Seit 40 Jahren am Puls der Zeit
Interview mit Peter Trosien, CEO der Pyramid Computer GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Trosien, 1981 kam der erste PC auf den Markt; seitdem ändert sich die Branche in rasantem Tempo. Die Pyramid Computer GmbH ist seit vier Jahrzehnten Teil dieser dynamischen Branche. Wie sahen die wichtigsten Entwicklungsschritte des Unternehmens bis heute aus und wie sind Sie zu Pyramid Computer gekommen?
Peter Trosien: Ich bin seit 1994 für die Pyramid Computer GmbH tätig und habe im Laufe der Jahre verschiedene Funktionen im Unternehmen übernommen – zunächst im Einkauf, anschließend im Produktmanagement sowie später als CTO und COO. Von 2017 bis 2021 war ich CEO der faytech AG, die seit Januar 2022 zur Pyramid-Gruppe gehört. Seitdem bin ich alleiniger Geschäftsführer der Pyramid Computer GmbH. Mit einer kurzen Unterbrechung bin ich damit seit über 30 Jahren Teil von Pyramid und habe die kontinuierliche Weiterentwicklung des Unternehmens mitgestaltet. Im Laufe der Zeit hat Pyramid zahlreiche neue Geschäftsfelder im Bereich Hardware erschlossen: Begonnen 1985 mit PCs, folgten Serverlösungen, anschließend der Kiosk-Bereich unter der Marke POLYTOUCH® und schließlich 2022 die Integration der faytech-Gruppe mit ihren Touch-Monitoren und Touch-Panel-PCs. Der Großteil unserer Geräte wird in der Nähe von Erfurt gefertigt. Darüber hinaus haben wir weitere Produktionskapazitäten in Deutschland und im Ausland.
Wirtschaftsforum: Wie sieht die Aufstellung der Pyramid-Gruppe genau aus?
Peter Trosien: Wir sprechen hier über die Pyramid Computer GmbH als 100%ige Tochtergesellschaft der börsennotierten Pyramid AG. Im Laufe der Zeit sind verschiedene Unternehmen zur Gruppe gekommen, zuletzt die RNT Rausch GmbH aus Ettlingen, ein Spezialist im Storage-Bereich. Die Pyramid Computer GmbH konzentriert sich auf die Produktgruppen Industrie-PCs und Server. Diese werden unter der Marke AKHET® vertrieben, während Selbstbedienungsterminals als POLYTOUCH® und sämtliche Touchlösungen als faytech® angeboten werden. Mit den Produkten wenden wir uns ausschließlich an B2B-Kunden, darunter namhafte Firmen wie Zeiss und Siemens. Als einer von drei Herstellern stehen wir hinter rund 50% aller McDonald‘s Order-Kioske. Seit 20 Jahren produzieren wir die Hardware für genua, den bekannten deutschen Hersteller von Firewalls und Gateways. Den Löwenanteil unseres Umsatzes machen wir jedoch unter anderen Markennamen. Hier arbeiten wir als Hardwarehersteller für Dritte, die unsere Produkte in ihre Komplettlösung integrieren. Unsere drei Marken AKHET®, faytech® und POLYTOUCH® umfassen ein sehr breites Standardproduktportfolio, das wir als Basis für individuelle Lösungen nutzen.
Wirtschaftsforum: Das heißt, Pyramid bietet vor allem kundenspezifische Lösungen an?
Peter Trosien: Wir erarbeiten sehr spezielle, einmalige Lösungen für Kunden aus Standardgeräten zu kompletten Spezialentwicklungen und Bauformen, die bis auf den Millimeter auf die Kundenanforderung optimiert sind. Diese Optimierungen und Entwicklungen werden mit einer komplett eigenen Entwicklungsmannschaft vom 3D-Konstrukteur bis hin zum Elektronikingenieur inhouse in Deutschland geleistet. Ebenfalls können wir die Geräte optisch anpassen, zum Beispiel mit Namen und Logo des Kunden. Damit sind wir ein klassischer OEM.
Wirtschaftsforum: Unter den Kunden finden sich viele bekannte große Player. Was schätzen diese an der Zusammenarbeit mit Pyramid?
Peter Trosien: Wir sind einer der wenigen Hardwarehersteller, die nach wie vor in Deutschland produzieren und groß genug sind, um auch große anspruchsvolle Projekte in mehrstelliger Millionenhöhe zu realisieren. Mit 40 Jahren am Markt stehen wir für Zuverlässigkeit, Kontinuität und professionelles Projektmanagement. Da wir auch international agieren, versenden wir Produkte direkt an die Einsatzorte in aller Welt und übernehmen alle erforderlichen Zollabwicklungen. In 40 Jahren sind viele Partnerschaften mit Kunden und Lieferanten entstanden, die zum Teil seit Jahrzehnten bestehen und uns zum Beispiel in der Coronazeit geholfen haben. In dieser Zeit waren wir zu 100% transparent und haben die Situation nie für unsere Zwecke ausgenutzt. Dafür sind die Kunden uns heute noch dankbar.
Wirtschaftsforum: Die Pandemie war herausfordernd, aber auch heute ist die wirtschaftliche Situation in Deutschland schwierig. Wie geht Pyramid damit um?
Peter Trosien: Da wir im B2B-Bereich agieren, haben wir mehr Stabilität als andere. Aber auch wir spüren Unsicherheiten bei den Kunden; Projekte laufen deutlich langsamer oder werden verschoben. Trotzdem blicken wir optimistisch nach vorn. Wir konnten vor Kurzem einen der größten Rahmenverträge unserer Firmengeschichte abschließen und rechnen mit weiteren Großaufträgen. Dass wir konsequent an der Fertigung in Deutschland festgehalten haben, spielt uns jetzt in die Karten. Durch RNT werden wir den Storage-Bereich ausbauen, zudem werden wir einen starken Fokus auf Outdoor-Kioske legen, wo wir für die kommenden zehn Jahre großes Potenzial sehen. Wir arbeiten stets am Puls der Zeit und können deshalb jedes moderne Data Center mit entsprechender KI-Ausstattung beliefern. Wir sind auch hier sehr gut aufgestellt.












