Durch Erfahrung gut: Verkehrswege kompetent geplant

Interview mit Dipl.-Ing. Jens Schulze, Geschäftsführer der PBVI

Wirtschaftsforum: Herr Schulze, das Jahr 2020 markierte für PBVI einen Meilenstein: Aus drei Unternehmen wurde ein einziges. Wie kam es dazu?

Jens Schulze: Die BVÜ, die ICB und die MIB haben fast 25 Jahre lang nebeneinander im gleichen Markt agiert: Nachdem in den 1990er-Jahren die Bundesbahn zur Bahn AG geworden und innerhalb dieser viele Bereiche, die die funktionale Infastruktur der Bahn bisher gesichert hatten, aufgelöst worden waren, mussten deren Aufgaben von externen Dienstleistern übernommen werden. Dabei ging es etwa um Bau- und Prozessplanung, Bauüberwachung, Instandsetzung und Vermessung, alles Bereiche im Verkehrsbau, in denen wir seitdem sowohl für die Bahn als auch für Privatkunden tätig sind. Anfangs waren wir bei der ICB, wo ich seit 1995 gearbeitet habe, nur fünf Mitarbeiter und in den anderen Firmen sah es ähnlich aus, sodass man sich untereinander bei Kapazitätsengpässen auch immer einmal wieder um Hilfe gebeten hat.

So haben wir über fast drei Jahrzehnte nebeneinander und auch miteinander gearbeitet, bis wir uns entschlossen haben, unsere Kapazitäten in der PBVI zusammenzuführen.

Wirtschaftsforum: Was waren dabei besondere Herausforderungen?

Jens Schulze:Früher ist uns gar nicht so bewusst gewesen, wie sehr die schiere Größe eines Unternehmens auch neue Mitarbeiter anziehen kann. In größeren Unternehmen gibt es Aufstiegschancen, Möglichkeiten sich zu verändern, ganz andere Strukturen – all das, was wir als kleine Einzelunternehmen nicht bieten konnten. Nun als BBVI bekamen wir auf einmal viele Bewerbungen und mussten erst einmal neue Stellen schaffen. So sind wir gewachsen und das hat sich als sehr positiv herausgestellt, weil sich auch die großen Verkehrsverbünde für uns interessiert haben, für die wir zuvor, als einzelne Unternehmen, zu wenig leistungsstark schienen. Unsere größte Herausforderung ist jetzt nicht mehr, an neue Projekte he-ranzukommen, sondern dass wir weiter wachsen müssen, um sie auch umsetzen zu können.

Wirtschaftsforum:Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie denn mittlerweile?

Jens Schulze: Wir haben inzwischen 120 Mitarbeiter, wobei wir inzwischen auch eine weitere Fusion hinter uns haben: Kürzlich haben wir ein kleines Vermessungsbüro übernommen, dessen Geschäftsführender Gesellschafter in den Ruhestand gehen wird. Er hat sein Unternehmen und seine Mitarbeiter bei uns gut untergebracht und die neuen Kollegen sind inzwischen auch schon zu uns nach Marzahn gezogen.

Wirtschaftsforum:Sind ausgehend von diesem gelungenen Zusammenschluss auch noch weitere Akquisitionen geplant?

Jens Schulze:Tatsächlich ist derzeit eine meiner hauptsächlichen Aufgaben die Akquise von Firmen, die zu uns passen könnten, also etwa Ingenieurbüros. Doch es geht für uns nach wie vor hauptsächlich um Infrastruktur. Wir wollen leistungsmäßig stärker werden und wir wollen uns auch weiter verjüngen, das heißt, das Durchschnittsalter unserer Mitarbeiter weiter senken. Inzwischen haben wir es um fast zehn Jahre gesenkt. Das wäre allein über Einzelrecruiting schwierig gewesen.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich nach dem Zusammenschluss das Portfolio verändert? Ist es, was den Leistungsumfang angeht, sozusagen eine Synthese aus den Leistungen der Vorgängerunternehmen, oder ist da etwas eigenes entstanden?

Jens Schulze: Teils teils, müsste man wohl sagen. Einerseits haben wir das bestehende Leistungsangebot beibehalten, andererseits sind wir durch die Akquise des Vermessungsbüros, das überdies einen sehr breiten Kundenstamm hat, auch in diesem Bereich aktiv geworden. Wir sind weiterhin vorwiegend im Gleisbau tätig, also alles, was Schiene, Schwelle und Schotter umfasst, aber wir sind auch in den elektrotechnischen Bereich hineingegangen und bieten alles von der Beleuchtung über Weichenheizungen und Stromversorgung mit Elektranten bis hin zur Straßenbeleuchtung. Seit anderthalb Jahren gibt es bei uns außerdem einen Bereich Umweltplanung.

Wirtschaftsforum: Welche Vision haben Sie für die Zukunft Ihres Unternehmens?

Jens Schulze: Wir haben uns das Ziel gesetzt, noch mehr in den Bereich Ökologische Planung hereinzugehen und deshalb auch das Thema Umweltplanung hinzugenommen. Wir wollen unsere Kunden noch bewusster unter diesem Aspekt beraten und technische Lösungen aufzeigen, die ermöglichen, dass vielleicht auch noch der Radweg, den man sich hatte sparen wollen, trotzdem ins Budget passt.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Bau

Nachhaltig bauen, klar führen

Interview mit Wolfgang Rosentritt, Geschäftsführer ROSENTRITT

Nachhaltig bauen, klar führen

Der Immobilienmarkt in Deutschland erlebt derzeit seine wohl tiefgreifendste Transformation seit Jahrzehnten: gestiegene Zinsen, Baukosten auf Rekordniveau und Käufer, die sich zurückhalten. Während viele Entwickler Projekte pausieren, geht ROSENTRITT einen…

Digitaloptimisten transformieren die Bauwirtschaft

Interview mit Hagen Schmidt-Bleker, Vorstand der Formitas AG

Digitaloptimisten transformieren die Bauwirtschaft

Die Baubranche profitiert an vielen Stellen von modernster digitaler Technologie – von KI bis VR. Der Schlüssel, dass diese Transformation gelingt, liegt jedoch vornehmlich bei den Menschen, ist Hagen Schmidt-Bleker…

„Mit einem Anstrich Energie sparen – ohne Umbau“

Interview mit Waldemar Walczok, Geschäftsführer der SICC Coatings GmbH

„Mit einem Anstrich Energie sparen – ohne Umbau“

Wer über Energieeffizienz im Gebäudesektor spricht, denkt meist zuerst an Dämmstoffe. Waldemar Walczok verfolgt einen anderen Ansatz. Mit Beschichtungen, die wie Farbe verarbeitet werden, will sein Unternehmen Gebäude kühlen, Wärme…

Spannendes aus der Region Berlin

„Auch Beratung im Homecare-Bereich muss vergütet werden“

Interview mit Lukas Kramer, Geschäftsführer und Inhaber der Geria+med GmbH & Co. KG

„Auch Beratung im Homecare-Bereich muss vergütet werden“

In der Gesundheitsversorgung entscheiden oft kleine Details über die Lebensqualität. Die Geria+med GmbH & Co. KG mit Sitz in Berlin hat sich auf die Versorgung mit Inkontinenzprodukten spezialisiert und ist…

„Wir schützen, was unseren Kunden wichtig ist.“

Interview mit Tarik Yilmaz, Geschäftsführer der EITNER SECURITY GmbH

„Wir schützen, was unseren Kunden wichtig ist.“

In der sich rasch verändernden Sicherheitsbranche ist die EITNER SECURITY GmbH ein innovativer Vorreiter, der sich den Herausforderungen des Personalmangels mit technologischen Lösungen stellt. Geschäftsführer Tarik Yilmaz erläutert im Interview,…

Handeln – nicht erst, wenn‘s brennt!

Interview mit Christian Kühn (li.), Geschäftsführer und Marius Schanz, Prokurist der Schlentzek & Kühn GmbH

Handeln – nicht erst, wenn‘s brennt!

Ihr Angebot reicht von Entrauchungslösungen über Brandmeldeanlagen bis zur Betreuung von Bestandsgebäuden: Die Schlentzek & Kühn GmbH aus Berlin ist seit fast drei Jahrzehnten ein spezialisierter Anbieter im vorbeugenden Brandschutz.…

Das könnte Sie auch interessieren

Vom Ticketverkauf zur Eventlösung

Interview mit Jannusch Frontzek, Geschäftsführer und Gesellschafter der ticket i/O GmbH

Vom Ticketverkauf zur Eventlösung

„Man stellt sich Ticketing oft sehr einfach vor“, sagt Jannusch Frontzek, Geschäftsführer und Gesellschafter der ticket i/O GmbH in Köln. „Aber es wird schnell komplex, sobald Zusatzleistungen, Zeitfenster oder Besucherströme…

„Unsere Mission? Wir bringen die ­Guten zu den guten Jobs!“

Interview mit Patrick Gutmann, Geschäftsführer der punkt.genau GmbH

„Unsere Mission? Wir bringen die ­Guten zu den guten Jobs!“

Die punkt.genau GmbH will für ihre Kunden konsequent die richtigen Fachkräfte finden und tritt dabei in verschiedensten Branchen als zuverlässiger Partner bei vielfältigen Personalthemen von Executive Search bis Headhunting auf.…

Wo Technik auf Verantwortung trifft

Interview mit Tobias Krüer, Geschäftsführer der FACT GmbH

Wo Technik auf Verantwortung trifft

Die wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser in Deutschland ist angespannt wie selten zuvor. Steigende Kosten, Reformdruck und der Wandel zur ambulanten Versorgung erhöhen den Handlungsbedarf. Gefragt sind Lösungen, die weit über…

TOP