120 Jahre im Zeichen der Ziegel

Interview mit Theresa Lemke, Geschäftsführerin der August Lücking GmbH & Co. KG

Unternehmensgründer August Lücking legte 1899 mit seiner Ringofenziegelei auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb in Paderborn den Grundstein für das Unternehmen, das seine Familie bis heute betreibt. Von einer Ziegeldynastie zu sprechen, ist keineswegs übertrieben: „Mein Großvater hatte elf Geschwister. Sechs der Brüder waren in der Ziegelei- und/oder Betonbranche tätig“, erzählt Theresa Lemke, seit Ende 2019 Junior-Geschäftsführerin im Unternehmen. Die Betriebswirtschaftlerin wird in den nächsten Jahren gemeinsam mit ihrem Vater Joachim Thater die Geschäfte führen, bevor der Stab endgültig an die fünfte Familiengeneration übergeht.

„Dass ich das Unternehmen übernehmen werde, war nicht von vornherein klar, denn ich habe noch drei Schwestern. Aber mich hat es am meisten interessiert und so habe ich mich immer in diese Richtung orientiert“, berichtet sie. Ihr Mann Richard, Jurist, der zuvor in der IT-Branche beschäftigt war, ist bei Lücking als Prokurist tätig. Er sagt: „Ich habe meine Karriere in der IT-Branche aufgegeben, um mit meiner Frau das Familienunternehmen zu führen.“ Fertigelemente sparen Zeit

Das heutige Werk kaufte Theresa Lemkes Großvater Ulrich Thater, Sohn eines aus Ostpreußen vertriebenen Ziegelfabrikanten. Diese Geschichte prägt das Unternehmen bis heute, sagt sie und erklärt weiter: „Die Ziegelbranche ist sehr alt und familiengeprägt. Das wirkt sich auch auf unseren Arbeitsalltag aus. Mit vielen Partnern und Händlern arbeiten wir schon seit vielen Jahrzehnten zusammen. Solche Verbindungen sind gerade in der heutigen Zeit, in der es in unserer Branche nur noch wenige Familienunternehmen gibt, sehr wichtig.“

Der Stolz der 170 Mitarbeiter, für eines von wenigen verbliebenen zu arbeiten, sei spürbar. „Oft arbeiten bei uns Väter und Söhne Seite an Seite“, so die Juniorchefin. Das Unternehmen besteht aus einem Hintermauerziegelwerk, landläufig als Ziegelei bezeichnet, und einem Betonfertigteilwerk.

„Aufgrund des Fachkräftemangels wird versucht, die Baustellenzeiten zu verkürzen. Daher werden Fertigelemente angefragt.“ Theresa LemkeGeschäftsführerin
Theresa Lemke

Das Material für die Ziegel wird in eigenen Tongruben abgebaut und zu über 200 verschiedenen Formaten verarbeitet. Neu im Produktportfolio ist die Ziegelelementfertigung, also die Herstellung von bereits fertig gemauerten Ziegelwänden. „Aufgrund des Fachkräftemangels wird versucht, die Baustellenzeiten zu verkürzen. Daher werden diese Elemente angefragt“, erläutert Theresa Lemke.

Ähnlich sieht es bei den Betonelementen aus. Im Betonwerk werden Fertigteile wie Doppelwände, Plattendecken und Treppen hergestellt, die auf der Baustelle nur noch installiert werden müssen. Daneben produziert Lücking Krangewichte für Hafenkräne. Ausgeliefert werden die Teile mit den 14 Lkw der firmeneigenen Spedition – überwiegend an Ziele in Deutschland, aber gelegentlich auch nach Polen und in die Niederlande.

Innovativ und energieeffizient

In den letzten zehn Jahren wurden viele Investitionen getätigt, um sich modern aufzustellen. „Die verfüllten Steine oder die Ziegelwände sind zum Beispiel innovative Produkte“, hebt Richard Lemke hervor. Auch in die Digitalisierung hat sein Schwiegervater bereits viel investiert. „In diesem Bereich sind wir schon viel weiter als andere Wettbewerber“, betont der Prokurist und fügt hinzu: „Sowohl beim Building Information Modelling, kurz BIM, einem System, das alles, was über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes darin verbaut wird, dokumentiert, als auch bei den ERP-Systemen sind wir hervorragend aufgestellt.“

Die größten Herausforderungen im Baubereich liegen in der Energieeffizienz. Mit Produktentwicklungen wie wärmeeffizienten Ziegeln passt sich Lücking den neuen Anforderungen an. Damit jedoch nicht genug: „Wir sind ein energieintensives Unternehmen. Um die Auflagen zu erfüllen, haben wir in den letzten Jahren schon viele Maßnahmen ergriffen“, berichtet Richard Lemke. Ihn motiviert es besonders, einen so traditionellen Mittelständler auf die Zukunft vorzubereiten.

Theresa Lemke liegt ihr Job ohnehin im Blut: „Mein Vater ist mein Vorbild. Er liebt die Fima und ihre Produkte. Auf Ferienreisen mussten wir zum Ärger meiner Mutter immer anhalten, damit er einen prüfenden Blick auf jeden roten Ziegelschornstein werfen konnte.“

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