Ein Quanten­sprung voraus

Interview mit Marco D’Aquino, Mitglied der Geschäftsleitung der Distek Strumenti & Misure s.r.l.

Schon als Kind träumte Marco D’Aquino von einer Karriere als Formel-1-Pilot. Heute lenkt er zwar keine Rennwagen, doch das Gespür für Geschwindigkeit, Präzision und kontrollierte Dynamik ist geblieben – nun im unternehmerischen und technologischen Kontext. Gemeinsam mit seiner Familie führt er die Distek Strumenti & Misure s.r.l., ein mittelständisches Unternehmen mit Sitz im süditalienischen Neapel, das sich auf maßgeschneiderte Lösungen in der Mess-, Prüf- und Systemtechnik spezialisiert hat. Seit der Gründung im Jahr 1979 hat sich Distek von einem klassischen Vertriebspartner für elektronische Test- und Messgeräte zu einem breit aufgestellten Systemanbieter mit hoher technologischer Eigenleistung entwickelt. Heute betreut das Unternehmen Kunden aus anspruchsvollen Technologiebereichen wie Verteidigung, Mikroelektronik, Energieversorgung sowie dem aufstrebenden Feld der Drohnentechnologie. Ein besonderer Fokus liegt auf dem sogenannten Backend-Prozess in der Halbleiterfertigung – also den hoch spezialisierten Arbeitsschritten, mit denen aus einem produzierten Wafer ein voll funktionsfähiges, einsatzbereites Bauteil entsteht.

Vom Wafer bis zum fertigen Bauteil

Distek ist heute das erste und bislang einzige privat geführte Labor in Europa, das den kompletten Backend-Prozess im eigenen Haus nicht nur demonstrieren, sondern auch als Dienstleistung abbilden kann – inklusive Prototyping, Assemblierung, Verpackung, Charakterisierung und Kleinserienproduktion unter realen Einsatzbedingungen. Zum umfangreichen Leistungsportfolio gehören unter anderem das präzise Vereinzeln der Wafer, automatisiertes Pick & Place, das Befestigen der Chips (Die-Attach), das punktgenaue Auftragen von Epoxidharz (Dispensing), das Wire Bonding mit Ball- und Wedge-Technologie sowie das kontrollierte Aushärten (Curing) unter exakt definierten Prozessbedingungen. „Dieser durchgängige Ansatz ermöglicht es uns, Kunden sehr konkret zu unterstützen – von der frühen Entwicklung über die Prozessoptimierung bis hin zur ersten Kleinserie“, erklärt Marco D’Aquino. Besonders gefragt sind die Verfahren bei jungen Halbleiterunternehmen, Forschungseinrichtungen und Technologie-Start-ups, die hohe Anforderungen an Präzision stellen, aber meist nicht über eigene Produktionslinien verfügen. Auch bei etablierten Industriepartnern wachse das Interesse, solche Leistungen gezielt auszulagern, um sich stärker auf Forschung, Entwicklung und Design zu konzentrieren, so Marco D’Aquino.

Zwei Quantencomputer und ein Schulungszentrum

Ein echter Meilenstein in der Unternehmensentwicklung war der Einstieg in die Quantenwelt. Distek ist das erste privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen in Europa, das über zwei eigene Quantencomputer verfügt – einen mit zwei Qubits und einen mit drei Qubits. Diese Systeme sind voll funktionsfähig und werden aktiv zur Ausführung realer quantenbasierter Algorithmen wie QML (Quantum Machine Learning) oder HHL (Harrow-Hassidim-Lloyd) genutzt. Darüber hinaus bieten sie Raum für experimentelle Verfahren und praxisnahe Tests im Bereich der Quantenlogik. Bei Distek ist Quantencomputing jedoch kein Selbstzweck, sondern eingebettet in ein breiter angelegtes Bildungskonzept. In Kooperation mit der Universität Neapel entsteht aktuell ein Trainingszentrum, das sich nicht nur auf quantentechnologische Anwendungen konzentriert, sondern ebenso gezielt Nachwuchskräfte für mikroelektronische Schlüsselprozesse qualifiziert. Denn: „Der Fachkräftemangel in technischen Berufen ist längst kein branchenspezifisches Problem mehr – es betrifft inzwischen die gesamte Industrie“, betont Marco D’Aquino. Ziel der Initiative ist es, technisches Know-how praxisnah zu vermitteln, bestehende Qualifikationslücken zu schließen und dem Markt qualifizierte Techniker zuzuführen – und das sowohl für klassische als auch für zukunftsweisende Technologien.

Innovation in familiärer Atmosphäre

Neben technologischer Exzellenz und gezielter Nachwuchsförderung setzt Distek auch auf eine Unternehmenskultur, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Obwohl das Unternehmen international expandiert und künftig verstärkt im gesamten Nahen Osten aktiv sein möchte, prägt ein hohes Maß an Zusammenhalt und persönlichem Austausch den Arbeitsalltag. Besonders geschätzt wird das tägliche Mittagessen mit dem gesamten Team – nicht nur als gemeinsamer Moment der Entspannung, sondern auch als informeller Raum für Feedback, Austausch und spontane Ideenentwicklung. „Dabei entstehen oft die besten Ansätze oder es lassen sich operative Themen unkompliziert besprechen“, sagt Marco D’Aquino. Auch im Kundenkontakt verfolgt Distek eine bewusst persönliche Linie: Im firmeneigenen Applikationslabor – direkt gegenüber der Universität Neapel – entwickeln die Kunden gemeinsam mit den Experten des Hauses individuelle Prüfprozesse, exakt zugeschnitten auf ihre jeweiligen Anforderungen. Nicht das standardisierte Produkt, sondern die durchdachte Lösung steht im Zentrum. Oder, wie Marco D’Aquino es zusammenfasst: „Unsere Kunden bringen ihre Bauteile mit – und wir entwickeln gemeinsam die passende Antwort.“

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