Klein, aber wichtig!

Interview mit Dr. Norbert Dieterich, Geschäftsführer der Stockert GmbH

Dank der Tatkraft und Innovationsfreude des 2014 verstorbenen Firmengründers Rüdiger Stockert hat sich die Stockert GmbH seit 1985 zu einem Anbieter weltweit gefragter medizintechnischer Highend-Lösungen entwickelt.

Das Neurochirurgie-Gerät NEURO N50, das temperaturgesteuerte bipolare Koagulationsgerät Bipolator T50, der EP-Shuttle für die Kardiologie sowie der in der Lokalanästhesie eingesetzte Nervenstimulator Stimuplex HNS11 sind einige der von Rüdiger Stockert erfundenen bahnbrechenden Innovationen.

Weltweiter Vertrieb 

Auch die aktuellen Produkte greifen auf die von Rüdiger Stockert entwickelte Technologie zurück, zum Beispiel das SmartAblate™-System zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen mittels hochfrequenter Energie.

„Wir stellen den Generator her, der die Energie an die Spitze des Herzkatheders bringt“, erläutert Dr. Norbert Dieterich. „Das nicht erwünschte Gewebe wird erhitzt und entfernt. Dabei sichert der Generator die exakte Temperatur an der Kathederspitze. Ist sie zu hoch, kann dies zu irreversiblen Gewebeschäden führen.“

Den weltweiten Vertrieb des SmartAblate™-Systems übernimmt die zum Johnson & Johnson-Konzern gehörende Biosense Webster Inc. Ein weiteres Top-Produkt von Stockert ist Stimuplex® HNS12. Das Gerät ermöglicht die Lokalisation eines Nervs und dessen anschließende Betäubung mittels einer an die Nadel angeschlossenen Kanüle.

Dr. Norbert Dieterich Geschäftsführer
„Wir beschränken uns auf wenige Produkte, bei denen wir jedoch allesamt Marktführer sind.“ Dr. Norbert DieterichGeschäftsführer

Hohe Exportquote 

Seit 2011 gehört die Stockert GmbH zur Münchener Beteiligungsholding Metechon AG, deren Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Norbert Dieterich bis vor Kurzem auch für das operative Geschäft des Freiburger Unternehmens verantwortlich war. Stockert beschäftigt 80 Mitarbeiter, davon 14 in Forschung und Entwicklung.

Norbert Dieterich betont ausdrücklich das gute Betriebsklima bei Stockert, zu dem für ihn Familienfreundlichkeit, der faire Umgang miteinander sowie eine angemessene Bezahlung gehören. Die Exportquote des Unternehmens liegt bei 90%, zum Teil indirekt über die Vertriebspartner Biosense Webster und B.Braun Melsungen.

Neue Anwendungsgebiete 

Irritiert zeigt sich Norbert Dieterich über die zunehmende Regulationswut der Behörden, die mittelständischen Unternehmen das Leben erschwert.

„Es gibt eine neue EU-Richtlinie für die Zulassung von Medizinprodukten. Die vorherige Empfehlung umfasste 65 Seiten, die neuen Vorgaben 175 Seiten. Heute dauert die technische Entwicklung eines neuen Geräts zwei bis drei Jahre, die Registrierung noch einmal drei Jahre. Angesichts dieser Entwicklung haben kleinere Unternehmen kaum noch eine Chance, der Markt wird wenigen Großen überlassen.“

Für Stockert sieht der Manager gute Chancen durch weitere Anwendungen der Hochfrequenztechnologie: „Neue Arbeitsfelder können die Verödung von Karzinomen und die minimalinvasive Früherkennung von Krankheiten sein.“ Den Stellenwert von Stockert sieht er auch für die Zukunft deutlich: „Wir sind klein, aber wichtig.“

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