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Interview mit Ralf Kern, CEO der RADEMACHER Geräte-Elektronik GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kern, das Unternehmen RADEMACHER gibt es bereits seit 1967.

Ralf Kern: Ja, schon damals lag der Fokus auf Elektronik und Elektronikgeräten. Im Laufe der Zeit wurde die Elektronik immer intelligenter und das Thema Software kam dazu.

Wirtschaftsforum: Ein wichtiger Meilenstein war sicher die Entwicklung des ersten automatischen Gurtwicklers Anfang der 1980er-Jahre, oder?

Ralf Kern: Das Produkt heißt Rollo-Tron, damit sind wir groß geworden. Später kamen dann Rohrmotoren hinzu, die direkt im Rollladenkasten eingebaut sind, sowie der Bereich Sicht- und Sonnenschutz. Das ist heute ein ganz wichtiges Thema.

Wirtschaftsforum: Welches waren die wichtigsten Entwicklungen in der jüngeren Vergangenheit?

Ralf Kern: 2007 DuoFern, eine Funktechnologie, mit der sich alle unsere Produkte sicher miteinander vernetzen, steuern und automatisieren lassen, und 2011 das HomePilot-System, mit dem sich alle Funktionen im Haus automatisieren und bequem vom Smartphone bedienen lassen. Die Einführung von HomePilot bedeutete für uns den Einstieg in den Smart Home-Markt: Licht schalten, Bewegungsmelder, Rauchwarnmelder, Sicherheitsszenarien, und das in Kombination mit einer Cloud-Lösung für die Steuerung aus der Ferne. Inzwischen kann das Ganze auch per Sprachsteuerung über Amazon Alexa oder Google Assistant bedient werden.

Wirtschaftsforum: Das heißt, Sie liefern nicht nur die Hardware, sondern auch die passende Software?

Ralf Kern: Ja, früher haben wir nur Hardware gemacht, und wir haben das Produktportfolio auch immer weiter ausgebaut: Markisen, Rollläden, Garagentore, Licht, Heizung, Sicherheit, Aktoren, alles entwickelt und produziert am Standort Rhede. Aber heute liegt ein Schwerpunkt auf Software und Vernetzung. 50% unserer Mitarbeiter sind inzwischen Softwareentwickler.

Wirtschaftsforum: Wie vertreiben Sie Ihre Produkte?

Ralf Kern: Vor allem über den Fachhandel. Durch das ganze Thema Smart Home sprechen wir aber immer mehr direkt den Endkunden an. Mit HomePilot haben wir ein Endkunden-affines Produkt. Die Kunden installieren es oftmals selbst. Gleichzeitig verfügen wir über ein bundesweites Netzwerk an geschulten Fachpartnerbetrieben, die sich mit Home-Pilot bestens auskennen und die Installation vor Ort übernehmen. Wir bieten Service und Beratung aus einer Hand, über die Endgeräte hinaus.

Wirtschaftsforum: Gibt es Schwerpunkte beim weiteren Ausbau des Geschäfts?

Ralf Kern: Wir haben eine Initiative im Bereich Antriebstechnik gestartet und wollen mit neuen Lösungen rund um den Rollladenantrieb und die Fassadengestaltung ein komplett neues Marktsegment erschließen. Außerdem arbeiten wir an der Gestaltung einer komplett digitalen Customer Journey, das heißt wir schaffen neben unserem Fachhandelskonzept ein komplett digitales Kundenerlebnis. Wir investieren stark in Onlinemarketing. Der Kunde soll neugierig werden und sich damit beschäftigen, was er letztlich kaufen kann. Hiervon profitiert dann auch der Fachhandel.

Wirtschaftsforum: Sind Sie als CEO selbst im Vertrieb tätig?

Ralf Kern: Ich spreche viel mit Kunden über unsere Produkte, aber als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens hat man viele Verantwortungsbereiche. Ich bin Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik und habe erst die Entwicklung geleitet. Als Techniker bin ich in den Vertrieb reingewachsen. Ich habe aber nach wie vor engen Bezug zur Produktentwicklung. Mit Experten über Elektronik-Features zu fachsimpeln macht immer wieder Spaß.

Wirtschaftsforum: Worauf führen Sie den Erfolg von RADEMACHER zurück?

Ralf Kern: Wir sind bekannt dafür, dass wir immer wieder Produktinnovationen hervorgebracht haben. Gleichzeitig, neben der ganzen Technikkomponente, haben wir den Bereich Marketing und Vertrieb deutlich ausgebaut, mit direkter Kundenansprache, Schulungen für Fachhandelspartner und zielgerichteter Werbung.

Wirtschaftsforum: Wie halten Sie es mit Onlinehandel?

Ralf Kern: Der Online-Handel ist neben dem Fachhandel ein wichtiger Vertriebskanal für uns. Wichtig ist für uns, dass wir die verschiedenen Kundengruppen, den Fachhandel und den Endkunden, gleichermaßen mitnehmen. Was den Endkunden betrifft, wollen wir den Namen RADEMACHER als bekannten Smart Home-Anbieter im Markt etablieren.

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