Energiewende passiert nicht auf dem Papier, sondern im Heizungskeller

Interview mit Manfred Schäuble, Geschäftsführer der Schäuble Regenerative Energiesysteme GmbH

Vom klassischen Handwerk zu erneuerbaren Energien

Der berufliche Weg von Manfred Schäuble beginnt klassisch: Lehre als Heizungsbauer, frühe Meisterprüfung, Einstieg in den elterlichen Betrieb. Doch schon bald war für ihn klar, dass reiner Heizungsbau zu kurz greift. Energie, so seine Überzeugung, ist nie isoliert zu betrachten, sondern immer Teil eines größeren Zusammenhangs. Gebäude, Verbrauch und Verantwortung gehören für ihn zusammen. „Heizungen einbauen allein reicht nicht“, sagt der Geschäftsführer rückblickend. Aus dieser Haltung entwickelte sich Schritt für Schritt ein unternehmerischer Weg, der weit über das Gewerk hinausging.

Früh beschäftigte sich der Unternehmer mit Energieberatung, Solarenergie und alternativen Versorgungskonzepten. Bereits Anfang der 1990er-Jahre war er an der Planung und Umsetzung des ersten kommunalen Nahwärmenetzes mit Hackschnitzel in Baden-Württemberg beteiligt. Später folgten Photovoltaikanlagen, Kraft-Wärme-Kopplung und eine regenerative Stromtankstelle – zu einer Zeit, als Elektromobilität noch belächelt wurde.

„Man muss vorweggehen, auch wenn andere noch zweifeln“, beschreibt er diesen Ansatz. 2013 bündelte der Handwerksmeister diese Entwicklung konsequent in der Neuausrichtung seines Unternehmens zur Schäuble Regenerative Energiesysteme. Seither stehen regenerative Lösungen im Mittelpunkt – Öl und Gas spielen praktisch keine Rolle mehr.

Ganzheitliche Lösungen und Vertrauen als Erfolgsfaktor

Heute beschäftigt das Unternehmen rund 25 festangestellte Mitarbeitende und ist fast ausschließlich für private Kunden tätig, überwiegend im Sanierungsbereich. Wärmepumpen, Photovoltaik, Stromspeicher, Biomasse, Solaranlagen und Nahwärmeanschlüsse werden nicht als Einzelprodukte verstanden, sondern als zusammenhängende Systeme. Der Anspruch ist klar: wirtschaftlich tragfähige Lösungen, die langfristig funktionieren. „Wärme und Strom gehören zusammen“, bringt der Firmenchef diesen Ansatz auf den Punkt.

Der Markt allerdings ist derzeit von Zurückhaltung geprägt. Viele Anlagen sind technisch überholt, der Bedarf an Sanierungen ist hoch, doch politische Unsicherheiten und wechselnde Förderbedingungen bremsen Investitionen. Manfred Schäuble beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. „Die Menschen zögern nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht wissen, was morgen gilt“, erklärt er. In dieser Phase misst er dem Handwerk eine Schlüsselrolle bei. Als regional verwurzelter Ansprechpartner genießen Betriebe wie seiner ein hohes Maß an Vertrauen – und genau dieses Vertrauen entscheidet darüber, ob Investitionen angestoßen werden oder nicht. „Energiewende findet nicht auf dem Papier statt, sondern im Heizungskeller“, betont der Geschäftsführer.

Digitalisierung im Handwerk – mit Blick nach vorn

Auch die Digitalisierung hat das Handwerk grundlegend verändert. Für den Unternehmer ist sie längst unverzichtbar. Heute sind fast alle Anlagen digital angebunden, werden überwacht und optimiert. Das erhöht den Aufwand, schafft aber Transparenz und Effizienz. „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, stellt er nüchtern fest. Gleichzeitig hat das Unternehmen die Weichen für die Zukunft gestellt: Mit dem langjährigen Mitarbeiter Matthias Lauber als Mitgeschäftsführer ist die Nachfolge geregelt, weiteres Fachpersonal wird ausgebildet.

Für Manfred Schäuble selbst bedeutet Erfolg nicht Wachstum um jeden Preis, sondern Stabilität und Sinn. Er bildet sich aktuell im Bereich Nachhaltigkeits- und Klimaschutzmanagement weiter, um sein Wissen weiterzugeben. Was ihn antreibt, ist nicht allein Technik oder Umsatz, sondern die Überzeugung, dass Arbeit einen Zweck erfüllen muss. „Die Menschen wollen wissen, wofür sie arbeiten“, sagt er. Für ihn ist klar: Wer Verantwortung übernimmt, glaubwürdig handelt und langfristig denkt, schafft nicht nur funktionierende Energiesysteme – sondern auch Vertrauen und Zukunft.

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