nach umweltfreundlichen Lösungen, insbesondere hinsichtlich des CO2-Fußabdrucks und der GWP-Werte (Global Warming Potential). Wir setzen schon seit Jahren Recyclingmaterialien ein und bieten unseren Kunden Produkt-Redesigns an, wie etwa die Reduzierung von Wandstärken, um Material und Ressourcen zu sparen. Ein konkretes Beispiel ist ein Kreislauf, den wir mit einem unserer Kunden etabliert haben: Wir nehmen Verschnittmaterial zurück, recyceln es und fügen es wieder in den Produktionsprozess ein. Nachhaltigkeit ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, den wir kontinuierlich ausbauen wollen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Digitalisierung im Unternehmen und welche neuen Technologien sind für Sie besonders wichtig?

Dr. Thorge Brünig: Die Digitalisierung spielt für uns eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung unserer Produktionsprozesse. Sie hilft uns nicht nur, die Effizienz zu steigern, sondern auch nachhaltiger zu arbeiten, indem wir Ressourcen schonen und Abfall reduzieren. Smarte Produktionssysteme ermöglichen es uns, Prozesse besser zu überwachen und schneller auf Veränderungen zu reagieren. Ein weiteres wichtiges Thema ist, die Fertigung zukunftsorientierter aufzustellen und Automatisierungspotenziale auszuschöpfen. Ziel ist es, attraktive Arbeitsbedingungen für die nächste Generation zu schaffen, beispielsweise durch die Reduzierung des Schichtsystems.

Wirtschaftsforum: Welche sozialen Werte sind Ihnen im Unternehmensalltag besonders wichtig?

Dr. Thorge Brünig: Die Philosophie der Gründerfamilien wirkt auch heute noch stark nach. Ein wichtiger Teil unserer Unternehmenskultur ist es, eine Balance zwischen den Interessen unserer Kunden, des Unternehmens und der Mitarbeiter zu schaffen. Wir setzen auf flache Hierarchien und legen großen Wert auf ein angenehmes Arbeitsklima. Wir bieten regelmäßig Workshops an, in denen unsere Mitarbeiter zu Themen wie Nachhaltigkeit, Kommunikation und Qualität geschult werden. Diese Werte leben wir jeden Tag, was auch in der Art und Weise sichtbar wird, wie wir neue Trends wie hybride Arbeitsmodelle oder Work-Life-Balance in unser Unternehmen integrieren.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens?

Dr. Thorge Brünig: Technoform Kunststoffprofile GmbH hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und zählt je nach Material im Bereich der maßgeschneiderten Kunststoffprofile zu den führenden Anbietern am Markt, insbesondere bei hochtechnischen Kunststoffen wie PPS oder Polyamid mit hohem Füllstoffanteil. Auch im Bereich der thermischen Isolierung und der Elektrotechnik – etwa beim Flammschutz – sind wir sehr gut aufgestellt. Ein weiteres Wachstumsfeld ist der Bereich der E-Mobility, wo wir an Lösungen für batterieelektrische Fahrzeuge arbeiten. Langfristig wollen wir unsere technologische Entwicklung weiter vorantreiben und die Wertschöpfungstiefe erhöhen. Zudem ist es uns wichtig, unsere Lieferketten widerstandsfähiger gegen externe Schwankungen zu machen, um auch in Krisenzeiten stabil liefern zu können.

Wirtschaftsforum: Wenn Sie persönlich auf Ihre Arbeit bei Technoform blicken: Was motiviert Sie am meisten?

Dr. Thorge Brünig: Mich begeistert die Möglichkeit, Dinge mitzugestalten. Aus meiner naturwissenschaftlichen Perspektive finde ich es faszinierend, Produkte im Alltag zu sehen, an deren Entwicklung ich beteiligt war. Gleichzeitig motiviert es mich, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen meine Kollegen ihre Ideen verwirklichen können. Es ist besonders wichtig, dass unsere Mitarbeiter stolz auf ihre Arbeit sind und wissen, dass sie einen wertvollen Beitrag leisten – sei es in der Entwicklung neuer Kunststoffprofile oder in der Optimierung bestehender Produkte.

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