„Kämpfen um jedes Rohmaterial“

Interview mit Mario Bader, Geschäftsführer der Heimberger GmbH

Als Eugen Heimberger das Unternehmen in den 1960er-Jahren gründete, diente es einer anderen Firma als verlängerte Werkbank. Mit der Übergabe an seine Söhne Bernd, Rainer und Thomas wurde das einstige Start-up zum industriellen Betrieb. Seit 1985 firmiert das Unternehmen unter dem jetzigen Namen. Zu dieser Zeit wurde auch der Neubau am heutigen Standort bezogen.

„Die Firma ist immer weitergewachsen und hat in allen Sparten große Kunden gewonnen. Wachstum und Diversifizierung prägten die vergangenen Jahrzehnte. Mittlerweile sind wir quasi drei Firmen in einer, sodass wir die Bedarfe der Kunden verknüpfen können: Neben dem klassischen Drehen und Fräsen sind wir auch Systemlieferant und bieten Dienstleistungen sowie Logistikleistungen an“, berichtet Mario Bader, einer der drei Geschäftsführer von Heimberger. Seit eineinhalb Jahren ist er im Unternehmen und begleitet nun die 2020 eingeleitete Übergabe an die dritte Generation. Heimberger beschäftigt aktuell 135 Mitarbeiter.

Nach Corona Rohstoffknappheit

In der Coronazeit sei man stets schneller gewesen als die Regierung mit ihren Maßnahmen. „Wir waren immer vor der Welle“, sagt Mario Bader und berichtet weiter: „Zunächst haben wir unsere Manpower in zwei Hälften geteilt, um der hohen Infektionsgefahr vorzubeugen. Die Umsatzeinbrüche konnten wir durch Hilfen und Kurzarbeit kompensieren.“

Doch nun steht das Unternehmen vor einer neuen Herausforderung – nicht nur, weil die steigenden Corona-Zahlen wieder schärfere Maßnahmen erfordern. „Wir haben jetzt auch noch die Problematik der Rohmaterialbeschaffung. Bei Alu und Stahl gibt es eine massive Knappheit, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht erlebt haben. Das hat extreme Preissteigerungen zur Folge; dazu kommen steigende Energiekosten“, berichtet der Geschäftsführer.

Diese Entwicklung hat zu einem starken Anstieg des Einkaufsvolumens geführt. „Was das angeht, stehen wir in ständigem Dialog mit den Kunden. Verfügbarkeit ist bei ihnen aktuell das Thema Nummer 1. Vor Mitte 2023 sehen wir keine Besserung“, so Mario Bader. Neben Deutschland ist Heimberger auch in Österreich und der Schweiz am Markt. Das soll auch künftig so bleiben, betont er: „Der Markt ist groß und bietet noch genug Potenzial für neue Kunden und weitere Diversifizierung.“

Gesamtpaket inklusive Logistik

Das Portfolio des Serienfertigers Heimberger umfasst Drehen, Fräsen, Zerspanen, CNC-Programmierung, Automation, Baugruppenmontage und Feinbearbeitung. „Wir haben einen großen Dreh- und Fräsbereich und sind hier sehr spezialisiert. Die Kunden wünschen aber montagefertige Produkte. Deshalb ist auch die Oberflächenveredelung ein wichtiger Aspekt“, führt Mario Bader aus. Heimberger übernimmt daher auch die Oberflächenveredelung wie Schleifen, Laserbeschriften, Honen, Eloxieren, Verzinken und Polieren.

Darüber hinaus ist das Unternehmen Dienstleister und bietet zudem Logistik- sowie Montageleistungen an. Seit 2021 ist das Familienunternehmen umweltzertifiziert. Nun ist die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks, unter anderem durch Solar- und Wärmerückgewinnung, das große Thema, wenn es um Nachhaltigkeit geht. „Unsere Kunden müssen hier noch genauere Vorgaben machen“, sagt Mario Bader.

Auf Nachhaltigkeit setzt das Unternehmen auch bei seinen Geschäftsbeziehungen. „Wir haben kein Interesse an einer hohen Frequenz. Es geht vielmehr um langfristige Beziehungen“, so der Geschäftsführer. Langfristig möchte man auch die Mitarbeiter binden und bietet neben umfassender und transparenter interner Kommunikation auch attraktive Arbeitgeberleistungen wie subventioniertes Essen oder Jobräder. Der Fachkräftemangel stellt jedoch eine Herausforderung dar. Mario Bader erzählt: „Wir bilden seit Jahrzehnten aus. Aber wir finden immer weniger geeignete Bewerber.“ Kooperationen unter anderem mit Schulen sollen helfen, dieses Problem zu lösen.

Mehrwerte bieten

Dass Heimberger sich schon seit Jahrzehnten positiv entwickelt, hat nach Ansicht von Mario Bader eine Reihe von Gründen: „Der Kunde steht immer im Fokus. Wir bieten Mehrwerte wie die technische Beratung oder die Optimierung der Teile im Hinblick auf Produzierbarkeit und Kosten. Unsere Geschäftsbeziehungen sind nicht nur langfristig, sondern auch sehr partnerschaftlich. Wir heben uns nicht nur durch den Preis ab, sondern durch technische Kompetenz. Mit unseren Kunden sprechen wir viel über technische Herangehensweisen und Mehrwerte. Und schließlich haben wir nicht nur unser Know-how zu bieten, sondern ein Gesamtpaket inklusive Logistik.“

Mit der ‘Agenda Heimberger 2030’ hat sich das Unternehmen konkrete Ziele gesetzt, etwa in den Bereichen Personal, Gebäude und Maschinenpark. Derzeit läuft die Planung für einen Neubau. Mit potenziellen Neukunden sei man im Gespräch, so Mario Bader. Er kündigt an: „Im nächsten Jahr werden wir alles geben und um die Verfügbarkeit der Rohmaterialien kämpfen.“

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