Wärme aus der Grube

Interview mit Achim Wörsdörfer, Gründer und Geschäftsführer der A-TEC Anlagentechnik GmbH

Grubengas ist – bei entsprechend hoher Konzentration – eine wahrhaft ‘explosive’ Mischung: Nicht umsonst wird es im Bergbau als ‘schlagende Wetter’ bezeichnet. In früheren Zeiten Fluch des Bergmanns, wird es heute mittels besonderer Anlagen abgesaugt und einem positiven Verwendungszweck zugeführt: Es lässt sich ausgezeichnet zur Strom- und Wärmeerzeugung nutzen.

Die A-TEC Anlagentechnik GmbH liefert die Absaug- und Fackelanlagen, die eine Nutzung des Grubengases in Heizkesseln und Blockkraftwerken oder die Einspeisung in eine Ferngasleitung ermöglichen.

Strom und Wärme aus Grubengas

„Wir sind einer der weltweit führenden Experten für das Absaugen und die Nutzung von Grubengas“, sagt Achim Wörsdörfer. Er hat A-TEC Anlagentechnik im Jahr 1998 gemeinsam mit Clemens Backhaus gegründet, mit dem er sich die Geschäftsführung teilt. Im Februar feierte das Unternehmen sein 20-jähriges Bestehen.

„Angefangen haben wir im Ruhrgebiet mit Systemen, die aus Grubengas erzeugten Strom und Wärme in das Netz eingespeist haben und unter dem EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) vergütet wurden“, erinnert sich Achim Wörsdörfer. „Im Laufe der Zeit brachten wir es auf 25 Lizenzen für die Förderung von Grubengas in unterschiedlichen Regionen.“

Mit der weitgehenden Einstellung der Kohleförderung in Deutschland stagniert dieses Geschäftsfeld in Deutschland jedoch, weshalb das Unternehmen sich zunehmend auf das Ausland konzentrierte, wo noch Kohle gefördert wird. In seinen ursprünglich größten Exportmärkten Ukraine, Russland und Kasachstan betreibt A-TEC Anlagentechnik inzwischen eigene Anlagen für das Absaugen des Grubengases.

„Bis vor einigen Jahren konnten wir im Rahmen des Kyoto-Protokolls unsere so erworbenen CO2-Lizenzen sehr gut vermarkten, da CO2-Verursacher in 50 Ländern diese Lizenzen erwerben mussten“, erklärt Mitgründer und Gesellschafter Clemens Backhaus. „2012 lief das Kyoto-Protokoll jedoch aus und eine Nachfolgeregelung ist bislang noch nicht in Sicht. Daher ist unser Hauptgeschäft jetzt die Lieferung von Grubengas-Absauganlagen an Betreiber von Kohlegruben in der Ukraine, Russland und Kasachstan. In Russland und der Ukraine haben wir wegen der EU-Sanktionen beziehungsweise der Donbas-Konflikte leider unsere Position als Marktführer verloren und sind dort noch die Nummer drei am Markt. In Kasachstan dagegen sind wir nach wie vor unangefochtener Marktführer.“

Innovative Technologie 

Eine Position, die das Unternehmen getreu seinem Motto ‘Sicherheit, Energie, Klimaschutz’ außer seinem Spitzen-Know-how auch seinem Innovationsgeist verdankt. So hat A-TEC eine Absauganlage konzipiert, die durch eine umschaltbare Verdichteranordnung und integriertes Kühlaggregat sowohl extrem hohe Saugdrücke bis zu 800 mbar Unterdruck als auch hohe Gasmengen im normalen Saugdruckbereich bei bis zu 500 mbar erzeugen kann. Eine erste Anlage soll in Kürze nach Kasachstan geliefert werden.

„Aktuell bereiten wir uns auf den Markteintritt in einem weiteren Land vor“, so Achim Wörsdörfer. „Da wir mit einer neuen Technologie arbeiten, muss man in neuen Märkten Überzeugungsarbeit leisten“, ergänzt Clemens Backhaus. „Allerdings sprechen die Ergebnisse für sich, denn mit unserer Technologie können wir wesentlich kostengünstiger arbeiten.“

Bis Bergwerks-Sicherheitstechnik in den unterschiedlichen Ländern die notwendigen Zertifizierungen erhält, braucht es in der Regel etwas Vorlauf, aber es lohnt sich: „Wir haben mit unserer Technologie einen Marktvorsprung von drei bis vier Jahren vor lokalen Wettbewerbern“, schließt Achim Wörsdörfer.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

Wenn Kollaboration zum Wettbewerbsvorteil wird

Interview mit Christopher Neuwirth, Geschäftsführer der Meondi GmbH

Wenn Kollaboration zum Wettbewerbsvorteil wird

Der Mittelstand muss schneller innovieren und Digitalisierung konsequent nutzen. Die Meondi GmbH aus Stuttgart unterstützt vor allem Maschinenbauunternehmen dabei, Strategie zügig in messbare Umsetzung zu bringen – durch eine klare…

Vier Säulen, ein Fundament

Interview mit Boris Wehner, Geschäftsführer der Wehner Metalltechnik GmbH & Co. KG

Vier Säulen, ein Fundament

Wenn auf Straßen Öl ausläuft, rücken Spezialmaschinen aus. Sie kommen nicht selten aus dem Hause Wehner Metalltechnik. Was als Kfz-Betrieb begann, hat sich über Jahrzehnte zu einem vielseitigen Metallverarbeitungsunternehmen entwickelt,…

Im (Material-)Fluss bleiben

Interview mit Patrick Schlotter, Geschäftsführer der Flexco Europe GmbH

Im (Material-)Fluss bleiben

In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, volatiler Lieferketten und steigender Anforderungen an Effizienz und Anlagenverfügbarkeit rückt die Zuverlässigkeit industrieller Prozesse zunehmend in den Fokus. Gerade in automatisierten Materialflüssen sind stabile, wartungsarme Lösungen…

Spannendes aus der Region Kreis Viersen

Der unsichtbare Marktführer

Interview mit Serdar Baysan, Geschäftsführer der German Special Alloys GmbH

Der unsichtbare Marktführer

In Willich entsteht, was in Milliarden Mündern weltweit steckt: Speziallegierungen für Zahnersatz. Serdar Baysan, Geschäftsführer der German Special Alloys GmbH, hat sein Unternehmen an die Spitze des europäischen Marktes geführt.…

Das Bindeglied zwischen Binnen- und Seeschifffahrt

Interview mit Björn Zirotzki, Geschäftsführer der HSW Logistics GmbH

Das Bindeglied zwischen Binnen- und Seeschifffahrt

HSW Logistics sorgt dafür, dass Stahlcoils und weitere Industrieprodukte von Unternehmen an Rhein und Ruhr verlässlich ihre Bestimmungsorte in Norwegen und im UK erreichen – dank einer Bahnanbindung im Zielhafen…

„Digitalisierung im Bau voranbringen“

Interview mit Frank Wittig, Geschäftsführer der Euro Massiv Bau GmbH

„Digitalisierung im Bau voranbringen“

Wer baut, wünscht sich ein genau auf ihn zugeschnittenes Eigenheim. Die Euro Massiv Bau GmbH mit Sitz in Duisburg ist spezialisiert auf individuell geplante, schlüsselfertige Einfamilienhäuser. Im Gespräch mit Wirtschaftsforum…

Das könnte Sie auch interessieren

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Interview mit Dr.-Ing. Ansgar Kaupp, CEO und Partner der EyeC GmbH

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Fehlerhafte Verpackungen können Millionen kosten – durch Rückrufe, Lieferengpässe oder regulatorische Folgen. Genau hier setzt die EyeC GmbH mit intelligenten Inspektionssystemen an, die Druckbilder, Barcodes und selbst Brailleschrift zuverlässig prüfen.…

Vom Nebenprodukt zum Wertstoff

Interview mit Beatrice Buzzella, Vorsitzende und Geschäftsführerin der Green Oleo S.p.A.

Vom Nebenprodukt zum Wertstoff

Was passiert, wenn ein Industrieunternehmen radikal umdenkt? Green Oleo aus dem norditalienischen Cremona hat genau das getan. Das Unternehmen, das früher klassische oleochemische Produkte herstellte, verarbeitet heute pflanzliche und tierische…

Im (Material-)Fluss bleiben

Interview mit Patrick Schlotter, Geschäftsführer der Flexco Europe GmbH

Im (Material-)Fluss bleiben

In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, volatiler Lieferketten und steigender Anforderungen an Effizienz und Anlagenverfügbarkeit rückt die Zuverlässigkeit industrieller Prozesse zunehmend in den Fokus. Gerade in automatisierten Materialflüssen sind stabile, wartungsarme Lösungen…

TOP