„Menschen erfolgreich machen“

Interview mit Tobias Leinweber, Vorstand der Continum AG

Wirtschaftsforum: Herr Leinweber, Sie sind seit Anfang des Jahres Vorstand der Continum AG. Wie blicken Sie auf die bisherige Entwicklung des Unternehmens zurück?

Tobias Leinweber: Ich habe die Verantwortung von meinem Vorgänger Julian Sayer übernommen, der das Unternehmen acht Jahre lang geprägt hat. Als er damals einstieg, war Continum wirtschaftlich noch nicht so stark aufgestellt. Heute sind wir deutlich besser positioniert – ich bin also weich gefallen. Aber jetzt gilt es, den nächsten Schritt zu gehen. Wir sprechen von ‘Continum 2.0’.

Wirtschaftsforum: Was genau bedeutet dieser nächste Schritt?

Tobias Leinweber: Wir stehen an einem Punkt, an dem wir uns neu ausrichten müssen. Dazu gehören Investitionen, mögliche Übernahmen und die Erschließung neuer Märkte – etwa in der Schweiz. Mein Auftrag ist klar: Wachstum und Skalierung. Ich bringe aus meiner Zeit bei internationalen Unternehmen Erfahrung mit, wie man Teams aufbaut und Märkte entwickelt. Genau das brauchen wir jetzt.

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen derzeit aufgestellt?

Tobias Leinweber: Unser Hauptsitz befindet sich in Freiburg. Darüber hinaus betreiben wir drei Rechenzentren in Freiburg, Karlsruhe und Stutensee – ein viertes in Basel ist in Planung. Parallel denken wir über Vertriebsstandorte in Berlin, Hamburg und NRW nach. Insgesamt beschäftigen wir aktuell 38 Mitarbeitende. Nächstes Jahr wollen wir auf rund 45 wachsen. Der Umsatz lag 2024 bei 6,2 Millionen EUR, dieses Jahr werden es etwa 7 Millionen sein.

Wirtschaftsforum: Die Zeichen stehen also klar auf Expansion – auch international?

Tobias Leinweber: Absolut. Neben Deutschland ist die Schweiz ein Kernmarkt für uns. Aufgrund der dortigen Datenschutzgesetze müssen viele Unternehmen Daten innerhalb der Landesgrenzen speichern. Wir sind durch unsere Nähe zu Basel prädestiniert, hier aktiv zu werden. Darüber hinaus prüfen wir weitere Standorte in Europa.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt dabei die Unternehmens-kultur?

Tobias Leinweber: Eine sehr große. Ich setze auf Eigenverantwortung und habe gleich zu Beginn Ownership als Leitprinzip eingeführt. Jeder trägt die Verantwortung für seinen Bereich – von A bis Z. Das war für manche eine Umstellung, aber es hat die Dynamik verändert. Wir haben jetzt eine Aufbruchstimmung: Entscheidungen werden gemeinsam diskutiert, die Mitarbeiter fühlen sich stärker eingebunden. Ich selbst gehe mit gutem Beispiel voran – sei es bei der Akquise, auf Messen oder im direkten Kunden-kontakt.

Wirtschaftsforum: Welche Leistungen und Angebote sind aktuell besonders gefragt?

Tobias Leinweber: Wachstum sehen wir vor allem in zwei Bereichen: Containerisierung und Sicherheit. Unsere Cloud-Plattform für Microservices bietet Kunden flexible Lösungen für moderne Softwareentwicklung. Daneben sind Security-Services stark nachgefragt, etwa Firewalls oder spezielle Schutzmechanismen. Vertrauen in ein lokales, nach deutschen Gesetzen agierendes Unternehmen ist in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten ein wichtiges Argument.

Wirtschaftsforum: Bedeutet das auch eine Fokussierung auf bestimmte Branchen?

Tobias Leinweber: Wir arbeiten vor allem mit dem gehobenen Mittelstand und mit Konzernen. Unsere Kunden stammen aus unterschiedlichen Branchen, aber sie alle brauchen sichere und verlässliche IT-Infrastrukturen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Marketing und Kommunikation für den weiteren Erfolg?

Tobias Leinweber: Eine große – auch wenn wir da Nachholbedarf haben. Unser Marketingmanager geht in die USA, und ich suche aktuell Ersatz. Wir setzen stark auf LinkedIn, auf eigene Events wie den ‘CXO Innovation Club’ und auf Fachmessen. Hier müssen wir künftig noch präsenter werden.

Wirtschaftsforum: Sie haben den Einsatz von KI erwähnt. Welche Bedeutung hat dieses Thema für Continum?

Tobias Leinweber: Wir entwickeln gerade eine KI-Plattform. Ich sehe großes Potenzial in Agents, die uns helfen, Prozesse zu beschleunigen – sei es beim Lesen umfangreicher Dokumentationen, bei Kundenanfragen oder in der Entwicklung. KI wird die Qualität unserer Arbeit steigern und Kosten senken. Langfristig glaube ich an offene Systeme und Open-Source-Modelle – klassische Softwarehersteller werden so nicht mehr bestehen.

Wirtschaftsforum: Was sind aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren des Unternehmens?

Tobias Leinweber: Ganz klar: meine Mitarbeiter. Der Erfolg hängt nicht an mir als Vorstand, sondern daran, dass das gesamte Team zusammenarbeitet. Ich vergleiche es gern mit einem Schiff: Es fährt nur, wenn alle an Bord gemeinsam ziehen.

Wirtschaftsforum: Zum Abschluss: Wie sieht Ihre Vision für Continum in den kommenden Jahren aus?

Tobias Leinweber: Wir wollen uns in Deutschland und Europa als führender Anbieter für sichere Cloud Services und Managed Services etablieren. Wachstum ist das eine, aber es geht mir auch darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter nicht nur arbeiten, sondern sich verwirklichen können. Das ist mein persönlicher Antrieb: Menschen erfolgreich machen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Engineering für besondere Aufgaben

Interview mit Dr. Wolfgang Heimberg, Geschäftsführer der HTI Automation GmbH

Engineering für besondere Aufgaben

Vom Physiker in der Automobilentwicklung zum Unternehmer in der Laborautomation: Dr. Wolfgang Heimberg hat mit der HTI Automation GmbH einen Spezialisten aufgebaut, der sich bewusst zwischen Standard und Individualität positioniert.…

Aircraft Management: Wenn Zeit zum Wettbewerbsvorteil wird

Interview mit Darko Cvijetinovic, Managing Director und Antonia Gilbert, CCO der MJET GmbH

Aircraft Management: Wenn Zeit zum Wettbewerbsvorteil wird

Geschäftsluftfahrt wird oft auf Komfort und Exklusivität reduziert, obwohl es meist um Zeitgewinn, Erreichbarkeit und Effizienz geht. Die MJET GmbH aus Wien ist ein spezialisierter Aircraft Management-Anbieter, der Businessjets im…

Technische Lösungen für komplexe Industrieanlagen

Interview mit Federica Calandra, Sales Manager der Vexa s.r.l.

Technische Lösungen für komplexe Industrieanlagen

Industrieanlagen müssen zuverlässig funktionieren – besonders in der Stahlproduktion, wo Wartungsfenster eng getaktet sind und jede Stunde zählt. Genau hier hat sich Vexa s.r.l. in kurzer Zeit als gefragter Partner…

Spannendes aus der Region Freiburg im Breisgau

Wohnräume mit Anspruch und Zukunft

Interview mit Constantin Schindler, Geschäftsführer der AREAL Projektentwicklung GmbH

Wohnräume mit Anspruch und Zukunft

Wohnraum ist mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Er prägt Lebensqualität, verbindet Menschen mit ihrem Umfeld und schafft Werte für Generationen. Gerade in Zeiten wachsender Städte, steigender Baukosten…

Energiewende passiert nicht auf dem Papier, sondern im Heizungskeller

Interview mit Manfred Schäuble, Geschäftsführer der Schäuble Regenerative Energiesysteme GmbH

Energiewende passiert nicht auf dem Papier, sondern im Heizungskeller

Manfred Schäuble spricht leise, aber bestimmt. Seit Jahrzehnten arbeitet der Handwerksmeister an regenerativen Energielösungen – lange bevor sie politisch eingefordert wurden. Sein Unternehmen steht heute für ganzheitliche Energiesysteme, für Verlässlichkeit…

Mit Simulation an die Spitze der Industrie 4.0

Interview mit Jens Cornelis, Geschäftsführer der FIFTY2 Technology GmbH

Mit Simulation an die Spitze der Industrie 4.0

Ob in der Automobilindustrie, bei Elektronikkomponenten oder in der Chipherstellung – überall dort, wo Flüssigkeiten eine kritische Rolle spielen, hilft präzise physikalische Simulation, komplexe Probleme zu lösen. Die FIFTY2 Technology…

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr Mensch, weniger Formular: Digitalisierung neu gedacht

Interview mit Dr. Marc Fuchs, CEO DACH und Tessa Tienhaara, Customer & Growth Marketing Lead der Gofore GmbH

Mehr Mensch, weniger Formular: Digitalisierung neu gedacht

Wir alle spüren sie täglich – sei es beim Warten auf eine Behördengenehmigung, beim Onlinebanking oder in der Produktion von morgen. Doch Digitalisierung ist längst nicht mehr nur die Umwandlung…

Kommunale Stärke im Glasfaserausbau – ein Modell für die Zukunft

Interview mit Simone Roth, Geschäftsführerin der Breitband Main-Kinzig GmbH und Jannik Marquart, Aufsichtsratsvorsitzender der Breitband Main-Kinzig GmbH

Kommunale Stärke im Glasfaserausbau – ein Modell für die Zukunft

Der Main-Kinzig-Kreis zählt heute zu den bestversorgten Regionen Deutschlands – dank eines kommunalen Glasfaserprojekts, das früh begonnen hat und bis heute konsequent weitergeführt wird. Die Breitband Main-Kinzig GmbH investiert seit…

Den Schmerz bei der IT-Qualitätsprüfung lindern

Interview mit Stefan Gogoll, CEO der aqua cloud GmbH

Den Schmerz bei der IT-Qualitätsprüfung lindern

„No pain, no gain“ – dieses bekannte Sprichwort aus dem Sport gilt nicht nur für das Training, sondern auch für den Geschäftsalltag. Stefan Gogoll, CEO der aqua cloud GmbH, hat…

TOP