„Den Wandel mitgestalten“
Interview mit Uwe Dziuk, Geschäftsführer der WEAT Electronic Datenservice GmbH

Die Geschichte der WEAT Electronic Datenservice GmbH beginnt 1989, als mehrere Mineralölunternehmen ein gemeinsames Institut gründeten, um den bargeldlosen Zahlungsverkehr in ihren Tankstellennetzen zu professionalisieren. Aus den Anfangsbuchstaben der damaligen Gesellschafter entstand der Name WEAT. „Von Beginn an verband das Unternehmen Paymentprozesse mit einem umfassenden Datentransport, da Tankstellen Kraftstoffe häufig im Namen der Mineralölgesellschaften, Shopartikel jedoch im eigenen Namen verkaufen“, berichtet Geschäftsführer Uwe Dziuk. Für korrekte Abrechnungen wurden daher standardisierte Schnittstellen benötigt, über die Absatzmengen, Peildaten und Preise zuverlässig übertragen wurden. WEAT etablierte ein einheitliches Datenformat, das trotz unterschiedlicher Kassensysteme funktionierte und sich zu einem zentralen Baustein der Branche entwickelte. Mit dem Aufstieg bargeldloser Zahlungen stieg die technische Komplexität. Als Uwe Dziuk 1998 in das Unternehmen eintrat, lag der Anteil bargeldloser Transaktionen bei 17%; heute sind es über 60% der Vorgänge und mehr
als 70% des Umsatzes. Gleichzeitig wuchs der regulatorische Druck: PSD2, PCI-Standards und moderne Verschlüsselungsanforderungen prägen Abläufe und Systeme. Prozesse wie Datenverschlüsselung, Monitoring und Freigabemechanismen gehören inzwischen zum operativen Standard. „Die PSD2 hat einen enormen Einfluss auf uns gehabt“, erklärt Uwe Dziuk rückblickend und verweist auf die Vielzahl interner und externer Anforderungen, die daraus entstanden sind.
Zunehmende regulatorische Anforderungen
WEAT sieht sich heute als Marktführer im deutschen Mobilitätssektor und hält einen Marktanteil von über 41%. Ein besonderes Marktmerkmal sind die sogenannten ‘Majors’ – große Mineralölunternehmen, die Teile des Netzbetriebs noch in Eigenregie durchführen. Dennoch erwartet Uwe Dziuk, dass sich Marktanteile künftig zugunsten spezialisierter Dienstleister verschieben. Ein Meilenstein der vergangenen Jahre war die PSD2-Regulierung, die Mischbons aus Kraftstoff- und Shopumsätzen als getrennte Zahlungsvorgänge definiert. Diese Vorgabe machte eine erlaubnispflichtige Abwicklung notwendig. WEAT erhielt dafür eine ZAG-Lizenz der BaFin und entwickelte das Produkt Pool+, das Zahlungseingänge treuhänderisch verwaltet und sauber trennt. Zusätzlich fungiert das Unternehmen als Händlerkonzentrator für die Girocard sowie als offizieller Preismelder für die Markttransparenzstelle. Regulatorische Änderungen beeinflussen nicht nur technische Prozesse, sondern auch Organisationsstrukturen. Neue Verschlüsselungsmechanismen, interne Freigabeschritte oder Prüfprotokolle sind Teil des täglichen Betriebs. Parallel dazu schreitet die technologische Entwicklung voran. WEAT steht mitten in der Migration in die Cloud, um Produkte künftig skalierbarer auszurichten. Zudem wurde ein Mobile Payment Hub aufgebaut, über den heute rund 20 Apps angebunden sind. Uwe Dziuk beschreibt das System: „Wir bieten einen Standard, und wenn die Kassenlieferanten den einmal integriert haben, können sie ihren Kunden sagen: Such dir einfach von den 20 Apps die aus, die du akzeptieren willst – technisch musst du dich nicht mehr kümmern.“
Lösungen für ein komplexes Umfeld
Das Düsseldorfer Unternehmen versteht sich als Vollsortimenter der Mobilitätsbranche und verfügt über ein breites Leistungsportfolio, das weit über den klassischen Zahlungsverkehr hinausgeht. Neben Payment und Datentransport gehören Hardwarelösungen wie Kartenterminals, Schnittstellen, Preisübermittlung, Peildatenservices und zusätzliche digitale Produkte dazu. Betreiber profitieren davon, nur einen Ansprechpartner für eine Vielzahl technischer und kaufmännischer Anforderungen zu benötigen. Wenn beispielsweise Terminals benötigt werden, kann WEAT sowohl eigene Geräte, die Kredit- und Zahlkarten von Mastercard über Visa bis zu Flottenkarten akzeptieren, als auch Lösungen über Systemhersteller anbieten. Die Verpflichtung zur Echtzeit-Preisübermittlung an die Markttransparenzstelle wird ebenfalls abgedeckt. Mit zunehmender Bedeutung der E-Mobilität erweitert sich der Wirkungskreis weiter. Betreiber, die Ladepunkte oder Lade-Hubs errichten, greifen verstärkt auf WEAT Lösungen zurück. Geografisch bleibt Deutschland der Kernmarkt, doch inzwischen betreut das Unternehmen auch zahlreiche Tankstellen in Österreich. Langfristig sind weitere europäische Märkte möglich, wobei Stabilität und Qualität Vorrang vor schnellem Wachstum haben, wie Uwe Dziuk betont: „Ebenso wie unsere Kunden gehören wir zur kritischen Infrastruktur. Da hat Solidität oberste Priorität.“
Die Mobilitätswende mitgestalten
Für das Jahr 2026 steht bei WEAT ein umfangreiches neues Projekt im Mittelpunkt. „Es wird einen großen Teil der technischen Mannschaft binden und uns über das gesamte Jahr hinweg beschäftigen“, so Uwe Dziuk. Parallel dazu wächst das Unternehmen organisatorisch weiter: Seit der Übernahme der Geschäftsführung durch Uwe Dziuk und seinen Geschäftsführerkollegen im Jahr 2019 hat sich die Belegschaft von etwa 35 auf 72 Mitarbeiter erhöht. Diese Entwicklung erfordert laufende strukturelle Anpassungen. Die Anwendung künstlicher Intelligenz steht noch am Anfang. Sie wird bereits im administrativen Bereich eingesetzt und soll zukünftig intern für weitere Optimierungen sorgen. Aktuell beschäftigt man sich auch mit der noch recht neuen Zahlungslösung Wero. „Wir sind dabei, ihr den Weg zu ebnen und Wero an den Point of Sale zu bringen“, sagt Uwe Dziuk. Digitale Währungen laufen dagegen eher unter Zukunftsthemen. Ein zentraler Schwerpunkt wird zukünftig die Mobilitätswende sein. Denn ob E-Autos künftig überwiegend an Tankstellen, im Handel oder zu Hause geladen werden, beeinflusst das Geschäftsmodell der Branche erheblich. „Niemand weiß, ob in zehn Jahren noch an einer klassischen Tankstelle geladen wird. Aber wir wollen diesen Wandel aktiv mitgestalten und weiter partizipieren“, stellt Uwe Dziuk klar. Für ihn persönlich ist die Entwicklung des Unternehmens eng mit seiner eigenen Laufbahn verknüpft. Als dritter Mitarbeiter eingestellt, hat er die Transformation von einem kleinen Team zu einer mittelgroßen Organisation begleitet. „Wir bedienen keine andere Branche als die Mobilität“, betont er, „und diese Beständigkeit, verbunden mit langjährigen Kundenbeziehungen, ist das, was mich motiviert.“










